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Meine eigenen Gedanken und Aphorismen über den Sinn im Sein und Werden.

Etwas, das selbst in Bewegung ist, kann Bewegung nur in Bezug zu etwas nicht bewegtem wahrnehmen.
Bewegung kann aus sich selbst nicht wahrgenommen werden.
Bewegung setzt Ruhe voraus. Ruhe existiert nur im Gegensatz zur Bewegung.
Hinter allem niederen Begehren, liegt (in Wahrheit) höheres Streben.
Es ist der Weg von unten nach oben, den alles geht.
Äußere Ereignisse sind Ausdruck innerer Notwendigkeit.
Nie ist ein äußeres Ereignis Ursache innerer Wandlung, sondern immer nur dessen Folge und Ausdruck.
In allem (scheinbar fest gefügten) Sein schlummert der Keim der Wandlung, der Höherentwicklung.
Nichts hat Bestand!
Aus der Erfahrung des Vergänglichen erwächst die Erkenntnis des Unvergänglichen.
Anhäufen, Festhalten von Vergänglichem, das keine Dauer hat, nicht einmal Substanz, da es keinen Bestand hat und vergeht ist ein sinnloses Unterfangen mit dem der Mensch doch die meiste Zeit seines Lebens verbringt, ohne die Aussichtslosigkeit und Zeitverschwendung zu verstehen.

Nichts kann ich halten und erkenne am Lebensende „Das letzte Hemd hat keine Taschen.“
Leer sind meine Hände.
Besitz und Genuss sind nur Einbildung, währen nicht einmal den Bruchteil eines Augenblicks, sind also bloße Illusion.
Ich kann nichts besitzen, als „mein“ bezeichnen, das nicht Teil von mir ist.
Ich bin eins mit allem und doch gehört mir nichts.
Was diesen sinnlichen Momentaufnahmen scheinbare Dauer verleiht, ist die Stimmung in der sie sich festsetzen.
Doch nimmt dieses Festhaltenwollen dem Augenblick seine Lebendigkeit. Fahler und schaler werden die aufgespeicherten Eindrücke bis sie schließlich ungenießbar sind, wie immer wieder aufgewärmtes Essen.
Alles Erlebte glänzt und lebt nur im Augenblick des Erlebens, nicht als statisches Moment, sondern als imaginäre Übergangsfläche von einem Moment in den nächsten, einmündend, fließend im Strom des Vergehens …
Dieser Moment hat weder Raum, noch Zeit, noch Bestand, noch Eigenständigkeit. Er (zer-)fließt.
Das „Böse“ ist ebenso wie das „Schicksal“ keine Instanz, nicht personifiziert, nichts „Absolutes“, kein Ort.
Nein. Es ist in jedem Selbst. Das „Böse“ ist der Egoismus in all seinen Spielarten wie Neid, Machtgier, Geiz, Minderwertigkeitsgefühle..
Es ist die begrenzte Sichtweise, die Teile für sich beansprucht, die dem Ganzen gehören und nur in diesem ihren Sinn haben.
„Schicksal“ ist der Weg, den man bestimmt, wenn man die Zügel selbst in die Hand nimmt oder der von den Wegmarken des Leids gebildete Weg. Jener ist selbstbestimmt, dieser fremdbestimmt und doch gehen beide in die gleiche Richtung – jener bewusst, dieser unbewusst.

So, wie der Zahnarzt kranke Zähne behandelt, ohne selbst die Schmerzen zu empfinden, der Briefträger Briefe verteilt ohne sie zu lesen so sollte man die Dinge behandeln ohne daran zu haften.
Einfach weiter reichen.
Wenn auch mit Körperschritten nur einen kleinen Teil der Welt ich kann durchmessen, umfasst mein Geist doch Welten, die kein Körperwesen je durchwandern kann.
Der Eine kennt der Welt gesehene Formen, der andere, tiefer blickend, ihren Sinn.
Unsinn ist das, dessen Sinn man nicht erkennt.
Mit dem Verstande muss man einen Gegenstand umschreiten, von vielen Seiten betrachten, seine Form verinnerlichen.
Wahre Wesenserkenntnis des Betrachteten blitzt dann irgendwann hindurch und man mag so zur inneren Schau des Wesentlichen, des Wirklichen, des Urbildes
gelangen.
Wirf einen Stein auf die Oberfläche eines ruhenden Sees und sieh die Wellenkreise sich bilden und ausbreiten vom Zentrum aus - dem Punkt, an dem der Stein die Wasseroberfläche durchdrungen hat, bis der letzte, größte Kreis die ganze Wasseroberfläche umfasst.
Stell eine Frage ans Unendliche, konzentriere dich auf diesen einen Punkt und siehe, wie die Kreise der Erkenntnis stetig größer werden, die Antworten und Gewissheiten immer umfassender, bis der Erkenntniskreis das ganze Sein umfasst, eins wird mit dem Unendlichen.
ein Sammeln von Sinneseindrücken, um diese im Erinnerungsarchiv abzulegen und die verblassenden Bilder immer wieder erinnernd zu durchleben …
Ein Kind fürchtet sich in der Dunkelheit, da diese alle erdenklichen, angstmachenden Schemen birgt.
Erst das Licht schält die Formen zu bekannten Gegenständen heraus aus dem formlosen Dunkel, die im Licht des Verstandes, des Wissens erklärbar werden und dadurch ihre Bedrohlichkeit verlieren.
Da scheint im Dunkel eine Gestalt zu lauern – doch sobald ich das Licht einschalte, ist es bloß eine Jacke, die da hängt.
Es ist die Wahrnehmung, die nicht vom Verstande eingeordnet, sondern mit dem unscharfen Gefühl wahrgenommen wird.
Sie ist auf dieser Stufe bedrohlich und erzeugt Angst.
Angst ist ein Ausgeliefertsein an das unerklärbar Bedrohliche, den Schatten, das umgeben und umringt Sein, das in die Enge getrieben sein.
Auf dieser Stufe der Wahrnehmung leben die Tiere.
Hören sie Donner, fühlen sie Angst, die an die empfundene Bedrohung sich haftet.
Könnten sie das Geschehen begrifflich einordnen, es erklären, es mit der geistigen Hand des Begriffes umgreifen, so wiche die dunkle Angst dem erhellenden Wissen, das Dunkel dem Licht.
Tier und Mensch – beide nehmen sie sinnlich die Eindrücke der Außenwelt auf (ohne sie zu bewerten). Jeder sinnlich vermittelte Eindruck wird nun aber mit einem Gefühl behaftet und verursacht seelische Reaktionen, Wirbel.
Das Tier ist auf dieser Stufe noch gefangen. Der Mensch ist bereits eine Stufe höher angelangt.
Beide jedoch schreiten die Treppe hinauf.
Der Mensch grenzt sich im Bewusstsein von seiner Umgebung ab, empfindet die Polarität, das Ich im Verhältnis zum Du. Beim Tier verschwimmen die Formen, die Bilder noch, sind nicht getrennt, es schwimmt eher in einem Vorbewusstseinsnebel, instinkthaft geleitet, fühlend, doch zur Erkenntnis noch nicht fähig.
Der Mensch hat Begriffe, an denen er sich entlang tasten kann, die Welt und sich selbst zu erkennen.
Doch das eigentliche Wesen liegt jenseits davon, nicht wahrnehmbar mit körperlichen Sinnen …
Gefühl ist die innere Rückstrahlung des Sinneneindrucks als primitive Vorstufe zur Selbsterkenntnis.
Zunächst wirksam als Abstand (Abgrenzung) des Ich zum Du, des Innen zum Außen.
Es ist der Spiegel, in dem man die Welt und in deren Rückstrahlung sich selbst erkennt.
Sympathie und Antipathie sind die Grundkräfte des gespaltenen Seins.
Sympathie ist die formbildende Kraft, die Teile zum Ganzen zusammenfügt.
Zusammenhalt der Form ist Sympathie ihrer Teile.
Der Geist ist der Anfang und das Ende aller Entwicklung.
Gefühle sind Hilfskräfte des Geistes – erst das Gefühl macht die Form lebendig und lebensfähig – jedoch nicht ist sie das Leben selbst, der Geist ist es.
Sympathie führt zur stetigen und fortschreitenden Ausbildung immer komplexerer Formen und ist Ausdruck der Einheit, der Liebe, aus der alles kommt und in deren all-einen Zusammenhang alles zurück will.
Gefühle sind wie das sich auf den Wellen des Wassers spiegelnde Licht und seine Bilder.
Je unruhiger die Oberfläche des Wasserspiegels, desto verzerrter, unklarer die gespiegelte Form, ihr Bild.
Körperlos ist das Spiegelbild der Form, wie der „Scheinleib“ des Traumbildes und doch mit dem Körper verbunden, auf ihn hindeutend.
Dem körperlichen Sein entspricht ein seelisches Spiegelbild.
Im Spiegelbild betrachtet man sich von außen (in der dritten Person), so wie andere einen sehen.
Ich begegne mir selbst im Spiegelbild, werde zum außen, zum Du, das die körperlose Scheinform betrachtet.
Tausendfach kann ich die Form in einem Wald von Spiegeln vervielfältigen und bleibe doch der eine Betrachtende.
Denken ist höheres Fühlen, ist veredeltes Fühlen. Fühlen ist die Vorstufe des Denkens.
Davor steht die sinnliche Wahrnehmung, die leblos ist, ohne Gefühl, ziellos und ohne Gedanken, wertungsfrei.
Gefühle haften sich an das sinnliche Wahrgenommene, schöpfend aus Erfahrungen des Vergangenen. Gedanken ordnen es ein in Raum und Zeit.
Gibt es einen Gefühlsspeicher des sinnlich Erfahrenen?
Als "dumm" bezeichnet man gewöhnlich jemanden, dessen intellektuelle Möglichkeiten begrenzt sind.
Maßstab sind hier häufig schlechte Schulleistungen.
Von sehr vielen wird auch der für "dumm" gehalten, der in seinem Verhalten nicht eigennützige Ziele verfolgt und nicht bei allem Tun auf seinen eigen Vorteil aus ist.
Ich denke: beide Einschätzungen sind falsch, da sie einer begrenzten Sichtweise entspringen.
"Dummheit" im schulischen Sinne, im Nicht-Erbringen bestimmter intellektueller Leistungen sagt nichts über die Lebenstauglichkeit oder gar den Wert eines Menschen aus.
"Dummheit" im Nicht-Eigennützigen Sinn ist eigentlich das Gegenteil, nämlich Weisheit.
Denn, wer tiefer und weiter - wesentlicher schaut, seinen geistigen Wahrnehmungshorizont weitet, der erkennt:
Je tiefer ein Mensch im Materiellen, Gegenständlichen und Funktionalen (Intellekt) und somit Vergänglichen verstrickt ist,desto mehr unterliegt er dem Wirken des "blinden Schicksals", desto weniger wird er sein Schicksal lenken, desto mehr wird er leiden am Vergänglichen, das ihm keinerlei Halt gibt, desto "dunkler" ist sein Leben.
Eben dies scheint mir die "wahre Dummheit" zu sein.
Denn "Weisheit", im Sinne von „Lebensweisheit“ versucht unnötiges Leid zu vermeiden, sucht den Sinn in der Tiefe, nicht egoistische Vergnügungen im Oberflächlichen
und Vergänglichen.
Der Weltkluge, bauernschlaue, der auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist, ist in Wahrheit der Lebensdumme, da die tieferen Gesetze des Lebens ihm unbekannt sind.
Die Bhagavad Gita unterscheidet die drei Grundkräfte der Natur: Rajas, Tamas und Sattva. Bezogen auf den Menschen bedeuten diese: Leidenschaft (Rajas), Dummheit (Tamas), Weisheit (Sattva).
Tamas ist der Stoff, das Körperliche, das Materielle, das Dunkle, so ist Dummheit gleichbedeutend mit Dunkelheit mit dem Gefangensein in der Materie, ihrer Schwere und Trägheit. Entsprechend träge ist auch der Geist des Tamas-Menschen, dumpf, stur, begrenzt durch die und in der Materie, da ausser dieser nichts wahrgenommen wird.
Selbst ausgeprägteste intellektuelle Fähigkeiten ändern an dieser Grundtatsache nichts, dient der Intellekt doch nur dazu, sich im Raum-Zeitlichen zu orientieren, Wissen anzusammeln und die Welt in Kästchen einzuteilen, ohne den Sinn zu sehen.
Das, was hinausführt - Sattva, die Weisheit als Essenz des Wissens - und nach oben strebt, wird geleugnet. So wird alle "Esoterik" als Ausdruck von Sattva, belächelt, verleugnet.
Nicht wird erkannt, das Esoterik, Mystik und Okkultismus nichts weiter sind als Erweiterungen der Sichtweise und des ihr zugrundeliegenden Bewusstseins, des Suchens nach dem Sinn des Ganzen.
Materialismus in seiner groben Form ist also nichts weiter als Dummheit.
Wer nur dem Äußeren lebt, sammelt Erinnerungen an Vergängliches, da er nichts in seiner Substanz, seinem Momentsein halten kann.
So bleibt der wehmütige oder verklärende Blick in und auf die Vergangenheit.
Dann steht der Tod da und fragt: „Hast du gelebt?“
Und dann gibt ihm der Mensch diese leeren Hülsen und sie zerfallen zu Staub in der knöchernen Hand des Todes.
„Noch einmal!“ sagt dann der Tod und stößt den Menschen hinab – zurück in den Kreislauf der Geburten, das Sinnenkarussell, bis der Mensch wesentlich geworden, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden vermag…

Die allem Sein innewohnende schöpferische Kraft ist eine unerschöpfliche, nie versiegende Quelle.
Je mehr ich mich ihr öffne, sie durch mich fließen lasse, desto stärker wird der Nachstrom.
Seien es nun finanzielle Mittel, die ich verteile, Hilfen, die ich gebe oder kreative Impulse, die ich umsetze – immer gilt: je mehr ich gebe, desto mehr fließt mir zu.
Man darf jedoch nicht den Fehler machen diesen Strom zu stauen, Impulse zurückzuhalten oder aus egoistischen Motiven geben, Kosten und Nutzen aufzurechnen auf eigenen Vorteil schielen.
Es gilt einfach sich dem Fluss hinzugeben – nur dadurch wird der Strom immer breiter und ergiebiger.
Tut man dies nicht, versiegt der Fluss und Fülle wird zum Mangel, zur Armut im Geistigen, Seelischen und im Materiellen.

Das Glück kommt meist auf ungeahnten Wegen.
Such die Erkenntnis nicht in den großen Kreisen der Welt.
Finde den Erkenntnispunkt in dir, der sich von dort aus ganz allein zu großen Kreisen weitet.
Jeder Sättigung, jedem Satt sein folgt neuer Hunger.
Hunger ist Erkenntnislehre und Erlebensdrang.
Es ist die ständige Aufnahmebereitschaft der körperlichen Sinne – ihr Einsaugen von Eindrücken die Leere zu füllen.
Diese Leere im Innen ist den meisten ein unerträglicher und unbekannter Zustand, da immer neue Eindrücke einfließen in sie, wie Wasser in ein leeres Gefäß.
Das Ich definiert sich über die Wahrnehmungen seiner Sinne und seiner Erinnerung an vergangene Eindrücke, ist bestrebt die Dinge meiner Umgebung mir zuzuordnen.
In der Erinnerung erhalten die Dinge und ihre Beziehung zu mir Dauer.
Wären mit jedem morgendlichen Erwachen alle Erinnerungen gelöscht, so wüsste ich nicht, wer ich bin; es gäbe kein Ich, nichts, das die Dinge benennen kann und sich Beziehung zu sich setzen könnte.
Dieses abhängige Ich ist im Leeren dann nicht denkbar, nicht existenzfähig, da ihm der Spiegel des Außen fehlt.
Dieses Ich ist wandelbar, substanzlos, nicht greifbar – es fließt.
Nun ist da aber etwas, das all dies Geschehen beobachtet – Etwas, das außerhalb dieser Abhängigkeiten und Formwandlungen steht.
Es ist immer da, im Wachen wie im Träumen.
Reines Bewusstsein, das Wesen, der Sinn, verborgen hinter dem Sinnenlärm der Welt.
Erst wenn dieser schweigt, kann jenes reden.
Dort endet die Sprunghaftigkeit der Gedanken, die gefühlsbehafteten Seelenbilder, die Bindung an Vergängliches – im reinen Sein.
Nicht mehr ist man gefangen im Wechselspiel zwischen körperlichem Empfinden (Wärme, Kälte, Schwere), Gefühlen (Zuneigung, Abneigung) und Gedanken und ihrer Sprunghaftigkeit.
Man ist die Ruhe in der Bewegung, ruhig stehend und unbewegt.

Von diesem Wesen oder Sinn sagt die Bhagavad Gita (nach T. Subba Row, TSR1):
„Ich bekümmere mich um nichts Persönliches, ich bin wie ein stiller Zuschauer. Wenn auch mein Licht in verschiedenen Organismen erscheint, so leide ich deshalb doch nicht die Schmerzen, welche zur Natur des Menschen gehören. Meine geistige Natur wird dadurch, dass mein Licht in verschiedenen Organismen leuchtet, nicht berührt.“
Wer am Vergänglichen hängt, fürchtet den Verlust und fürchtet somit das Leben. Nichts im äußeren Leben hat Bestand, alles wird vom kleinen Tod, dem Verlust und schließlich vom großen Tod genommen. Der ganze Strom des Vergänglichen im Leben mündet in diesem. Mit jedem Verlust zerreißen die dünnen oder dickeren Fäden der Bindung an ein Ding und dies verursacht die Schmerzen des Leidens.
Verhaftet bin ich einem Ding mit den Erinnerungsbildern meiner Gedanken und den daran haftenden Gefühlen, nicht mit dem Ding selbst.
Die Gedankenbilder für sich genommen sind nur Bilder, entscheidend und leidvoll ist das Gefühl, das an ihnen klebt und die damit verbundenen trügerischen sinnlichen Freuden, die auch keinen Bestand haben und immer wieder vergeblich wiederholt werden müssen ohne jemals einem Gefühl Dauer verleihen zu können.
So ist der Materialist gezwungen ständig seine Sinne zu belustigen, ständig sich durch sinnliche Reize abzulenken, die wie ein kurzes Strohfeuer ihre vermeintliche Substanz verzehren.
So ist er gezwungen sich Scheinbilder der Sicherheit zu schaffen: seinen Beruf, sein Haus, seine Familie, seine Lebensversicherung, seine Gesundheit, die alle substanzlos sind.
So bleibt am Ende nichts und man steht vor dem Tod und er fragt: „Mensch, hast Du gelebt? Ich nehme deinen Körper doch die Substanz bleibt bei dir!“
Und man stellt fest: er nimmt einem alles, da man keine Substanz hat!
Das Strohfeuer der sinnlichen Vergnügungen hat alle Substanz aufgezehrt. Und man bittet um Aufschub und er zeigt nur die Sanduhr mit den letzten verbleibenden Sandkörnchen …
Und man erkennt, dass man den Tod nicht versteht, da man ihn immer verdrängt und hinausgeschoben hat, dass einen einzig die Angst vor dem Tod ans Leben gebunden hat.
Wer den Tod versteht, versteht das Leben und seine tieferen, wahren Zusammenhänge. Dieser Mensch muss den Tod nicht fürchten, da es für ihn nichts zu fürchten gibt.

Der Sinn ist im Grunde ein Verbundensein oder Eingebettetsein der Formen des Raumes und ihres Werdens in der Zeit in einer höheren Dimension. Die Grenzen des dreidimensionalen Raumes und die Linearität der Zeit erhalten und haben in dieser höheren Dimension eine zusätzliche Sinnrichtung.
Jeder muss seine ihm gegebene, die von ihm gestaltete Lebensform füllen, so wie Wasser ein Gefäß bis in die letzten Formnischen ausfüllt. Erst, wenn diese Form vollständig mit Leben gefüllt ist, ist man reif diese Form abzulegen und eine neue anzulegen, wie die Schlange, die sich häutet, streift man dann die alte „unpassende“ Form ab.
Um dieses Ziel zu erreichen, muss man in seinem Streben immer ein wenig über das Ziel hinausschießen, etwas mehr tun, mehr geben als verlangt ist.
Jeder Lebensumstand, in den man sich eingesperrt fühlt und in dem man leidet, kann nur so überwunden werden. Der Erwachsene trägt nicht mehr die Schuhe, die er als Kind getragen hat und als Kind musste er erst in die Schuhe des Erwachsenen hineinwachsen.
Denn alles Leben heißt Entwicklung, Höherentwicklung, von niederen leidvollen Formen zu höheren immer leidfreieren Formen. So wird schließlich die Raupe zum Schmetterling.
Wenn auch die Tage oft einem grauen Alltagsbrei gleichen, konturlos, aus dem keine Form herausragt, sich markant herausprägt; das Leben zu schlafen oder zumindest zu schlummern scheint, so wirkt es doch unablässig.
Der Denkfehler liegt in einer schlecht abgestimmten Wahrnehmung, die nur Extrema sieht - die Bergspitze oder die Talsohle. Großes scheint bedeutend, Kleines unbedeutend.

Immer ist Bewegung, immer ein Ereignis, das den Ereignisraum ausbuchtet oder diesen minimal verformt: Blätter, die sich im leichten Wind bewegen, kleine Regentropfen, die kaum
hörbar fallen, das Denken all der scheinbar untätigen Menschen, die man nicht hören kann.

So ist es auch mit der Lebensaufgabe.
Sie ist vergleichbar einem Lehmklumpen, den man zu Beginn seines Lebens erhält und den man mit den Händen formend zu einer finalen Gestalt zu bilden hat.
Diese wird und muss bei jedem eine andere sein und ist grundsätzlich vorgegeben, wenngleich jeder eigentlich nur seine ihm gemäße Form gestalten kann, die Ausdruck seiner derzeitigen Wesensreifestufe ist.
Die Anforderungen, die das Leben in diesem Sinne an den Einzelnen stellt, kann etwas scheinbar unbedeutend Kleines sein und doch ist gerade dieses groß für den, dessen Aufgabe es ist - ob er die Größe nun wahrnimmt oder nicht.
Es gibt keine wichtigen oder unwichtigen Ereignisse, schon gar keine sinnlosen im Gegensatz zu sinnvollen.
Sinnhaft ist alles Geschehen - denn auch nur ein einziges sinnloses Geschehen würde das gesamte kosmische Gefüge zum Einsturz bringen.
Gerade, die Ereignisse, die man fürchtet sind die eigentlich fruchtbaren im Dienste der eigenen Höherentwicklung, die Richt- und Zielkraft allen Lebens ist, seiner Alchimie.
Diese gefürchteten „Prüfungen“ blähen sich in der Vorstellung zu bedrohlicher, unüberwindlicher Größe auf, packt man sie jedoch mutig und entschlossen an, so sind sie fast nicht mehr wahrnehmbar, verlieren ihre Gestalt im Fluss des Tuns.
Jedes solche mutige Zupacken ist ein weiterer Schritt nach vorn.
Wie abgelegte Körperhüllen liegen die Herbstblätter, von denen der Baum sich entlastet hat, auf der Straße - einzeln oder in einer braunroten Herbstfarbenmasse untergehend.
Das Leben, das eins durch sie flutete, hat sie verlassen, sich in den Baum zurückgezogen, schlafend bis zum nächsten Frühlingserwachen im neuen Blattwerk zu wirken.
So gibt es Schöpfungsnächte (Herbst und Winter), in denen das Leben sich zurückzieht aus der Bildung der Formenvielfalt und Schöpfungstage (Frühling und Sommer), in denen es erneut formbildend wirkend seine schöpferischen Kräfte entfaltet.
Die Formen sind immer gleich schablonenhaft bei Pflanze und Tier, frei von eigenem Willen sich kein unsichtbares karmisches Fadenwerk webend.
Erst der freie, vom göttlichen Wille abweichende Wille im Menschen, der sagt: „Ich bin, ich will, ich tue!“ webt sich sein Schicksalsnetz, jedes „Ich will!“ ein neuer Faden.
Wesentlich scheint mir die Zentriertheit zu sein, die Geradlinigkeit der Gedanken hin auf ein festes, dauerhaftes, beständiges Ziel.
Sich zentrieren heißt im eigenen Zentrum zu stehen, wie der Punkt inmitten des Kreises.
Bei den meisten befindet sich dieser Punkt an der Peripherie, zittert dort in wilden Zick-Zack-Linien, sich am veränderlichen Außen orientierend.
Diese ablenkende Orientierung am Äußeren, das veränderlich und vergänglich ist, zerreißt die innere Einheit, macht mich haltlos und Langziel-los, unkonzentriert - kein Pfeil trifft ins Schwarze.
Dieser Punkt in der Mitte ist der Durchgang vom Vergänglichen zum Unvergänglichen, vom Zeitlichen zum Ewigen.
Dort erkennt man beim Durchgang die Scheinhaftigkeit der Welt, sieht, dass alle vergänglichen Formen nur Gleichnis geistigen Geschehens sind. Man sieht das wahre Wesen der Dinge, durchschaut das Formenspiel, erkennt das Urbild hinter dem vielgesichtigen Abbild und dessen tausend Gesichtern.

Alle die vergänglichen Formen sind deshalb in Bewegung, weil sie suchen, suchen nach der verlorenen Einheit. Dieses Suchen ist nichts anderes als der Ausdruck des allem manifestierten Sein innewohnenden Dranges nach Entwicklung vom Niederen zum Höheren, vom Gefallenen, Abgetrennten zurück zum Einen.
Eben aus diesem Zusammenhang erkennt man auch die Antwort auf die Frage, die viele sich angesichts ihres Leidens stellen: „Warum greift Gott nicht in das Weltgeschehen ein?“
Es geht nicht um ein bequemes, sorgenfreies, leidfreies Leben. Ein solches Leben wäre gleichbedeutend mit Stagnation, Stillstand, Trägheit – nie könnte in solch einem Leben eine Entwicklung erfolgen.
Doch gerade mit diesem Entwicklungsgedanken hat Gott die Materie geimpft, auf dass sie nach oben, hin zu ihm strebe!
Gott ist ist ein form-, grenzen- und zeitloser Zielzustand, keine Medizin, die Leiden beseitigt, ganz nach Belieben!
Die Formen des Leidens sind die Hobelspäne, die beim Gestalten und Werden der Form hin zu ihrer Vollendung notwendigerweise entstehen. Sie haben keinen Wert an sich.
Eben weil die Entwicklung von unten nach oben erfolgt, kann das Höhere nicht in das Niedere eintreten – das hieße Rückwärtsentwicklung.
Jemand, der die Universität besucht, geht ja auch nicht wieder zurück in die Grundschule, um sich die Mühen des Lernens in einem erneuten Durchlaufen des Schulweges zu erleichtern.
Es macht auch keinen Sinn sich vorzustellen, von und mit seinem jetzigen Erkenntnisstand zurückzugehen in der Zeit und sein Leben nochmal, besser zu leben, Fehler zu vermeiden.
Diese Fehler haben mich ja gerade dahin gebracht wo ich bin, durch sie bin ich es erst geworden.
Zufriedenheit oder Glück würde ich durch dieses ‚Wiederleben‘ nicht erreichen, da ich andere Fehler machen würde und letztlich nur im Kreise liefe, ohne je weiterzukommen.
Deshalb kann das Göttliche nicht in die Materie eintreten, um Krankheiten, Kriege, Seuchen zu beseitigen.
Diese sind lediglich Ausdruck einer niederen Entwicklungsstufe unter vielen. Vielmehr muss die Materie sich zum Höheren hin entwickeln und dadurch das Leid, den niederen Zustand, überwinden.
Solange sich das menschliche Denken im Niederen bewegt, zeigen sich auch niedere Symptome. Solange ich mich mit einem ‚schwachen, anfälligen Körper‘ identifiziere, werde ich krank sein.
Es ist die Vorstellung, die einerseits mein Sein schafft und mich andererseits vom Sein trennt.
Solange ich mir einen niederen Zustand vorstelle, weil ich mich nur im Niederen bewege, verwirkliche ich diesen Zustand, lebe in ihm.
Leid, Krieg, Seuchen und Krankheiten sind lediglich Ausdrucksformen der gegenwärtigen Entwicklungsstufe des Menschen, der Menschheit im Ganzen.
Stelle ich mir einen höheren Zustand vor, baue ich eine Spannung auf, zwischen meinem jetzigen niederen Zustand und dem höheren, bin von dem höheren Zustand, der Einheit, aber getrennt, da dieser sich noch nicht verwirklicht hat. Doch spornt gerade diese Spannung mich an, den Weg zu gehen!
‚Vorstellen‘ heißt: sich abgrenzen – alles Gedachte hat Form und Namen und ist dadurch begrenzt, abgegrenzt von anderem, dem es Umgebenden ist Vielheit anstelle von Einheit.
Um diese Einheit zu verwirklichen, zum Sein zu machen, bedarf es der Höherentwicklung, bis ich eins mit diesem höheren Zustand bin. Dann ‚ist‘ die Einheit das ‚Sein‘, ‚mein Sein‘ und ich brauche sie mir nicht mehr vorzustellen, sie anzustreben, -das Suchen hört auf, der Punkt ist inmitten des Kreises, zentriert, spannungsfrei.
Der Vorstellende, die Vorstellung und das Vorstellen sind eins, ungetrennt.



Wenn jemand mit vermeintlich Großem sich umgibt, so heißt dies nicht, dass selbst er Größe hat!

Was heißt als Mensch es groß zu sein?
Ist's Größe des Besitzes, ist' s Status oder hoher Rang?
Ist' s Wissensumfang oder Denkerkraft?
Ist' s irgendwas, das in die Breite, Höhe geht?

Den Innenraum gilt' s auszumessen, zu erkunden, ins unergründlich Tiefe sich hinabzulassen und hier die wahre Weite zu erkennen, die Richtung nicht noch Grenze hat, alles verbindet und umfasst!

Wie albern, töricht ist des Menschen Tun!
Sein Streben nichtig, ist' s auf Vergängliches gerichtet.
Und sein Gehabe, es scheint "wichtig" ist es auf Scheingröße gebaut und ist substanzlos doch und nichtig!

Nur Sein, es hat Substanz, hat Wesen.
Doch trügerisch, dem Nebel gleich, ist jeder Schein.
Drum Mensch, belüge dich und andere nicht mit falschem Schein, such stetig zu verwirklichen dich selbst in deinem wahren, inneren Sein.
Hat man erkannt, woher die Wesen kommen und wohin sie gehen, so erkennt man den Sinn alles Geschehens. des Seins und Werdens, den Sinn überhaupt.
„Es war einmal ein Sammler, der sammelte allerlei Seltsamkeiten aus fernen Ländern. Er sammelte auch alltägliche Dinge, aber dann hatten sie einen besonderen Sinn und ihre besondere Geschichte. Diese Geschichte der Dinge verstand der Sammler zu lesen, wie wenige es verstehen, denn es ist keine leichte Kunst. So saß er Tage und Nächte unter allen seinen Seltsamkeiten und las ihre Schicksale, und er wusste, dass es Menschenschicksale waren, die daran hingen. Wie ein breiter Fluss flutete das arme, verworrene Menschenleben um ihn herum, er stand an seinem Ufer und schaute mit erkenntnisreichen Augen, wie Welle um Welle an ihm vorüberzog.“
(Manfred Kyber, "Das andere Ufer")

Es gibt viele Menschen, die sich mit Dingen ihrer Vergangenheit umgeben und sich einfach nicht davon trennen können. Sie leben in dieser Vergangenheit – vielleicht weil diese ihnen Geborgenheit gibt.
Und doch fliehen sie dadurch der Realität, leben in einer Traumwelt, gefangen und unfähig sich den Anforderungen des Lebens zu stellen und sich weiterzuentwickeln.
So leben sie in den Erinnerungsbildern und Gedanken, die an jenen Gegenständen hängen und kommen nicht weiter.
Es ist so, als versuche man sich in die Kleider, die man in seiner Kindheit trug, auch in höherem Alter noch hineinzuzwängen. Doch das geht nicht, man ist ihnen entwachsen.
Und selbst wenn es mögliche wäre, so würde ich mich in dem Moment, wo ich diese Kleider überstreifte, wieder fühlen, wie jenes Kind, das ich vor 20 oder 30 Jahren gewesen.
So hängen an jedem Ding Gedanken und Gefühle der Vergangenheit, weshalb es weise ist, sich bei Zeiten von alten Dingen, von alter Kleidung zu trennen – denn mit dem alten Hemd, das man anzieht, zieht man auch den alten Menschen, seine Gedanken und Gefühle an!
Die Seele aber will sich ständig in neue, frische Gewänder kleiden, den alten Muff ablegen, das Tote, die Vergangenheit durch die lebendige Gegenwart ersetzen, will leben, wachsen, sich entwickeln.
Leben findet nur im Jetzt, nur in diesem Augenblick statt!
Die Vergangenheit ist tot, verstaubt, verblassend in ihren Bildern – die Zukunft ist noch im Werden.
Alle abgelegten Kleider, die Körperhüllen mit ihren Gefühls- und Gedankenhüllen hängen aufgereiht im Kleiderschrank der Vergangenheit – doch stetig webt sich die fortschreitende, lebendige Seele neue Kleider.
All die toten, abgetragenen Dingen führen ein gespensterhaftes, schemenhaftes Scheinleben, da sie nur scheinbar in meiner Gefühls- und Gedankenwelt lebendig sind - mit einstmals Lebendigem behaftete verblassende Erinnerungsbilder, die den Blick auf den Augenblick vernebeln und verschleiern und durch meine Gedanken und Gefühle immer wieder „neu aufgeladen“ werden können.
So
„Schläft ein Lied in allen Dingen
die da träumen fort und fort,
und die Welt hebt an zu singen,
triffst du nur das Zauberwort.“
(Joseph von Eichendorff)
Das Endliche zerfließt im Unendlichen, das mündet in die Ewigkeit, aus der es quillt.
Der Wille ist getragen von Liebe und geführt von Weisheit auf seiner Reise durch die Unendlichkeit hin zur Ewigkeit.
Der Kleingeist braucht für alles einen Beweis und glaubt es dann doch nicht, weil er nichts weiß.
Der große Geist glaubt, weil er weiß und dadurch beweist.
Geh ich im Augenblick verloren?
Oder verliert er sich in mir?
Wozu die Frömmigkeit, diese geheuchelte Form einer Religiosität, eines Glaubens, der gar nicht vorhanden ist an einen Gott der näherer Prüfung nicht standhält und sich nur als substanzlose Projektion egoistischer, sinnenträger Wünsche erweist?
Es hilft der Seele nichts, wenn der Körper in der Kirche sitzt, alltäglichen, sinnlichen Gedanken und Begierden sich hingibt, während die inneren Sinne verschlossen sind!
Nicht kann man das tiefe Verlangen, den Hunger der Seele nach dem Göttlichen stillen durch solche Heuchelei.
Sind die inneren Sinne wach, frei von Begierden, so kann ich das Göttliche überall sehen und finden, selbst in einem Grashalm, ist doch alles eine Offenbarung des Göttlich-Geistigen.
Dieses Geistige ist das hinter und durch die Dinge Wirkende, nichts davon Getrenntes, außerhalb Stehendes.
Die „Dinge“ sind nur seine grobstoffliche Offenbarung in der Materie, die grobstofflichen Gewänder, in die es sich hüllt, um von den Körpersinnen erkannt zu werden.
Die sinnlich wahrnehmbare Welt ist eine notwendige Entwicklungsstufe, die durchlebt werden muss, doch ist sie nicht Endzweck oder Gefängnis – sie ist nur eine Etappe auf dem langen Weg der Seele, die man hinter sich lässt; gleichwie der Wanderer nicht ewig in der Gaststätte verweilt, sondern gestärkt diese verlässt und seine Wanderung fortsetzt.
Kommt der Tod, so stehen die meisten vor ihm wie Schüler vor einer Prüfung, auf die sie sich nicht vorbereitet haben und demgemäß können sie seine Fragen nicht beantworten.
Die Höhe und Anzahl ihrer Lebensversicherungen interessieren ihn nicht, bestechen lässt er sich schon gar nicht.
„Wie hast du gelebt?“ ist seine Frage und schließt dem Menschen seine Augen und der scheinbar so bunte Sinnentrug erlischt in sinnendunkler Nacht …
Was wär, könnt man die Nacht durchschreiten,
Ihren Schleier,
Nicht zum Tage hin -
Nein. In ihren inneren, tieferen Sinn!

Scheinbar nur trennt sie Tag von Nacht.
Ein jeder nur ein Sonnenzwinkern.

In Wahrheit ist sie Heimat, Urgrund all der Sternenlichtlein,
Umschließt sie, lässt sie hell erst sein,
erlaubend ihnen ihren hellen Schein.

Oder sind´s Löcher in ein dunkles Tuch gestochen,
Die von dem Licht dahinter künden,
Dem ewig hellen,
aus dem die Nacht geboren,
Letztendlich in ihm dort verloren…
Nicht kann ich sie entwirren
Des Schicksal lange Fäden.
Nicht kann ich verbinden
Das was ist, mit dem was gewesen.

Und doch ich weiß: ich bin verbunden
In Freud und Leid mit allen Wesen
Die Freund einst waren, Gefährte oder Feind.
Drum will ich dankbar allen Wesen
Nur schenken Liebe und Barmherzigkeit.

Denn alles, was ich früher tat und dachte
Mich zu dem, was ich heute bin erst machte!
Auch was ich heut in meinem Leben wirke
Formt das, was ich in künftgem Leben werde sein.

Ich bin, ich bin, ich war und werde sein.
Vom Leiden werde ich genesen, mich befrein!
Mit Anderen gemeinsam Lebenswege gehen,
Das eigene Fehl in ihrem Leben sehen
Durch eine Brille falschen Denkens,
Das Gesehene färben und verfälschen
Und aus dem Truge lernen.
Die Schuld nicht länger in und bei den Anderen suchen.
Nach innen gehen, die eigenen Fehler
Innen stehen sehen.
Weißt Du woher die Wesen kommen
Und wohin sie gehen?
Kannst Du durch ihre äußeren Hüllen
Das innere Wesen sehen?
Weißt Du, wozu du wanderst
Durch all den Raum, die Weltenzeit?
Weißt Du, ob es schon nah ist,
Das Ziel oder noch weit?
Es sind die stillen, leisen Stunden, Augenblicke
Da die Seele zu dir spricht.
Im Lärme der Gedankenhorden
Hat ihre Stimme kein Gewicht!
Wahrhaft groß ist der, bei dem,
Wenn aller äußere Schein ihm weggenommen,
Noch etwas übrig bleibt!
Niemand ist groß, der mit vermeintlich großen Dingen sich umgibt!

Nur selten ist die äußere Größe
Auch Ausdruck einer inneren.
Wo ist der wahre Mensch verborgen
Hinter all dem Geröll der Scheinwelt…?
Wehe Dir, oh Mensch:
Lebst Du nur in Formen, die wie Schall und Rauch vergänglich sind,
Zerfließt Dein Ich in wesenlosen Dingen.
Dein wahres Wesen wird mit ihnen fortgetragen und vergehen.
Nichts bleibt am Ende dann bestehen!
Es war, als ob in ferner Seelentiefe
Mich eine wohlbekannte Stimme riefe:

„Was hast in allen Lebensrunden
Du Wesentliches schon gefunden?

Hast Du nach Höherem gestrebt
Oder im Niederen gelebt?

Ist Antriebstkraft Dein Höherstreben,
So kannst Du unbeschmutzt im Niederen leben!“
Hab Welten, hab die Zeit durchwandert,
Der ew‘ge Pilger, der ich bin.
Hab Körperhüllen an und abgelegt.
Hab Freud und Leid erfahren.
Hab hier gelebt und dort gestrebt,
Bin hingefallen, wieder aufgestanden.
War tief im Dunkel oft verloren,
In tiefste Abgründe hab ich geblickt …
Und hab doch letztlich nur nach Höherem gestrebt,
Denn dazu bin ich auserkoren!

Hab immer neues Karma mir gewoben,
Das als Aufgabenpflicht nun auf mir lastet.
Und doch:
Ich geh den Weg voll Zuversicht,
Der mich nach oben führt zum Licht!
In Raum und Zeit bin ich verwoben
Und strebe, mich befreiend stets nach oben!

Es geht im Leben nicht um äußere Veränderungen,
Sondern um innere Wandlungen!

Der Tag gebiert in seinem Tode die Nacht,
in der die Seele erwacht.

Den Sonnenstrahl, den schert es nicht,
Ob er sich nun im Diamant oder der Pfütze bricht!

Hast nie mit Raum und Zeit gerungen!

Mensch, krieche auf dem Boden nicht!
Streb höher hinauf,
Auf richte Dich!

Vor dem Unbekannten steht die Furcht.
Doch überschreitend ihre Schwelle wird Unbekanntes schnell vertraut.
Im stet’gen Weiterschreiten wird dann Vertrautes zur Erinnerung,
Dem Strom lebloser Hüllen sich, der Vergangenheit und ihrer Schemen Schar, einreihend,
Sich schließlich dann verlierend, auflösend im Strome des Vergessens.

Vergänglichkeit.
Du fließest hin zur Ewigkeit,
Die auch zugleich dein Quell.
Was fließest du so schnell?
Wozu die Eile?
Weile!

Nicht einen Augenblick, oh Lebensform
Kannst du bestehen,
Musst immerzu nur weitergehen!

Zeit ist messbar, quantifizierbar, teilbar in begrenzte Einheiten, Summe begrenzter Einheiten und somit in summa begrenzt.
In diesem Zeitschema sieht man einzelne Ereignisse, ihre kausalen Zusammenhänge.
Dauer hingegen ist einem Kontinuum vergleichbar, einem Fluss der Zeit, den man nicht unterteilen kann. Quelle und Mündung dieses Flusses ist die Ewigkeit, das
Zeitlose.
Zeit ist eng verknüpft mit dem Tod, hat Anfang und Ende und nichts darüber hinaus.
Dauer ist Ewigkeit, der Faden des Unvergänglichen, der die vergänglichen Momente auflöst in ewigem Sein, nicht dem vergänglichen Schein der Lichtspiegelungen auf
seiner Oberfläche.
Ein einzelnes Erdenleben kann ich in Zeit messen. Mein gesamter Entwicklungsweg hingegen hat Dauer, ist verwoben in die Ewigkeit, hat weder Anfang noch Ende.
Zeitdauer ist das, was Zeit und Dauer verknüpft, Zeit in Dauer und somit der Ewigkeit, dem Zeitlosen, auflöst.
Ewigkeit kennt keine Zeit, ist zeitlos, wie das Unendliche raumlos - im empirischen Sinn, im Sinne des körpersinnlich wahrnehmbaren.

Freud und Leid,
Vergehen in der Zeit
Und schwingen in die Ewigkeit.

Gesteigert zu den höchsten Stufen,
Hört man da Galaxien schmerzvoll rufen?
Oder erstrahlen sie in höchstem Glück
Und finden nie zum Leid zurück?

Es scheint, als sei das Verhältnis von Erkenntnisstreben zu Lebenshunger (Daseinsdurst) das Maß für den Reifegrad einer Seele.

Das Gleichnis
Der jüngere Sohn verlangt von seinem Vater sein Erbe. Sobald er es erhalten hat, zieht er fort und verprasst das Geld im Ausland. Zum Bettler herabgesunken, arbeitet er als Schweinehirte und hungert dabei so sehr, dass er sich reumütig nach dem Haus seines Vaters zurücksehnt und sich vornimmt, dem Vater seine Sünde zu bekennen und ihn um eine Stelle als geringer Tagelöhner zu bitten. Als er dann tatsächlich nach Hause zurückkehrt, ist der Vater so froh über die Rückkehr seines Sohnes, dass er ihn kaum ausreden lässt und sofort wieder bei sich aufnimmt. Er kleidet ihn festlich ein und veranstaltet ein großes Fest.
Als sich der ältere Sohn, der dem Vater die ganze Zeit über treu gedient hat, über das Verhalten des Vaters beklagt, entgegnet dieser: „Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden“ (Lk 15,31 )
(Quelle: wikipedia)

Zum tieferen Sinn dieses Gleichnisses:
Eine Seele hat nach hartem Ringen ihre Erdenfahrt abgeschlossen und ist heimgekehrt in das Lichtreich, aus dem sie kam.
Es ist eine Rückkehr aus der Fremde - der Sinnenwelt - in die Heimat - die geistige Welt ...
Denn:
Unser Erdenleben - eines von vielen ist ein Läuterungsprozess. Je eher wir das begreifen, desto weniger machen uns die äußeren Umstände zu schaffen, weil wir dann wissen, dass alles unserem Besten dienen muss.
Gustav Meyrink mahnte mit Recht: "Suche deinen Höhenpfad durch härteste Prüfungen zu erklimmen; denn erst durch bittere Erfahrungen erlangt man klare Augen und gewinnt sich selbst."
Hinter allen Prüfungen steht eine höhere Führung, mit deren Beistand wir den Weg zum Gral sicher gehen.
(Fra Tiberianus)