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Alchimie

Der Anfang des Weges ...

Erster Schlüssel des Basilius Valentius

Alchimie – richtig verstanden – ist nicht irgendein Hokuspokus. Es geht in der Alchimie auch nicht primär darum aus unedlen Metallen Gold zu machen, um sich zu bereichern.
Die alten alchimistischen Texte sind nicht ohne Grund in „verschlüsselter“ Form verfasst.
Der Sinn liegt darin, dass dieses Wissen eine gewisse seelische Reife, eine Entwicklungshöhe voraussetzt, um den eigentlichen Gehalt zu fassen, sich zu erschliessen.
Es liest sich – zugegeben – vieles wie völlig wirres Zeug. Auch gerade deshalb, weil die verwendete Symbolik variiert, d.h. bestimmte Zusammenhänge treten in verschiedenen Verkleidungen auf.
Das mag eine bewusste Irreführung sein.
Doch hat man den Schlüssel, erschließen sich die Zusammenhänge.
Der Schlüssel liegt in der geistig-seelischen Entwicklungshöhe, der Reife, somit in jedem selbst.

"Es gibt kein Geheimnis an sich, es gibt nur Uneingeweihte aller Grade." (Christian Morgenstern)
Lege ich einem Erstklässler Symbole und Gedankengänge der höheren Mathematik vor, so wird er schwerlich dies zu fassen vermögen – wozu auch? Auf seiner Entwicklungsstufe braucht er dieses Verständnis nicht – er muss sich durch seinen schulischen Werdegang erst dort hin entwickeln, was ein völlig natürlicher Vorgang ist.
In ihrer wesentlichen Aussage beschreibt die Alchimie einen geistigen Entwicklungsvorgang vom niederen hin zum höheren – die Wandlung vom Unedlen zum Edlen – allerdings auf den Menschen bezogen, denn nur er kann diesen Weg gehen.
Das Streben nach Gold oder einem Elixier, das unsterblich macht, entspringt niederen Bedürfnissen unreifer Menschen, dem Streben nach Macht über Leben und Tod und über andere. Und eben diese Menschen scheitern an der Hürde der Symbolik, nehmen die Rezepturen wörtlich und erreichen nichts. Sie „besudeln“ die Alchimie, weshalb sie auch in alchimistischen Texten als „Sudler“ bezeichnet werden. Das Tor bleibt ihnen verschlossen.
Wer unten anfängt, erst die Grundrechenarten lernt und dann höherschreitet, dem wird sich der Sinn erschließen, früher oder später. Und nur er kann die Verwandlung durchführen.
Ungeduld ist hier ein schlechter Führer.
Ein Grashalm wird nicht schneller wachsen, wenn ich daran ziehe!
Ziehe ich zu stark, so reiße ich ihn aus…

"Die Alchemie ist die Kunst das zu vollenden, was die Natur ohne die Hilfe des Menschen nicht fertig bringt. Die Natur bringt Getreide hervor, der Mensch hat es veredelt und backt Brot daraus. Er ist ein Alchemist. Alchemie ist die Chemie des Lebendigen. Der grösste Alchemist ist Gott, aus dessen Weisheit alle Welten und alle Wesen durch die Schöpferkraft seines Willens hervorgingen.
Versuche aus unedlen Metallen Gold zu machen, haben mit der Alchemie nichts zu tun.
Die wahre Alchemie ist geistiger Art. Sie arbeitet mit geistigen Kräften, vor allem mit der Lebenskraft, die Wunder der Wandlung bewirkt. Um das Ziel der geistigen Alchemie - dieVeredelung des Menschen – zu erreichen, muss der göttliche Funke im Menschen zur Flamme entfacht werden.
Durch die Kraft Gottes in Ihm das irdische überwinden und durch die Aufopferung des Selbstwahns in der Kraft der erkennenden Liebe zur Erkenntnis seines göttlichen Daseins zu gelangen.
"
(Dr. Franz Hartmann)

Weisheitsgold

"Das Weisheitsgold ist das Gewicht der Ewigkeit.
Wenn wir das Gold der Weisheit finden wollen, müssen wir bereits soweit in der geistigen Erkenntnis gereift sein, dass wir das reine Edelmetall vom unreinen Erdenbeiwerk sofort und zweifellos unterscheiden können, noch mehr:
wir müssen selbst von beiden bis auf die letzte Spur gereinigt sein: von gut und bös, arm und reich, hoch und nieder, klein und groß, von Licht und Finsternis, Hass und Liebe, Neid und Wohlwollen, Tugend und Laster, Lohn und Strafe, Lob und Tadel, von schön und hässlich, Zorn und Sanftmut, Hochmut und Demut, Sünde und Heiligkeit, Lust und Trauer, Glück und Unglück, Furcht und Hoffnung, von relativer Wahrheit und relativer Unwahrheit, von Leben und Tod, gereinigt von allen Gegensätzen und dem Hauptgegensatz: Gott und Mensch und was unter dem ist.
Wie in jedem goldenen Schmuck ein Teil puren Goldes enthalten ist, und dies dem Ganzen allein seinen Wert verleiht, so besteht eine jegliche menschliche Schmuckform aus einem Teil der reinen Gottheit."

(J.F. Finck)

"Sobald durch Gottes Feu’r ich mag geschmelzet sein,
So drückt mir Gott alsbald sein eigen Wesen ein.
Dann wird das Blei zu Gold, dann fällt der Zufall hin,
Wenn ich mit Gott durch Gott zu Gott verwandelt bin."

Religion und Alchimie

Religion

Religion bezieht sich auf "den äußeren und inneren Menschen gleichermaßen".
Bezieht man sich jedoch auf den äußeren Menschen, den in der Polarität gefangenen Sinnesmenschen, so projiziert man das Gottesbild gemeinerhand nach außen in
einen personalisierten Gott.
Die Erlebnisse der Mystiker hingegen beziehen sich auf die Wahrnehmungen des inneren Menschen, der in innerer mystischer Schau die religiösen Bilder betrachtet, erkennend,
dass Seelengrund und Gottesgrund eins sind.
Ein äußerlich hingestelltes göttliches Vorbild, dem man sich anzugleichen sucht (imitatio christi) dringt nie in diese innere Welt vor und kann dort keine Wandlung bewirken - den
inneren Menschen berührt sie nicht.
Nachahmung bewirkt keine Wandlung.
Sünde, oder das was man das Böse nennt wird nach außen projiziert und dort bekämpft (siehe die Kreuzzüge oder den heiligen Krieg der Mohammedaner),
anstatt es im eigenen Inneren zu sehen und zu transformieren durch die Kraft der Liebe – durch Bekämpfen macht man es lediglich stärker.
Das Böse, dass ich außen sehen ist eine Spiegelung des Bösen in mir!
Niemand kann mir diese Last abnehmen. Die Verantwortung trage ich ganz allein.
"Eine ausschließlich religiöse Projektion kann die Seele ihrer Werte berauben, so dass sie sich infolge der Inanition (Abmagerung) nicht mehr weiter zu entwickeln vermag und in einem unbewussten Zustand steckenbleibt. Zugleich verfällt sie dem Wahn, die Ursache alles Ungemaches liege draußen, und man fragt sich schon gar nicht mehr, wie und wo man selbst dazu beiträgt. Die Seele kommt einem dermaßen unbedeutend vor, dass man sie kaum des Bösen, geschweige denn des Guten fähig erachtet.
Wenn aber die Seele nicht mehr mitspielt, so erstarrt das religiöse Leben in Äußerlichkeit und Formelkram."

„Der … Archetypus konfrontiert … das Individuum mit der abgründigen Gegensätzlichkeit menschlicher Natur, womit ihm eine ganz unmittelbare Erfahrung von Licht und Finsternis, von Christus und Teufel, ermöglicht wird… Erfahrungen dieser Art können mit unseren menschlichen Mitteln nicht … herbeigeführt werden …
Ohne das Erlebnis der Gegensätzlichkeit gibt es keine Erfahrung der Ganzheit und damit auch keinen inneren Zugang zu den heiligen Gestalten. Aus diesem Grunde insistiert das Christentum mit Recht auf der Sündhaftigkeit und Erbsünde in der offenkundigen Absicht, wenigstens von außen jenen Abgrund der Weltgegensätzlichkeit in jedem Einzelnen aufzureißen.“
Das Christentum hat die Antinomie von Gut und Böse zu einem Weltproblem und durch die dogmatische Formulierung des Gegensatzes zu einem absoluten Prinzip erhoben …
… Das Gute ist gleichbedeutend mit der unbedingten Nachfolge Christi, und das Böse eine Behinderung derselben … geht ein Riss durch die Welt: das Licht kämpft gegen die Nacht, und das Obere gegen das Untere. Diese zwei sind nicht eins wie im psychischen Archetypus …

Seele ist dadurch gekennzeichnet, dass sie die Fähigkeit hat "einer Beziehung zur Gottheit" bewusst zu sein.
"Wie das Auge der Sonne, so entspricht die Seele Gott"

Gott offenbart sich in und durch die Seele, nicht irgendwo in der Außenwelt.
Also "muss die Seele eine Beziehungsmöglichkeit, das heißt eine Entsprechung zum Wesen Gottes in sich haben, sonst könnte ein Zusammenhang nie zustande kommen.
Diese Entsprechung ist, psychologisch formuliert, der Archetypus des Gottesbildes.“

"Die großen Ereignisse unserer Welt, die von Menschen beabsichtigt und hervorgebracht sind, atmen nicht den Geist des Christentums, sondern des ungeschminkten Heidentums.
Diese Dinge stammen aus einer archaisch gebliebenen seelischen Verfassung, welche vom Christentum auch nicht von ferne berührt worden ist…
Die christliche Kultur hat sich in erschreckendem Maße als hohl erwiesen: sie ist äußerliche Politur; der innere Mensch ist unberührt und darum unverändert geblieben.
Der Zustand der Seele entspricht nicht dem äußerlich Geglaubten. Der Christ hat in seiner Seele mit der äußerlichen Entwicklung nicht Schritt gehalten.
Ja, es steht äußerlich alles da in Bild und Wort, in Kirche und Bibel. Aber es steht nicht innen."
"Die Seele ist „befähigt, jenes Auge zu sein, dem es bestimmt ist das Licht zu schauen.“
„Man sollte nachgerade einmal merken, dass es nichts nützt, das Licht zu preisen und zu predigen, wenn niemand es sehen kann. Vielmehr wäre es notwendig dem Menschen die Kunst des Sehens beizubringen. Es ist ja offenkundig, dass allzu viele unfähig sind, einen Zusammenhang zwischen den heiligen Figuren und ihrer eigenen Seele herzustellen; das heißt sie können nicht sehen, dass und inwiefern entsprechende Bilder in ihrem eigenen Unbewussten schlummern.“
Weit entfernt hat sich die „christliche“ Kirche von der ursprünglichen universellen Idee durch ihre Zersplitterung in Konfessionen und ihre unheilige Allianz mit der weltlichen Macht. So ist der Papst zu einem weltlichen
Herrscher degeneriert mit Deutungshoheit der christlichen Lehre, die er seinen weltlichen Machtinteressen entsprechend auslegt und anwendet. „Gut“ ist, was dem Machterhalt der Kirche dient; „böse“, was diesen
zuwiderläuft. Gott ist der dienstbare Vasall."
Förderlich war dieser Einstellung die Beobachtung, dass dieser Gott nie offensichtlich strafend eingreift und dieser logischerweise nicht existent sein kann in der äußeren, personalisierten Form!
Es ist der gleiche Gedanke, den Juri Gagarin geäußert hat: „Ich bin in den Weltraum geflogen – Gott habe ich dort nicht gesehen.“

Ein oder der entscheidende Schritt der Kirche zu einer weltlichen Machtinstitution war die von Bonifaz VIII aufgestellte Theorie "vom geistlichen und weltlichen Schwert, die beide
dem Papst gebührten."

Alchimie

"Während in der Kirche die zunehmende Differenzierung von Ritus und Dogma das Bewusstsein von seinen naturhaften Wurzeln im Unbewussten entfernten,
waren Alchimie und Astrologie unablässig damit beschäftigt, die Brücke hinüber zur Natur, das heißt zur unbewussten Seele, nicht in Verfall geraten zu lassen.
Die Astrologie führte das Bewusstsein immer wieder zurück zur Erkenntnis … der Abhängigkeit des Charakters und des Schicksals von bestimmten zeitlichen Momenten,
und die Alchimie gab immer wieder Anlass zur Projektion jener Archetypen, welche sich in den christlichen Prozess nicht reibungslos einfügen konnten …
erfreute sich des wirksamen Schutzes der Dunkelheit ihrer Symbolik, die jederzeit auch als harmlose Allegorik erklärt werde konnte.
Der allegorische Aspekt stand für viele Alchimisten unzweifelhaft dermaßen im Vordergrund, dass sie felsenfest davon überzeugt waren, es nur mit chemischen Körpern zu tun zu haben.

Aber es gab immer wieder Einzelne, denen es bei der Laboratoriumsarbeit um das Symbol und dessen psychische Wirkung zu tun war.
Wie die Texte ausweisen, waren sie sich letzterer bewusst, und zwar in solchem Maße, dass sie die naiven Goldmacher als Lügner, Betrüger und Irregeleitete verpönten.

Ihre Beschäftigung mit dem Stoff war zwar eine seriöse Bemühung, in das Wesen der chemischen Wandlungen einzudringen;
zugleich aber war sie auch – und dies oft in überwiegendem Maße – die Abbildung eines parallel laufenden psychischen Prozesses,
der umso leichter in die unbekannte Chemie des Stoffes projiziert werden konnte, als jener Prozess ein unbewusster Naturvorgang ist,
genau wie die geheimnisvolle Veränderung des Stoffes. Die ... Problematik des Individuationsprozesses, ist es, die sich in der alchimistischen Symbolik ausdrückt."

"Die durch den Schatten hervorgerufene Gegensatzproblematik spielt in der Alchimie eine große und entscheidende Rolle –
führt sie doch schließlich im Verlaufe des Werkes zur Vereinigung der Gegensätze in der archetypischen Form ...der „chymischen Hochzeit“.
In dieser werden die supremen Gegensätze in der Gestalt des Männlichen und des Weiblichen zu einer Einheit verschmolzen, welche keine Gegensätze mehr enthält …"

Man muss sich zum tieferen bzw. wesentlichen Verständnis also folgendes bewusst machen:
Alchimie ist dem Wesen nach kein materieller, chemischer Vorgang, sondern ein psychischer Prozess, der sich einer bildhaften Sprache und vor allem bestimmter Symbole
bedient: Phosphor, Merkur, Salz, Gold, Silber meinen eben nicht die chemischen Stoffe - diese sind Bilder seelisch-geistiger Entitäten und zugehöriger Wandlungsvorgänge!
Jedes verwendete Bild oder Symbol hat Bedeutung, hat einen dahinter stehenden und hindurchwirkenden geistigen Sinn.
Im Grunde wird in der Alchimie die Arbeit der Natur, das Naturgegebene veredelt - etwa so wie man aus Weizen Brot macht. Der niedere "Naturbestand" des Menschen wird vergeistigt.

So soll man, wie Rudolf Steiner es ausdrückt:
"nicht nach der Art schlechter Alchimisten dem Irrtum verfallen, das Physische mit dem Geistigen zu verwechseln.
Solche vermeinen, daß ein physisches Mittel der Lebensverlängerung oder ähnliches ein höchstes Gut sei, und vergessen darüber, daß das Physische nur solange Wert hat,
als es durch sein Dasein sich als rechtmäßiger Offenbarer des ihm zu Grund liegenden Geistigen erweist."

Im Folgenden eine Darstellung der Grundgedanken der Alchimie nach eine modernen Alchimisten, befreit von verdunkelnder Symbolik. Bemerkenswert ist die Analogie der alchimistischen Lehre mit der Lehre der Theosophie!
Ich habe versucht die Grundgedanken der Alchimie, so wie Max Retschlag sie beschreibt, in eigenen Worten wiederzugeben, um die Essenz seiner Gedanken und des alchimistischen Gedankengebäudes zu erreichn - erläutert und untermauert mit Zitaten von Max Retschlag.

Alchimie (nach Max Retschlag)
Grundgedanke
Den meisten Menschen fehlt der geistige Zugang (zur Alchimie), weil „nur verhältnismäßig wenige Menschen, diejenige Reife besitzen, die ihnen die Pforten der Erkenntnis erschließt“ und „weil der Weg, der zur Erkenntnis führt…in solch geheimer und unverständlicher Symbolik“ beschrieben ist, „dass es nur wenigen gelingt sich nach vielen Mühen und Enttäuschungen in diesem Labyrinth zurecht zu finden.

Materie aus alchimistischer Sicht
Materie „ist eine einzige, einfache, eine unveränderliche Essenz trotz der verschiedenen Formen, unter denen sie sich manifestiert. Materie ist der passive Teil des Universums und aktiv ist die Energie unter ihren verschiedenen Modalitäten."
Der passive (negative, empfangende) Teil des Universums ist die Ur-Materie, das was diese prägt, bewegt und in Formen treibt ist die Ur-Kraft (oder Ur-Energie, positiv, gestaltend).
Die Ur-Energie ist ihrem Wesen nach Schwingung oder Wirbel, aus denen sich letztlich die Materie zusammensetzt (sichtbar im atomaren Bereich).
Die Ur-Energie prägt der Ur-Materie Formmuster ein, die sich entwickeln von niederen zu höheren Formen, so wie sich die Pflanze aus der Zelle oder der Mensch aus dem Embryo entwickelt.
Was sich darin zeigt, ist ein veredelnder Verwandlungsprozess, eine höher führende Evolution.
Ein den körperlichen Sinnen unsichtbares (Schwingungs-)Muster manifestiert sich in materiellen, sichtbaren Formen und deren wahrnehmbaren Eigenschaften wie Licht, Wärme, Elektrizität.
Verschiedene Formen der Energie werden hier ineinander umgewandelt und Materie kann nach Einstein in Energie umgewandelt werden, ist also letztlich Energie, d.h. unstofflich.
Sie kann verschwinden, sich auflösen in Energie, sowie Energie sich materialisieren kann.
Materie ist somit nicht wirklich an sich, sondern Wirkung von Schwingungen einer zugrundeliegenden Ur-Kraft.
Das eigentliche Geschehen im manifestierten Kosmos ist somit geistiger Natur, das Wesentliche ist der Geist in unterschiedliche Formhüllen gekleidet.

Auch Metalle sind „wesentliche Typen der Urmaterie, begabt mit einer für unsere Sinne wahrnehmbaren Form…“.
Jeder materialisierte Körper besteht nach Ansicht der Alchimie aus drei Grundbestandteilen:
•Salz (Körper),
•Sulphur (Seele)
•Quecksilber oder Merkur (Geist).

In den Worten von Paracelsus:
Dass in der ersten Schöpfung, so aus nichts vollbracht, drei Ding entstanden als ein seelisches, geistigliches Wesen. Die stellten für ein merkurialisch Wasser, einen sulphurischen Schwefeldampf und ein irdisches Saltz:
Diese drei gaben ein vollständig und perfekt greifliches und förmliches Corpus aller Dinge, in welchen in Sonderheit alle vier Elements vollkommen befunden werden.“
„Drey sind der Substanz, so einem jeglichen sein Corpus geben Das ist:
Ein jeglich Corpus stehet in drey Dingen.
Die Namen dieser drei Dingen sind also: Sulphur, Mercurius, Sal. Die Drey wurden zusammengesetzt, als dann heißt’s ein Corpus.
Also, so du ein Corpus in die Hand nimbst, so hastu unsichtbar drei Substanzen … Nun die Ding zu erfahren, so nempt ein Anfang aus Holtz, dasselbig ist ein Leib. Nun lass es brennen, so ist, das da brennt der Sulphur, das da raucht der Mercurius, das zu Eschen wird, Sal.


Materie aus alchimistischer Sicht besteht „nur aus ein und demselben Urstoff“. Alle chemischen Elemente haben ihren gemeinsamen Ursprung in einem „Ur-Element … das überall im Weltall dasselbe ist und aus dem sich die anderen Elemente entwickeln in der Folge ihrer Kondensation und Evolution.
Da alle chemischen Elemente zusammengesetzte Stoffe sind, „zusammengesetzt aus den verschiedenen Evolutionen einer einzigen Ursubstanz“, so lassen sich diese ineinander verwandeln.
In der Alchimie werden speziell die Metalle und deren Verwandlung von niederen in höhere Metalle betrachtet.
Nach Auffassung der Alchimie haben all diese Metalle einen gemeinsamen Grundstoff (Ur-Element), mit dem ein für jedes Metall typischer Grundstoff fest verbunden ist. Aus dieser typischen Zusammensetzung entstehen die verschiedenen Metalle.

Die Verwandlung der Materie
Das Ziel der Alchimie ist: „Die Veränderung einfacher Stoffe bzw. die Verwandlung der Materie

Alchimie ist die praktische Anwendung der okkulten Philosophie. Nach dieser „beruht alles im Weltall auf denselben Grundprinzipien: wie unten, so oben; wie im Kleinsten, so im Größten; wie im Mikrokosmos, so im Makrokosmos.
Ausgangspunkt zur Verwandlung der Materie ist deren Zerlegung in ihre Ur-Substanzen; Ziel ist die Veredelung von Metallen und die Herstellung heilkräftiger Arkana.
Der alchimistische Vorgang besteht nun darin, im zersetzten (zerlegten) Körper oder Metall, der für dieses prägende Stoff durch einen solchen höherer Ordnung überlagert wird. Silber wird zu Gold, indem das prägende Charakteristikum „Silber“ durch jenes des Goldes überlagert wird.
Diesen Vorgang der Zerlegung, Zersetzung oder Auflösung bezeichnet man in der Alchimie als „Putrefaktion“.

Der Vorgang der Putrefaktion
Jede Materie enthält in sich drei Körper: einen himmlischen, einen psychischen und einen physischen. Die beiden ersten können wir mit unseren ungeübten Sinnen nicht wahrnehmen; sie sind beide unsichtbar in dem physischen Körper enthalten und werden frei bei der Putrefaktion, der Verwesung, Auflösung. Um den psychischen Körper zu erhalten, muss der physische verwest sein und ebenso der psychische, damit der himmlische frei wird.
Sie (die Putrefaktion) ist der Schlüssel zur Erlangung der heilwirksamen Bestandteile eines Stoffes.

Die Urenergie an sich ist unzerstörbar. Hat sie sich jedoch mit einer Materie vereint, und ist sie in jeder Materie enthalten, so verwest sie mit dem betreffenden Stoff, scheidet das Reine vom Unreinen und regt die gereinigten Bestandteile zu neuer Vereinigung, zu einer neuen Materialisation an.
Durch jede Putrefaktion entwickelt sich die Materie aufwärts.
So entstehen aus den Körpern des Mineralreiches allmählich solche des Vegetalreiches und aus diesen das Animalreich mit dem Menschen.

Ohne Putrefaktion kann keine Materie zerstört werden und keine entstehen. Diese Putrefaktion ist am stärksten im Tierreich, schwächer im Pflanzenreich und kaum wahrnehmbar im Mineralreich...
Die Urenergie ist das Geistige, das Führende jeder Putrefaktion, eine scheidende und vereinende Kraft, die die Atome … eines Körpers zusammenhält bis zu einer neuen Putrefaktion, deren Eintritt sie regelt.“
„Sie ist das Schöpfungsprinzip, das Zerstörende, Erneuernde und Erhaltende aller Dinge.“

Putrefaktion und Entwicklungsstufen des Menschen
Die Entwicklung der Materie hat im Menschen ihren Abschluss erreicht. Bei ihm setzt sich die Evolution auf geistigem Gebiete, im psychischen Reiche fort, um bis zu dessen Grenze die hier mögliche Vollkommenheit zu erlangen.“
„Jede neue Materialisation soll den Menschen eine Stufe höher bringen in der fortschreitenden Entwicklung. Und da ihm die Herrschaft über seinen Geist und seine Seele gegeben ist, soll und kann er bedeutenden Einfluss haben auf diesen Fortschritt.“
„Der geistig tiefstehende Mensch ist noch rein materialistisch eingestellt. Das Tier in ihm hat noch vollständig die Herrschaft.
Allmählich erst, im Laufe vieler Putrefaktionen, gewinnt das Geistige die Oberhand und das Tierische, Materielle, die Herrschaft des Körperlichen, wird verdrängt.
Für den weit fortgeschrittenen Menschen ist Wohlleben, Besitz, Schmerz – kurz: alles Körperliche, nur noch von untergeordneter Bedeutung, schließlich ohne eine solche. Er hat dann das Ziel erreicht, dem alle in ihrer Entwicklung notgedrungen zustreben müssen.
Und zum Erreichen dieses Zieles sind jedem Einzelnen die dazu notwendigen Kräfte gegeben. Seine Sache ist es, sie zu gebrauchen.“

Bezug zur Heilkunst
Das Ziel des Strebens aller Alchimisten und Initiierten war das Erkennen der Krankheitsursachen und die Herstellung wirksamer Heilmittel…“
Und es sind nach diesen Anschauungen „alle unsere bekannten Krankheitsursachen nicht mehr Ursachen, sondern schon Wirkungen einer einzigen Ursache, die außerhalb des Physischen liegt.

Bezug zur Hermetischen Medizin
„Sie (die Astrologie) lehrt uns ferner die richtige Auswahl der Mittel zur Bekämpfung dieser Krankheiten aus der Mineral- und Pflanzenwelt. Sie zeigt uns die charakteristischen Merkmale gleicher Astralschwingungen dieser Reiche und die Korrektion solcher Schwingungen, die im Menschen eine Krankheit verursachten.“

Bezug zur Geheimwissenschaft
„Das Ziel der Geheimlehre ist die Erkenntnis des Daseinszweckes und eine daraus resultierende ethische Höherentwicklung, Erkenntnis des Schöpfers im Geschöpf und selbstlose Hilfe gegenüber den Mitmenschen.“

Zur Hermetischen Philosophie
„Alles ist in allem und das göttliche Urprinzip ist in allen irdischen Formen, die ihm ihr Dasein verdanken und in ihm wieder aufgehen nach der Auflösung ihrer jeweiligen Form und Gestalt.“
„Drei gleichzeitig bestehenden Welten gibt es nach hermetischer Lehre: die himmlische, die astrale (oder psychische) und die irdische (oder physische) Welt.
In allen drei Welten ist die Urmaterie eine einzige und gleich in sich und ihren Manifestationen. Die Manifestationen der Urmaterie sind Schwingungen, aus denen die Atome entstehen, daraus die Moleküle.
Die Zusammenfügung ist jedoch nicht ein Aneinanderlagern, sondern eine Ineinander Vereinigung, eine Durchdringung. Daher entstehen die verschiedenen Zustandsformen einer Substanz nicht erst durch irgendeine chemische Beeinflussung, sondern sie sind gleichzeitig vorhanden, wenn auch für unsere Sinne nicht zur gleichen Zeit wahrnehmbar.“

Bezug zur Astrologie
„Astrologie ist die Wissenschaft von den Gesetzen, die die Sterne leiten und ihre Anwendung auf das Sein der Erde, besonders auch auf das Sein des Menschen.
Sie lehrt den Einfluss der Gestirnsstrahlungen auf unsere Erde und auf ihre Geschöpfe in allen drei Reichen, den Einfluss der Schwingungen, den die Gestirne in ihren jeweiligen Stellungen am Himmel durch Zusammenklang ausüben.“
„Die Astrologie ist in summa die Wissenschaft von der Natur im Allgemeinen. Sie sucht die Beziehungen zu erforschen, die zwischen den irdischen Phänomenen und den siderischen Vibrationen bestehen.“
Es gibt ein Verhältnis zwischen Planeten-Strahlungen und gewissen Krankheiten, sowie zu pflanzlichen und mineralischen Stoffen, da die zugrundeliegenden Muster korrespondieren.
„Der Mensch empfängt im Augenblick der Geburt, bei seinem Eintritt in die Welt als selbständiges Individuum die Beeinflussung der zu dieser Zeit vorhandenen Wechselwirkung astraler Schwingungen.“
Durch diese wird er geprägt.
„Zeitpunkt und Prägung werden durch die in ihm vorhandene Urkraft bestimmt nach Maßgabe seiner bisherigen Evolution.“
„Er wird unter einem bestimmten Planeten geboren, der seine unveränderliche Konstitution bildet, seinen Charakter, während sein Temperament veränderlich ist.“


Mir scheint das Leben vergleichbar einem Drama, im eher tragischen Sinne, zumindest für den, der darin steckt und im handelnden Erleben eingebunden ist. Es mag von einem höheren, gelösteren Standpunkt auch Elemente einer Komödie enthalten, wenn der Humor den Blickwinkel bestimmt.
Ich glaube, das Schreiben von Dramen (speziell Tragödien) hat ja ursprünglich und wesentlich nichts mit oberflächlicher Unterhaltung zu tun. Es hat doch eher – schaut man sich die Werke von Shakespeare oder Schiller an – einen ganz wesentlichen und tiefen Bezug zum Leben, gestaltet mit menschlichen (Arche-)Typen, die in schicksalgewobenen Rollen, ihrer Natur gemäß handeln, sich behandeln, unterhalten, wechselwirken, weiteres „Schicksal“ (Karma) weben und wirken.
Es wird beschrieben wohl eher das Wechsel-Wirken der Schicksalskräfte, Karma und Charakter, wirkend im Geschehen durch die jeweiligen Träger davon, die Persönlichkeiten.
Die unterschiedlichen Rollen (Persönlichkeiten) und spezifisch ihre Charakterfärbungen bewirken Konflikte, die nach Lösung verlangen. Sie leben, sie lieben, sie hassen, sie streiten, sie sterben, verändern sich, entwickeln sich, entfalten sich, wandeln sich …
Wenige dieser Persönlichkeiten sind herausragend, gehen eigene Wege, haben eigene Gedanken und geraten damit immer in Konflikt mit der trägen, denkfaulen Masse, die das immer gleiche Muster lebt, das zwar Sicherheit zu geben scheint, doch letztlich keine Wandlung bewirken kann – dazu fehlen die Konflikte im Sinne von Reibungspunkten!
Dieser grundsätzliche Vorgang der Veränderung oder gar Wandlung ist ein alchimistischer.
Der „Stoff“ der Alchimie kann ein Metall, aber ebenso gut ein Mensch sein.
Die Wandlung von Blei zu Gold kann und muss ebenso im Menschen stattfinden, indem sich der niedere Mensch zum höheren Menschen wandelt.
Ist nicht jedwede Art von Höherentwicklung „Alchimie“. Ist die Evolution vom Stein oder Mineral zur Pflanze nicht eben dieses, ebenso wie die Höherwandlung der Pflanze zum Tier und letztlich die des Tieres zum Menschen?
Es bildet das Mineral den Körper, die Pflanze den Empfindungsleib, vom Tier entstammt das Triebhaft-Leidenschaftliche im Menschen – veredelt werden soll der Mensch durch das Wirken der höheren Seelenanteilen auf die niederen. Das Bindeglied ist seine Seele in ihrer Verbindung zu diesen höheren Anteilen. Durch die Seele fließen die höheren Kräfte ein und bewirken die Wandlung.
Besteht, so betrachtet, die wesentliche und höchste Aufgabe des Menschen nicht darin, zu Lebzeiten in seinem Leibes- und Lebenslaboratorium diese Wandlung herbeizuführen, sein Blei in Gold zu wandeln?