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Alchimie

Der Anfang des Weges ...

Erster Schlüssel des Basilius Valentius

Grundbetrachtung

Alchimie – richtig verstanden – ist nicht irgendein Hokuspokus. Es geht in der Alchimie auch nicht primär darum aus unedlen Metallen Gold zu machen, um sich zu bereichern.
Die alten alchimistischen Texte sind nicht ohne Grund in „verschlüsselter“ Form verfasst.
Der Sinn liegt darin, dass dieses Wissen eine gewisse seelische Reife, eine Entwicklungshöhe voraussetzt, um den eigentlichen Gehalt zu fassen, sich zu erschliessen.
Es liest sich – zugegeben – vieles wie völlig wirres Zeug. Auch gerade deshalb, weil die verwendete Symbolik variiert, d.h. bestimmte Zusammenhänge treten in verschiedenen Verkleidungen auf.
Das mag eine bewusste Irreführung sein.
Doch hat man den Schlüssel, erschließen sich die Zusammenhänge.
Der Schlüssel liegt in der geistig-seelischen Entwicklungshöhe, der Reife, somit in jedem selbst.

"Es gibt kein Geheimnis an sich, es gibt nur Uneingeweihte aller Grade." (Christian Morgenstern)
Lege ich einem Erstklässler Symbole und Gedankengänge der höheren Mathematik vor, so wird er schwerlich dies zu fassen vermögen – wozu auch? Auf seiner Entwicklungsstufe braucht er dieses Verständnis nicht – er muss sich durch seinen schulischen Werdegang erst dort hin entwickeln, was ein völlig natürlicher Vorgang ist.
In ihrer wesentlichen Aussage beschreibt die Alchimie einen geistigen Entwicklungsvorgang vom niederen hin zum höheren – die Wandlung vom Unedlen zum Edlen – allerdings auf den Menschen bezogen, denn nur er kann diesen Weg gehen.
Das Streben nach Gold oder einem Elixier, das unsterblich macht, entspringt niederen Bedürfnissen unreifer Menschen, dem Streben nach Macht über Leben und Tod und über andere. Und eben diese Menschen scheitern an der Hürde der Symbolik, nehmen die Rezepturen wörtlich und erreichen nichts. Sie „besudeln“ die Alchimie, weshalb sie auch in alchimistischen Texten als „Sudler“ bezeichnet werden. Das Tor bleibt ihnen verschlossen.
Wer unten anfängt, erst die Grundrechenarten lernt und dann höherschreitet, dem wird sich der Sinn erschließen, früher oder später. Und nur er kann die Verwandlung durchführen.
Ungeduld ist hier ein schlechter Führer.
Ein Grashalm wird nicht schneller wachsen, wenn ich daran ziehe!
Ziehe ich zu stark, so reiße ich ihn aus…

Was ist Alchimie?

"Die Alchemie ist die Kunst das zu vollenden, was die Natur ohne die Hilfe des Menschen nicht fertig bringt. Die Natur bringt Getreide hervor, der Mensch hat es veredelt und backt Brot daraus. Er ist ein Alchemist. Alchemie ist die Chemie des Lebendigen. Der grösste Alchemist ist Gott, aus dessen Weisheit alle Welten und alle Wesen durch die Schöpferkraft seines Willens hervorgingen.
Versuche aus unedlen Metallen Gold zu machen, haben mit der Alchemie nichts zu tun.
Die wahre Alchemie ist geistiger Art. Sie arbeitet mit geistigen Kräften, vor allem mit der Lebenskraft, die Wunder der Wandlung bewirkt. Um das Ziel der geistigen Alchemie - dieVeredelung des Menschen – zu erreichen, muss der göttliche Funke im Menschen zur Flamme entfacht werden.
Durch die Kraft Gottes in Ihm das irdische überwinden und durch die Aufopferung des Selbstwahns in der Kraft der erkennenden Liebe zur Erkenntnis seines göttlichen Daseins zu gelangen.
"
(Dr. Franz Hartmann)

Weisheitsgold

Das Weisheitsgold ist das Gewicht der Ewigkeit.
Wenn wir das Gold der Weisheit finden wollen, müssen wir bereits soweit in der geistigen Erkenntnis gereift sein, dass wir das reine Edelmetall vom unreinen Erdenbeiwerk sofort und zweifellos unterscheiden können, noch mehr:
wir müssen selbst von beiden bis auf die letzte Spur gereinigt sein: von gut und bös, arm und reich, hoch und nieder, klein und groß, von Licht und Finsternis, Hass und Liebe, Neid und Wohlwollen, Tugend und Laster, Lohn und Strafe, Lob und Tadel, von schön und hässlich, Zorn und Sanftmut, Hochmut und Demut, Sünde und Heiligkeit, Lust und Trauer, Glück und Unglück, Furcht und Hoffnung, von relativer Wahrheit und relativer Unwahrheit, von Leben und Tod, gereinigt von allen Gegensätzen und dem Hauptgegensatz: Gott und Mensch und was unter dem ist.
Wie in jedem goldenen Schmuck ein Teil puren Goldes enthalten ist, und dies dem Ganzen allein seinen Wert verleiht, so besteht eine jegliche menschliche Schmuckform aus einem Teil der reinen Gottheit.
(J.F. Finck)

Angelus Silesius

Sobald durch Gottes Feu’r ich mag geschmelzet sein,
So drückt mir Gott alsbald sein eigen Wesen ein.
Dann wird das Blei zu Gold, dann fällt der Zufall hin,
Wenn ich mit Gott durch Gott zu Gott verwandelt bin.