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Der Erkenntnisweg

Allegorie
"Ein Holzfäller lebte kümmerlich aus den Einkünften seines Holzfällens. Einmal begegnete ihm ein Sannyasin im Wald bei der Arbeit und gab ihm den Rat doch tiefer in den Wald hineinzugehen. Er werde dabei sehr viel gewinnen.
Der Holzfäller folgte dem Rat und ging immer tiefer in den Wald, bis er zu einem Gehölz aus Sandelholzbäumen kam. Darüber war er aufs höchste erfreut. Soviel er nur konnte, nahm er von den Sandelholzstämmen mit und erlöste auf dem Markt einen ausgezeichneten Preis dafür.
Dabei entsann er sich, dass ihm der gute Sannyasin überhaupt nichts von den Sandelholzbäumen gesagt, sondern im nur geraten hatte, tiefer in den Wald hineinzugehen.
Am nächsten Tag also lief er über die Sandelholzbäume hinaus und gelangte schließlich zu einer Kupfermine.
Bei ihr hielt er an und schleppte an Kupfer weg, was er nur konnte und erlöste noch viel mehr Geld.
Am folgenden Tag ging er auf den Rat des Sannyasins noch tiefer in den Wald, ohne die Kupfermine auch nur zu beachten und stieß auf eine Silbermine. Indem er so jeden Tag tiefer in den Wald ging, fand er schließlich Gold und Diamanten und wurde schließlich unendlich reich."
So geht es dem, der um wahre Erkenntnis ringt. Wird er in seinem Fortschreiten von nichts aufgehalten, nachdem er einmal eine Stufe erreichte oder einige ungewöhnliche Kräfte erworben hatte, erhält er schließlich den Reichtum ewiger Wahrheitserkenntnis."
(Ramakrishna)

Vorwort

Es macht keinen Sinn die Erkenntnisse höher entwickelter Menschen einfach hinzustellen, ohne sie verstanden zu haben und so den Anschein zu erwecken im Besitze „höherer Wahrheiten“ zu sein.
Der Weg zur Erkenntnis ist für jeden ein anderer und fängt nicht am Ende oder Ziel an, sondern am Anfang als dem Punkt an dem jeder gerade steht.
In diesem Sinne versuche ich hier – gemäß meines Kenntnis- und Entwicklungsstandes am Weganfang - eine schrittweise Wegführung zu geben, soweit mir das möglich ist, ohne Irgendjemanden in die Irre zu führen.
Alles andere wäre vermessen und nicht zulässig.
Mein Ausgangspunkt ist hierbei die Lehre der Theosophie.

Jeder Mensch gelangt im Verlaufe seines irdischen Daseins irgendwann an den Punkt, wo er sich nach dem Sinn allen Geschehens fragt, seien es nun die Ereignisse seines Lebens, etwa in schweren Lebenskrisen oder sei es die tiefergehende grundsätzliche Frage nach dem „Sinn seines Daseins“ oder den „Sinn des Seins“ überhaupt.
Stellt man sich diese tieferen Sinnfragen, so gelangt man früher oder später in jene Bereiche, die gemeinhin zur Esoterik gezählt werden, wie z.B. den der Astrosophie oder den der Mystik.
Man findet hier ganzheitliche, umfassende und in sich vollkommen logisch geschlossene Systeme der Welterklärung, die vor allem das ganze Weltgeschehen an einem Sinn festmachen, wozu die herkömmliche Naturwissenschaft, Psychologie oder Religionswissenschaft kaum oder gar nicht in der Lage ist.

Höhere Erkenntnis setzt immer voraus, dass man über die Dinge hinaus und zugleich hinein sieht, sie eingebettet sieht in einem höheren, kosmischen und sinnhaften Zusammenhang.
Dem, der diese auslösende Entwicklungshöhe oder Erkenntnisstufe nicht besitzt, bleibt diese Türe verschlossen; was dahinter liegt ist ihm fremd und völlig unverständlich.

Wer nun aber diesen ersten Schritt getan hat, wird zweierlei feststellen:
1. Der Kern allen esoterischen Wissens ist etwas im Grunde sehr einfaches, jedoch zugleich hochkomplexes.
2. Diejenigen, die darüber schreiben, verwenden jeweils unterschiedliche Begriffe für die wesentlich gleichen Dinge.

Hier ist es notwendig und angebracht einen Weg durch dieses Dickicht an Begriffen und Zusammenhängen zu bahnen.
Der Sinn der folgenden Betrachtungen und ihr beabsichtigter Zweck liegt somit darin, einen „Erkenntnisweg“ schrittweise zu beschreiten, vom Alltäglichen zum Wunderbaren, vom Äußeren zum Inneren, vom Materiellen zum Spirituellen.
Er liegt darin, die Begriffe und Erkenntnisse auf ihre wesentliche Bedeutung zurückzuführen und zu reduzieren und diese einzubetten in einen höheren Sinnzusammenhang, der stufenweise erarbeitet werden soll, indem die Erkenntniskreise immer ein Stückchen weiter gezogen werden, bis sie schließlich (soweit hier möglich) das Ganze umfassen ein ganzheitliches in sich geschlossenes Bild ergeben – oder zumindest eine Ahnung davon.
Es ist nicht „der“ Erkenntnisweg, sondern lediglich ein Herantasten an die Erkenntnishöhen.
Nicht soll hier ein fertiges Bild vorgelegt werden, sondern ein möglicher Weg dorthin.
Die okkulte Weltsicht bietet ein vollständiges, in sich geschlossenes Bild der Welt- und Daseinserklärung, dessen Verständnis jedoch eine Erkenntnisstufe voraussetzt, auf der die wenigsten von uns sich befinden. Doch kann jeder, ausgehend von seiner Erkenntnisstufe, schrittweise dorthin gelangen.

Um in der Sinn- und Tiefenerkenntnis wirklich voran zu kommen, muss man über einige ganz grundlegende Begriffe sich erst einmal Klarheit verschaffen, sie selbst erfahren und verinnerlichen.
Von diesem Erfahrungswert aus, kann man dann tiefer vordringen in dieses noch unbekannte Land.

Nun ist es leider so, dass die Sprache nicht wirklich hinreichend ist, in Sinne einer entsprechenden Differenziertheit oder von hinreichender Komplexität ist um Gegenstände oder gar höhere Seinsbereiche umfassend oder ganzheitlich zu beschreiben.
Ganz grob muss man zwischen zwei Bereichen unterscheiden – dem Dasein und dem Sein:
Dem Materiell-Diesseitigen, der mit den Körpersinnen erfassbaren materiellen Welt (dem Dasein) und auf der anderen Seite dem Feinstofflich-jenseitigen, das mit den Körpersinnen nicht erfasst werden kann (dem Sein).
Das Sein umfasst hierbei das Dasein, schließt dieses in sich. Dasein ist materielle Manifestation des höheren Seins. Das Dasein bezieht sich auf das Weltliche, das Sein auf das Über-Weltliche.
Das Sein wirkt in dem und durch das Dasein.

Somit wird im Folgenden unterschieden zwischen dem Weltlichen und dem Sein.
Als das Weltliche möchte ich hier im Speziellen verstanden wissen alles, was das äußere und alltägliche Lebensgeschehen betrifft; als Sein das Allumfassende, von dem das Weltgeschehen nur ein Teil, eine Manifestationsform ist – wenn man so will ist die Welt der Umhang des Seins.

Da sich im Bereich der weiteren Betrachtungen zeigen wird, dass man ebenso auch den Begriff des Körpers und der Seele auffächern muss, versuche ich auch hier spezielle und möglichst zutreffende Begriffe zu verwenden – für den materiellen Körper etwa physischer Körper oder physischer Leib oder auch Sinnengewand. Es wird im Verlauf der Ausführungen klar werden, warum dies notwendig ist.

Der Einfluß der Sinne hat bei den meisten Menschen den Geist in einem solchen Maße unterjocht, dass die Wände der Zeit und des Raumes als unübersteigbare Wirklichkeit erscheinen...
Aber Zeit und Raum verschwinden in dem Maße, wie die Kraft der Seele zunimmt. Der Mensch wird dann fähig beide zu überwinden.
Der Geist spielt mit der Zeit. Er lebt im ewigen Jetzt und kann die Ewigkeit in eine Stunde zusammenraffen und eine Stunde zur Ewigkeit dehnen.
(Emerson)

Der eigentliche Ausgangspunkt meiner Betrachtungen ist die Wahrnehmung der Welt über die körperlichen Sinne und darüber hinaus durch das, was man gemeinhin als „Seele“ bezeichnet von dort aus weiterschreitend zum „menschlichen Geist“.
Diese Sichtweise kann jeder nachvollziehen, da er sie aus alltäglicher Erfahrung kennt.
Betrachtet werden zunächst die „Wahrnehmungsorgane“ an sich, ohne ihren Werdeweg, Ursprung und Ziel ihrer Entwicklung, sowie ihr Zusammenwirken zu berücksichtigen.
So ist die Wahrnehmung des physischen Körpers rein sensorisch, durch die fünf Körpersinne auf die materialisierte Außenwelt gerichtet – nur jene ist mit diesem physikalischen Sinnesapparat wahrnehmbar. Darauf wird hier nicht näher eingegangen, weil es für jeden eine bekannte Tatsache ist, da jeder seine Sinne ja täglich benutzt.
Die Wahrnehmung der Seele geht darüber hinaus - was im Folgenden beschrieben wird.
Das Denken wird nicht als solches untersucht, sondern in seiner Wechselwirkung zu Seele und physischem Leib und deren Wahrnehmungen.

Ein ganz zentraler Begriff, der in jeder esoterischen/okkulten/mystischen Literatur dominiert, ist der Begriff "Seele".
Für mich ist dieser Begriff und seine wahre, innere Bedeutung ein ganz wesentlicher Schlüssel zum Tiefenverständnis allen Seins, wenn nicht der individuelle Zugangsschlüssel überhaupt.
Allerdings haben die meisten im günstigsten Fall einen eher verschwommenen Begriff davon, im ungünstigsten Fall einen völlig falschen.

Zunächst muss man festhalten, dass die Seele eine Verbindung zum physischen Körper ebenso wie zum Denken des Menschen hat. (Dies wird nach und nach erläutert werden, soweit mir dies möglich ist.)

Unterscheiden muss man, wie bereits oben erwähnt - grundsätzlich (wenn auch etwas vereinfacht) zwischen dem Sinnlich-sichtbaren manifestierten, verkörperten Sein (dem Weltlichen) und dem dahinter stehenden oder dieses durchwirkenden körpersinnlich nicht wahrnehmbaren Bereich des feinstofflichen Seins. Ich nenne diesen der Einfachheit halber zunächst nur den "feinstofflichen Bereich".
Ebenso muss man klar unterscheiden zwischen dem Leben an sich und der zeitlich begrenzten sich wandelnden Lebensform.
Wir haben also zum einen den physischen Körper und die materielle Körperwelt, zum anderen den feinstofflichen Bereich und das Sein (oder Leben) schlechthin, das alle Ebenen oder Daseinsbereiche verbindet, in dem diese gründen und von dem diese durchdrungen und umfasst werden.
Wir haben weiterhin die körperlichen Sinne und die seelischen Sinne.

Und hier sind wir schon an der ersten Weggabelung angelangt:
In welchem Bereich liegt die "Seele" und über welche Sinne verfügt diese?

Aus materialistischer Sicht ist die Seele und die durch sie vermittelte Wahrnehmung lediglich Folge im Körper stattfindender physiko-chemischer Vorgänge.

Eine solche Seele wäre kein eigenständiges Wesen und aufgrund der Vergänglichkeit alles Körperlichen bzw. dessen vom Materialisten postulierten ausschließlichen Existenz, ebenso vergänglich und im Grunde sinnlos.
Sinnlos deshalb, weil sie im leeren Raum hängt: Sie kommt nirgendwo her und geht nirgendwo hin, weil sie keinen Bestand hat, sie entsteht und "existiert" lediglich im Intervall zwischen Geburt und Tod eines Menschen.
Jegliches menschliche Streben, das lediglich von dieser begrenzten und vollkommen willkürlichen Lebensspanne ausgeht, hat keinerlei Sinn, da ihm jede (Ein-)Bindung an Vergangenheit und Zukunft, die über dieses begrenzte Leben hinausgehen, fehlt - von der Sinnhaftigkeit des zugehörigen Universums mal ganz abgesehen.
Eine von Zufällen bedingte und gesteuerte Existenz, ob es nun eine Zelle oder ein ganzes Universum ist, die sich nach ihrem kurzen Daseinsintervall in ihre Bestandteile auflöst, ist sinnlos.

Sinn einer Existenz ergibt sich also durch deren Dauer, die ewig im Sinne von zeitlos, sein muss und ihrer sinnhaften Einbettung in das was ist, das was war und das was sein wird.
Der Sinn ergibt sich in und durch eine zielgerichtete Entwicklung, die nicht nur ist und spurlos vergeht, sondern bei der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eine Linie bilden, die weder Anfang noch Ende hat, sondern sich spiralig nach oben windet vom Niederen zum Höheren.
Doch nun zu dem Versuch zu ergründen, was die "Seele" ihrem Wesen nach ist und welche Lebensformen eigentlich eine "Seele" haben.
Die Seele scheint so etwas wie ein höheres Wahrnehmungsorgan zu sein mit Sinnen, die die körperlichen übersteigt und zugleich erweiternd durchdringt.
Durch diesen Seelensinn sieht man nicht nur den betrachteten Gegenstand an sich, sondern man "ahnt" zumindest, dass da mehr ist, fühlt dessen Eingebettetsein in etwas Höheres, ein über den
Gegenstand der Betrachtung Hinausgehendes.
Durchwandere ich z.B. an einem Herbsttag eine von Bäumen und abgeernteten Feldern gesäumte Landschaft und sehe dort Überreste, wie zerbrochene Maiskolben liegen aus denen Tiere schon die meisten Körner herausgefressen haben oder beobachte ich wie die herbstwelken Blätter von einem Baum abfallen - was erkennt die Seele dann?
Die körperlichen Sinne sehen nur den Vorgang an sich (der Intellekt auch die Physik und Chemie, die damit zusammenhängt).
Die Seele sieht oder ahnt zumindest das Eingebettetsein oder Verwobensein des beobachteten Vorganges in ein höheres Muster - den Herbst; nimmt wahr oder empfindet das Werden und Vergehen, Leben und Tod - die Vergänglichkeit alles Seins.
Sieht man eine schöne Blume am Wegesrand oder ein ungewöhnlich schönes Gesicht oder ein harmonisch gestaltetes Bauwerk, wie etwa eine Kathedrale, ein von einem wahren Künstler gestaltetes Gemälde, so empfindet man "Schönheit" oder „Harmonie“.

Schönheit“ und „Harmonie“ sind nichts, was man greifen kann. Es sind zunächst abstrakte Begriffe mit einer Gefühlshülle. Sie sind beheimatet nicht in der Welt der sinnlich wahrgenommenen Gegenstände, sondern gehen darüber hinaus, wenngleich sie auch durch Gefühlsfäden mit jenen weltlichen Formen verbunden sind.
Die Seele stellt also die Verbindung zu einer höheren Wirklichkeit her, erweitert sozusagen die Wahrnehmung zu dieser hin.
Dies ist der höhere Teil der Seele, der über den Menschen bzw. im Menschen eine Verbindung zum Bereich des Göttlichen oder der dort befindlichen (Ur-)Ideen des Seins herstellt.
Die Seele hat aber auch einen niederen, tierhaften Teil, den Hang zu Trieb und Leidenschaft, den Hang zum Vergänglichen und Leidbringenden.
Erst im Menschen verbinden sich diese Teile – nur er kann bewusst seinen Wege wählen, den nach oben oder den nach unten.

Was ist das für eine Wirklichkeit, wodurch zeichnet sie sich aus?

In ihr liegen die Bilder dessen, was man als "Schönheit“, „Harmonie“ oder „Liebe“ bezeichnet oder allgemein gesagt "das Gute, Schöne und Wahre". Diese "Muster", die den körperlich wahrgenommenen Formen anscheinend zugrunde liegen oder mit diesen irgendwie verknüpft sind, kann man auch - mit Platon - als "Ideen" bezeichnen.
Um „Schönheit“ oder „Harmonie“ zu empfinden müssen diese erst als Begriffe oder Ideen vorhanden sein, an die sich das Sinnlich-Wahrgenommene dann knüpfen kann, zu dem es sich „erhöhen“ kann.
Entscheidend ist aber, dass diese „Ideen“ zwar an die vergänglichen Formen geknüpft sind (oder umgekehrt), selbst jedoch nicht der Vergänglichkeit unterliegen, also unvergänglich, dauerhaft, ewig sind.
Man sieht das auch daran, dass diese Ideen von der Form unabhängig sind – Schönheit kann sich in viele Gewänder kleiden, doch wird sie selbst in ihrem Wesen davon nicht berührt. Sie hat keine Abstufungen, sie ist.

Was man nun ebenfalls der Seele zuschreibt sind Gefühle der Zu- oder Abneigung, wie Sympathie, Liebe, oder jene der Abneigung, wie Hass, Zorn, das Empfinden von „Hässlichkeit“.
Gefühle der Zuneigung stellen zu einem anderen Wesen eine Verbindung her, die ebenfalls seelischer Natur sein muss - von Seele zu Seele sozusagen. Sie ist empfunden und nicht gedacht!

Nun genau hier, an diesem Punkt der Betrachtungen scheint mir eine Grenze erreicht, die Grenze der Wahrnehmung des Seelischen bis zu der die meisten gelangen und die von vielen (ob sie nun an eine eigenständige Seele glauben oder nicht) schon erfahren wurde.

Nun gibt es aber Menschen, deren Erfahrungen (weit) darüber hinausgehen und ich möchte versuchen die Gedanken dieser Menschen, soweit mir das möglich und verständlich ist, nachzuzeichnen.
Ein Tiefenverständnis kann diese rein verstandesmäßige Betrachtung nicht bewirken, jedoch kann es vielleicht dorthin führen.

Wir haben gesehen, dass die seelische Empfindung in zwei Richtungen gehen kann: in Richtung der Sympathie oder jener der Antipathie. In die Bereiche des „Schönen“ oder des „Hässlichen“, des Höheren oder des Niederen.
Dazwischen als Mittler oder Bindeglied steht der Mensch.

In vereinfachter Form kann man hier von drei Daseinsbereichen ausgehen: dem oberen, dem mittleren sowie dem unteren.
Es ergibt sich die folgende Gliederung:

Der obere Daseinsbereich, obere Welt Bereich der ewigen Urbilder, der höheren Bilder, des „Guten, Schönen und Wahren“ im absoluten Sinn, Bereich des Göttlichen, der höhere feinstoffliche Bereich
Der mittlere Daseinsbereich, mittlere Welt Der Mensch, seine individuelle Seele und ihr Widerstreit im Streben nach unten oder oben.
Die Seele als Mittler zwischen „Oben“ und „Unten“.
Der untere Daseinsbereich, untere Welt, Unterwelt Der Bereich der niederen Bilder, das Unbewusste, Dämonische das Tier-und Triebhafte im Menschen, die niederen Leidenschaften, der niederen feinstoffliche Bereich.
Das Verhaftet sein im Irdischen, rein Materiellen, die Wahrnehmung der Außenwelt durch die äußeren körperlichen Sinne, das nach außen gerichtete Denken, die körperliche Welt, das Weltliche schlechthin

Diese Gliederung bildet zunächst das Grundgerüst für die weiteren Betrachtungen, das stetig zu verfeinern ist.

Platon drückt diesen Zusammenhang in folgendem Bild aus:
Er vergleicht die Seele einem Gespann von zwei geflügelten Rossen.
Das eine Ross, edelrassig und fügsam, hebt die Seele empor zu den Höhen des Himmels, zur Schau des Göttlichen.
Das andere Ross, plump, störrisch und den sinnlichen Begierden zugeneigt, zieht den Wagen in die Tiefe.
Dieser Zwiespalt ist Grund der Inkarnation, des menschlichen Höherstrebens auf irdischem Plan.

Durch den höheren Teil der Seele ist der Mensch, wie oben bereits erwähnt, eingebunden in einen höheren sinngebenden Zusammenhang, dessen Sinnrichtung die Höherentwicklung vom Niederen zum Höheren ist, das Lösen aus den leidbringenden Verstrickungen der nach unten ziehenden Begierden, dem niederen Teil der Seele.

Abbildung 1

Die Seele ist keine Funktion des Körpers, ist nicht Folge darin ablaufender chemischer oder physikalischer Vorgänge. Vielmehr ist sie eine eigenständige Daseinsform, jedem Menschen eigen und dadurch individuell.
Plotin beschreibt dies folgendermaßen:
Die Seele ist nichts Körperliches. Sie wird nicht vom Körper umschlossen, sondern umschließt ihn. Sie ist auch nicht im Körper wie in einem Gefäß. Das denkt man, weil man nicht die Seele, sondern nur ihr Körperkleid mit leiblichen Augen wahrnimmt; man beurteilt ihn (den Körper) als ‚beseelt‘. Weil er bewegt wird und empfindet, sagt man, er habe eine Seele. Und so kommt man dazu, anzunehmen, in dem Körper selbst sei die Seele …
Wir sagen dagegen, die Seele sei im Körper wie der Steuermann im Schiff. Dieser Vergleich passt, um auszudrücken, dass die Seele vom Körper trennbar ist, wenn auch nicht, um die Art und Weise klarzumachen, wie die Seele im Körper gegenwärtig ist. Denn der Steuermann ist ja nicht im ganzen Schiff wie die Seele im Körper …
Die Seele ist im Körper gegenwärtig wie das Licht in der Luft. Das Licht ist überall gegenwärtig und vermischt sich doch mit nichts, sondern beharrt in sich selbst. Man kann auch sagen: die Luft ist im Licht ebenso wie das Licht in der Luft ist…


Nun hat der Mensch neben der rein sinnlichen Wahrnehmung und der oben beschriebenen seelischen Wahrnehmung noch eine dritte Art der Wahrnehmung – die geistige Wahrnehmung.
Was ist nun dieser Geist und wie manifestiert sich dieser im Menschen?

Bestünde der Mensch nur aus seinem physischen Körper und dessen Sinnen, wäre er doch vergleichbar mit als ein Roboter mit seinen Sensoren und nichts weiter
Allein handlungsfähig ist er in diesem Zustande nicht, denn es fehlt ihm zum einen eine physische Antriebskraft, eine Energiequelle; zum anderen benötigt er ein Steuerprogramm, das die in seiner Umwelt durch die Sensoren ermittelten Daten auswertet und bewertet.
Er benötigt also eine „Denkfähigkeit“, um sich im Raum zu orientieren und zu bewegen und seine Bewegungen abzustimmen mit dem Umraum.
Doch bevor ein solcher Roboter überhaupt existieren kann, muss ihn sich jemand ausgedacht und ihn zusammengebaut haben.
Am Anfang steht also ein denkendes Wesen mit schöpferischen Kräften, ein Erfinder oder Ingenieur, der die Maschine in seinem Geiste erdacht und ihr Steuerungsprogramm erstellt hat.
Es bedarf somit eines Wesens mit schöpferischen Bilde- und Gedankenkräften, das die Bilder seines Geistes in physische Formen umsetzt und seines Willens dies bewusst zu tun.
Das Denken, das den Menschen ausmacht, ihn vom Tier unterscheidet ist gekennzeichnet durch Begriffsbildung und Erinnerung, durch logisches Schlussfolgern. Die gespeicherten oder beobachteten Bilder seiner Sensorik kann er anordnen und bewerten, vergleichen und auch auf Erfahrungswissen zurückgreifen und dieses denkend verarbeiten.
Aus Vergangenem kann er zukünftiges logisch ableiten; das aktuelle Geschehen kann er auf Ursachen in der Vergangenheit zurückführen, Kausalzusammenhänge herstellen.
So kann der Mensch durch seine Denkfähigkeit die Vergangenheit, aus der er kommt, die Gegenwart, in der er sich befindet und die mögliche Zukunft, in der er sein wird durch seine Lebens- und Erkenntnislinie verbinden.
Diese Gedanken stehen nicht allein, vielmehr haben sie eine Art Gefühlshülle, die ihnen Auftrieb verschafft (höhere Gefühle des höheren Seelenanteils) oder sie nach unten zieht (der triebhafte, niedere Teil der Seele).

Der eigentliche Bildervorrat kommt nicht von irgendwo, sondern ist Folge der sinnlichen Wahrnehmung. Die Seele ist nun der Spiegel, in dem das Denken diese Bilder betrachtet und verarbeitet.
Dieser Spiegel ist vergleichbar einer Wasseroberfläche – ist diese ruhend, so sind die Bilder klar.
(Man denke an die Spiegelung des Mondes im Wasser.)
Ist jedoch die Wasseroberfläche bewegt, unruhig, so verzerrt sie dadurch die Bilder.
Diese Verzerrung und Bewegung rührt in der Seele aber her von dem Widerstreit der oben erwähnten Sympathien und Antipathien in Bezug auf das wahrgenommene Bild, die von einer oder gar zwei Seiten daran zerren.
Sympathie verschönert das Bild, Antipathie macht es „hässlich“ und abstoßend. Das Wirken beider Kräfte zugleich karikiert und verzerrt das Bild.
So kann ein als „hässlich“ geltender Mensch, für den man Zuneigung empfindet in der seelischen Wahrnehmung „schön“ werden oder so empfunden werden, weil man dann tiefer empfindet über die äußere, oberflächlich gesehene Form hinaus oder in sie hinein.
In keinem der beiden Fälle jedoch sieht man das Bild an sich, rein objektiv betrachtet.

Man darf sich das Denken, die seelische Wahrnehmung und die sinnliche Wahrnehmung nicht getrennt denken – alle drei Wahrnehmungsprinzipien wirken zusammen.
Die Welt, die der Mensch wahrnimmt wird gebildet erst im Denken, der „Vorstellung“ verstanden als „Anschauung des Anschauenden“ in seinem bewussten Ich.
Die rein sinnliche Wahrnehmung des Menschen „kennt keine Sonne und keine Erde; sondern immer nur ein Auge, das eine Sonne sieht, eine Hand, die die Erde fühlt“ (Schopenhauer)
Diese Sinneseindrücke und ihre seelischen Bilder werden erst in der Vorstellung (dem Denken) zu etwas höherem verbunden.
Carl Gustav Jung hat hier vier verschiedene „psychische Grundfunktionen“ unterschieden, die ich als kleinen Seitenblick hier noch anführen möchte. So unterscheidet und charakterisiert er wie folgt:

Das Denken ist diejenige Funktion, die „vermittels einer Denkarbeit … d.h. begrifflicher Zusammenhänge und logischer Folgerungen … zum Verstehen der Gegebenheiten der Welt und der Anpassung an sie zu gelangen sucht.“
Wahr und Falsch sind hier die beiden Standpunkte der Bewertung.
Beim Fühlen wird bewertet nach „angenehm, unangenehm“ oder als Aktion „annehmen, abwehren“.
Man spricht bei Fühlen und Denken von den „rationalen Funktionen“, weil beide bewerten.
Beide schließen sich gegenseitig aus.
Daneben stellt Jung noch die beiden irrationalen Funktionen der Wahrnehmung: das Intuieren und das Empfinden. Sie nehmen wahr ohne zu bewerten.
Das Empfinden „nimmt die Dinge so wahr, wie sie sind.“
Das Intuieren ist eine „innere Wahrnehmung der Möglichkeiten, die in den Dingen liegen.“
Auch diese beiden Arten der Wahrnehmung schließen nach Jung sich gegenseitig aus.
Das heißt: Während der Empfindungstypus bei Betrachten einer blühenden Wiese, die Blumen, Farben und Düfte registriert, nimmt der Intuitive die Gesamtstimmung, das im Hintergrund Wirkende und Verbindende wahr.
Das „Empfinden“ und „Fühlen“ gehört in den Bereich der „Seele“, das „Intuieren“ oder die „Intuition“ gehört einem höheren Bereich an, auf den im vorliegenden Zusammenhang nicht eingegangen wird.
Die Umsetzung einer Idee als Wechselspiel und Folge der Wahrnehmungskette: sinnliche Wahrnehmung –seelisches Bild – Gedanke (Vorstellung) - folgt im Wesentlichen ausgedrückt dem folgenden Muster:
„Sobald der Geist (Wille) einer Vorstellung oder einem seelischen Wunschbild seine Zustimmung erteilt, tritt dieses aus dem Zustand der bloßen Möglichkeit (Potentialität), den es in der Seele hatte, in den Zustand der realen Wirklichkeit (Aktualität) über, d.h. es wird zu Fleisch und Blut, wird substantiell, verkörpert!
Alle Seelenkräfte streben nach Verkörperung, nach Substantialität. Ohne den Körper ist die Seele machtlos, ohne den Geist willenlos.“ (Johannes Helmond)

Ein Gedanke darf nun auch nicht nur für sich als abgeschlossenes Ereignis gesehen werden. Neben seiner Manifestation in der physischen Welt, z.B. als Tisch oder Stuhl, als körperliche Bewegung oder Handlung usw. zieht er weitere Kreise, ähnlich jenen, die entstehen, wenn man einen Stein ins Wasser wirft…

Wer heute einen Gedanken sät, erntet morgen die Neigung, übermorgen die Gewohnheit, und schließlich sein Schicksal.“ (R.W. Emerson)

Ab hier müssen wir - da die Grenzen des Empirischen nun überschritten sind - nun leider einen kleinen Sprung machen, unsere Gliederung des (Da)Seins erweitern, der okkulten Weltalls- und Seinslehre angleichen bzw. diese zum eigentlichen Ausgangspunkt nehmen.
Zum tieferen Verständnis dieser Lehre verweise ich auf die einschlägige Literatur, speziell die theosophischen Werke. Ich habe meine „Gliederung des Menschen“ grob an dieser Lehre orientiert, wohlwissend, dass sie Mängel hat. Sie bringt aber das wesentliche zum Ausdruck und nur darum geht es hier.

Da wir als Menschen mitten in einem Vorgang der Weltoffenbarung stehen, soll genau dieser Bereich „Mensch“ nun etwas näher beleuchtet werden und die komplexen kosmischen Wirkzusammenhänge, in die der Mensch natürlich eingebettet ist, ausgeblendet werden.
Die höhergeistigen Bereiche werden aus diesem Grund hier an dieser Stelle noch nicht näher betrachtet.
Man muss sich jedoch darüber im Klaren sein, dass diese Gliederung nicht einfach so dasteht, sondern einen Entwicklungsweg darstellt vom Grobstofflichen zum Geistigen und dass sie eingebettet ist in einen größeren kosmischen Entwicklungsrahmen.
Der gegenwärtige Mensch befindet sich am Punkt der maximalen Verdichtung. Von dort aus wird der Stoff wieder zunehmend vergeistigt auf seinem Weg in den „höhergeistigen Bereich“.
Kennzeichnend für diesen Weg und die zunehmende Vergeistigung ist die damit einhergehende stufenweise Erhöhung und Weitung des Bewusstseins.
Für die Gliederung des Menschen und die zugehörigen Bewusstseinsstufen ergibt sich das folgende (vereinfachte) Schema.

Jeder Bewusstseinszustand verfügt, je nach seiner Bewusstseinshöhe(Entwicklungsstufe) über eine bestimmte „Ausprägung“ mit bestimmten Eigenschaften.
Die niederste Entwicklungs- oder Bewusstseinsstufe ist der menschliche Körper – die äußere Hülle verbunden mit dem darin wirkenden Vitalprinzip, einem feinstofflichen, ätherischen Körper.
Jede höhere Stufe trägt die ihr vorhergehenden in sich, baut auf diesen auf.
Der Mensch als höchste der betrachteten Stufen verfügt somit über alle ihm untergeordneten oder vorangehenden Ausprägungen und deren Eigenschaften: einen physischen Körper mit dem ätherischen Körper, der höheren und der niederen Menschenseele.
Was den Menschen vom Tier unterscheidet, ist seine Denkfähigkeit, sein Intellekt, sein Denken in Begriffen und sein Gedächtnis, das ihm logische Schlussfolgerungen ermöglicht. Ebenso aber auch der höhere Seelenanteil.
Bis zum Tier herrschen eher Verhaltensautomatismen vor, die durch Triebe, Leidenschaften, Wünsche gesteuert sind. Hauptantriebsmotive sind die Arterhaltung (Fortpflanzung), die Selbsterhaltung (Ernährung).
Der Mensch ist das Bindeglied zwischen Oben und Unten, dem höheren göttlichen Bereich und dem niederen tierischen Bereich. Folgt er dem Zug nach oben, so folgt er dem Weg der Höherentwicklung, dem eigentlichen Sinn allen Geschehens oder der eigentlichen Bestimmung jeglicher Lebensform.
Der Durchschnittsmensch ist jedoch gegenwärtig noch mehr von den niederen, tierischen Regungen bestimmt oder wird in seinem Verhalten und Denken von Trieben, Leidenschaften und Wünschen bestimmt und gelenkt.
Dies kann jeder selbst sehr einfach überprüfen, in dem er jedem inneren Impuls, jedem Gedanken auf den Grund geht und sich fragt, ob dieser höheren oder niederen Ursprungs ist.

Die menschliche Entwicklungsstufe ist der kritische und der entscheidende Punkt für jedwede Lebensform auf irgendeiner Welt, entscheidet sich doch hier sein weiteres Schicksal.
Denn „ nur der Mensch trägt den Funken zu Erkenntnis, zur bewussten Rückkehr in die Einheit.“ (E. Haich)
Aus der Einheit gefallen, findet er letztlich wieder in diese zurück.
(Dieser Gedanke liegt auch dem Gleichnis vom verlorenen Sohn zugrunde.)

Wirklichen Halt, wirkliche Orientierung im Leben kann nur die Erkenntnis des Sinns im Sein vermitteln. Nichts, aber auch gar nichts in der äußeren, vergänglichen Welt kann mir einen Halt geben, der auch nur einen Augenblick überdauert - und selbst in diesem infinitesimalen Augenblick ist kein Halt, da der Augenblick ja keinen Bestand hat, sondern ein fließender Übergang ist, zum nächsten Augenblick.
Der Sinn des Ganzen sowie aller seiner Teile besteht in dem Eingebettetsein jeglichen Dinges in einen größeren sinngebenden Zusammenhang zugleich aber ist dieser Sinn auch als "Sinnkern" in jedem Ding und Wesen enthalten.
Wäre dies nicht der Fall, so wäre alles "sinn-los", gelöst von jeglicher Sinnhaftigkeit und es gäbe keinen Grund dafür, dass überhaupt irgendetwas existiert.
Dass die Dinge und Wesen existieren bedeutet also, dass sie "Sinn" haben, einem "Sinn" entspringen und diesen in sich tragen.
Mein individuelles Leben ist Teil eines größeren, umfassenderen Lebensstroms und ist verknüpft mit allen Aspekten dieses Lebensstromes, allen Lebens- und Seinsformen.
Hier muss Kontinuität im Sinne einer verbindenden Einheit sein, denn voneinander getrennte, unabhängige Teile können kein größeres Ganzes bilden, da sie die Tendenz zum Eigendasein in sich tragen und umsetzen (sowie die Moleküle eines Gases sich frei und chaotisch bewegen).
Dieser Sinn ist die ordnende und zusammenfügende (und haltende) Kraft.
Zustände wie "Glück" und "Zufriedenheit" können ebenso in ihrem tiefsten Sinn nur Folge der inneren Erkenntnis des Sinns (und der Einheit) sein.
Auch die "Lebensaufgabe" und das "Schicksal" sind aufs engste verknüpft mit diesem höheren Sinn - einen "Einzelsinn" gibt es nicht!
Mein "Sosein-wie-ich-bin" ist Folge und Zustand meines selbstgewobenen Schicksals, Folge meines Denkens, Fühlens und Tuns.
Es geht nicht darum, ständig nach Veränderungen zu streben, weil man in irgendeiner Weise mit seiner Lebenssituation unzufrieden ist. Im Grunde hat jeder genau das, was er braucht und sollte erst einmal versuchen dieses Repertoire in seiner Tiefe auszuloten und umzusetzen - die Veränderungen (im Sinne von Höherentwicklung) kommen dann von selbst.
Es ist albern einem "Traumberuf", einem "Traumland" oder einer "Traumfrau" hinterherzulaufen, denn letztlich läuft man immer vor sich selbst davon und bleibt derselbe, egal, wohin man geht - denn sich selbst und seine Probleme nimmt man überall hin mit und sie begegnen einem in jedem Menschen, in jeder Lebenssituation, wenn auch in unterschiedlichen Masken.
Also nicht das Außen bestimmt das Innen oder meinen Kurs, sondern in mir lege ich den Kurs fest, denn ich bin Herr meines Schicksals, solange ich es bewusst gestalte.
Was wäre das für ein Kapitän, der sein Schiff einfach auf dem Meer treiben lässt in der Hoffnung irgendwann irgendwie irgendwo anzukommen.
Jeder Reise und vor allem der "Lebensreise" muss ein Gedanke, ein Ziel zugrunde liegen.
Die eigentlich größte Reise, die ein Mensch unternehmen kann ist die Reise nach innen, hin zu seinem Wesens- und Sinnkern.

Letztendlich liegt der Sinn in der Beantwortung der Frage: "Woher kommen all die Wesen und wo gehen sie hin...?"
Wer diese Antwort findet (und die muss jeder selbst finden!), der hat auch den Sinn des Ganzen gefunden und verstanden.
Alles andere ist nur ein ständiges hin- und her Hopsen im Sinnlichen, nicht im Sinnhaften!
Der Sinnenzirkus kann kurzfristiges Vergnügen bereiten, doch nie weit- und tiefblickende Sinnerkenntnis, durch die ich mich im rechten Licht sehe und die armseligen Grenzen meines so sinnenhungrigen Egos überwinde.

Sinn erschließt sich in einem Kreis mit zunehmendem Umfang an Erkenntnis. Ist der Kreis der sinnlichen Begierden noch von sehr geringem Umfang, so wächst der Umfang des Erkenntniskreises, je mehr man das Sinnlich-vergängliche hinterfragt, je mehr man daran leidet.
Das Leiden ist der Stein, der ins Wasser geworfen die weiten Kreise zieht.
Es ist der Weg von der Sinn- und Erkenntniskrise zum Erkenntniskreis.

Doch wer geht wirklich in sich? Mir scheint die meisten sind derart von ihren Sinnen und dem zwanghaften Streben nach immer neuen, immer intensiveren Sinneseindrücken unterjocht und getrieben, dass sie zu eigenem Tiefdenken gar nicht mehr fähig sind.
Kurzfristige Freuden und Erfolge, Gesteuert sein durch Fremddenken anstatt durch eigenes Nachdenken ... erst, wenn die Routine unterbrochen, die Seifenblase zerplatzt ist, die Lebenswege außer Kontrolle geraten, erst dann beginnt der Mensch zu denken und zu hinterfragen und hoffentlich selbst zu denken!

Der Weg zur Erkenntnis ist letztendlich ein innerer Weg. Niemand kann mir die Erkenntnis geben, solange ich nicht dazu reif bin.
Erkenntnis beginnt mit Fragen, mit tiefen Sinnfragen, die man in sich hineinfragt und nicht laut in die Welt hinausruft.
Dieses intensive In-sich-hineinfragen öffnet einen Erkenntniskanal durch den die Erkenntnisse strömen; es öffnen sich Türen, es fallen einem Antworten zu.
Es entsteht eine Art Resonanz zu dem Gegenstand der Frage und ihren Manifestationen, die Gleichgestimmtes anzieht.
Wer die Reife noch nicht hat, wird gar nicht erst fragen oder sich mit sehr oberflächlichen, abgegriffenen Floskeln abgeben.
Eine dieser Floskeln ist „Man lebt nur einmal!“.
Vom Sinn her betrachtet Unsinn. Vom Sinnlichen her betrachtet – verständlich.
Der Sinnenmensch sieht nur die Zeitspanne zwischen Leben und Tod und möchte diese angenehm und schmerzfrei gestalten und vor allem diese nicht hinterfragen. Er ist ein Getriebener vom Drang nach Genuss und sinnlicher Befriedigung.
Allerdings verhalten sich die meisten Menschen, die diese Floskel benutzen, völlig unlogisch und inkonsequent. Man müsste als Anhänger einer solchen Ansicht das Maximum an Genuss aus seinem Leben herauszuholen bestrebt sein. Man dürfte keine Kompromisse machen, seine gesamte Lebenszeit diesem Ziel unterordnen ohne Rücksicht auf Verluste.
Das tun die wenigsten und vor allem hat dieses Tun keinerlei Sinn.
Sinn heißt Eingebettetsein allen Geschehens in einen höheren Zusammenhang, der Gegenwart und Zukunft umfasst und dessen Ende und Anfang nicht ersichtlich sind, da sie sich im Unendlichen verlieren.
Dieser Sinn geht unvorstellbar, unermesslich weit über das Intervall zwischen Geburt und Tod einer Existenz hinaus. Sinn hat keine Begrenzung – weder räumlich noch zeitlich – er ist!
Auch das Leben ist, es entsteht nicht. Was entsteht und vergeht ist die Lebensform.
Doch auch diese ist Teil eines Sinngeschehens, einer unsichtbaren Linie entlang derer sie sich höher und höher entwickelt.

"Symbole sind Fernrohre in die unsichtbare Welt." (J.F. Finck).

Wie bereits weiter oben dargelegt wurde, besteht der Mensch grob gesehen aus einem höheren göttlichen Anteil und einen niederen tier- menschlichen Anteil. Verbunden sind beide durch ein vermittelndes Prinzip. Man könnte auch grob sagen: Der Mensch besteht aus einem sichtbaren, körperlichen (mit den Körpersinnen wahrnehmbaren) und einem unsichtbaren Wesensteil, zu dem er über "höhere Sinne" Zugang erhält.

Durch dieses (den Zugang zum unsichtbaren Wesensteil) vermittelnde Prinzip – das Denkprinzip - kann und muss das Niedere (Triebe- und Leidenschaften) höher entwickelt, vergeistigt und damit überwunden werden.
Die durch die Körpersinne wahrgenommenen Bilder werden zu seelischen Wunschbildern. Aus diesen bildet das Denken (der Intellekt) Begriffe des Erlebten, des Erfahrenen. Der Vergleich mit im Gedächtnis gespeicherten Erfahrungsbildern ermöglicht Vergleiche, Schlussfolgerungen und Bewertung des Erlebten als “gut” oder “schlecht”.
“Gut” im höheren und wahren Sinn ist das, was nach oben treibt; “schlecht” ist das, was nach unten zieht und Leid verursacht.
Sinn- und Bedeutung des Erfahrenen liegt in den zugrundeliegenden geistigen Urbildern, die allem Geschehen zugrunde liegen. Diese sind der unmittelbaren körpersinnlichen Anschauung nicht zugänglich, sondern erschließen sich nur intuitiv.
Jedes mit den Körpersinnen wahrgenommene Bild ist also Ausdruck eines geistigen Urbildes, in dem Sinne, wie es in Platons Höhlengleichnis dargestellt ist.
So ist alles “Vergängliche nur ein Gleichnis” und speziell das Symbol ist eine Tür zur höheren Erkenntnis des Wesens der Dinge.

Das ist die wahre Symbolik, wo das Besondere das Allgemeinere repräsentiert, nicht als Traum und Schatten, sondern als lebendig-augenblickliche Offenbarung des Unerforschlichen.“ (Goethe)
Die Symbolik verwandelt die Erscheinung in Idee, die Idee in ein Bild, und so, dass die Idee im Bild immer unendlich wirksam und unerreichbar bleibt und, selbst in allen Sprachen ausgesprochen, doch unaussprechlich bliebe.“ (Goethe)

Alle äußeren Vorgänge im Weltall, im Kleinen sowohl als im Großen, als auch im äußeren Leben des Menschen sind nur Gleichnisse und Abbilder von Vorgängen im Reiche des Geistes, im Reiche des Ewigen. Vom vergänglichen Standpunkt aus betrachtet, erscheint die phänomenale Welt als Tatsache, deren Vorgänge der Mensch zur Beschreibung geistiger Dinge symbolisch benützt.
Aber vom Standpunkte des Wirklichen, des Ewigen aus betrachtet, erkennen wir, dass das Reich der Ideen die Wirklichkeit, der Grund und das Erste und Ursprüngliche ist, und die sichtbare Welt nur die symbolisch Wiedergabe derselben. Und so ist die Sprache in Symbolen die wirkliche Sprache, die Geistessprache, die Sprache, von Gott eingesetzt.
“ (Gustav Schwab)

Je abstrakter nun ein solches Symbol ist, desto tiefer greift es.
So symbolisiert der Kreis das Unendliche, der Punkt den Uranfang, das Dreieck die Dreifaltigkeit, die Dreiheit in der Einheit.

Bezüge auf den Menschen und seine Höherentwicklung erhält man aus den Symbolen der Kirche bzw. der Bibel. Allerdings sind die dort verwendeten äußeren Formen, Wörter oder Bilder nur die Inhaltsträger, nicht der Inhalt selbst:
„Man ist gewohnt in den Symbolen des Christentums nur äußerliche Dinge zu sehen … stellt sich ‚Gott den Vater‘ vor als einen alten Mann mit langem Bart, den Sohn als einen Jüngling, den heiligen Geist als eine irgendwo herumfliegende Taube …, man ist gewohnt, das äußerliche Symbol für dessen Inhalt zu sehen und hält das Kleine so dicht vor die Augen, dass man das dahinterstehende Große nicht sehen kann.“ (Franz Hartmann)

Doch sind diese inneren Bedeutungen dem vergleichenden, zergliedernden, sich nur an der Oberfläche bewegenden Intellekt nicht zugänglich. Allein die Intuition, die zum Wesentlichen vorzudringen vermag, kann diese erkennen.

Denn, „wer in den himmelaufstrebenden Türmen des gotischen Kirchenbaues, in der Wölbung des Domes und in den Säulen, auf denen er ruht, nicht sein eigenes inneres Streben und Wachstum versinnbildlicht sieht … dem wird es wenig nützen, wenn man ihm den Sinn dieser Dinge theoretisch erklärt.“ (Franz Hartmann)

Das Streben vom Niederen zum Höheren wird symbolisiert in der Architektur des Kirchengebäudes, dessen Inneres das Innere des Menschen, seine „Seele“ darstellt; das Kirchengemäuer grenzt die niederen, sinnlichen Begierden ab, hält sie draußen; auf dem Kirchhof finden sich die „abgestorbenen Leidenschaften“ usw.
Im gleichen Sinn steht im neuen Testament der „Stall“ für den menschlichen Körper, die „Tiere“ für seine niederen Begierden, Pilatus für den zergliedernden Intellekt, der die Wahrheit nicht sehen kann …

Symbole sind die Wegweiser, die nach innen und zugleich nach oben führen, gehen muss ihn jeder selbst, indem er ihren Sinn sich erschließt.

„Solange wir noch nicht genug geistig geworden sind, um das Geistige durch direkte Anschauung zu erkennen, bedürfen wir des Symbols.“ (Franz Hartmann)

Um den Wesensgehalt eines Symboles zu erfassen, bedarf es der Intuition.

Franz Hartmann beschreibt Wesen und Sinn der Symbole mit den folgenden Worten:

"Alles was wir in der Natur sehen, ist Wahrheit, aber wir sehen nicht die Wahrheit selbst, sondern nur deren Darstellungen oder Symbole.
Wir sehen nicht das Wesen der Dinge, oder das, was sie in Wirklichkeit sind, sondern nur deren Schein.
Der Geist der Dinge ist naturgemäß für unsere körperlichen Augen unsichtbar, und deshalb ist die Natur mit ihren Erscheinungen da, damit wir lernen, in diesen Symbolen das, was sie darstellen
und was sie in Wirklichkeit selbst sind, die Wahrheit zu finden, und dadurch zur eigenen Erkenntnis des Wahren zu gelangen. Jedes Ding in der Natur bedeutet einen Gottesgedanken, es ist der Ausdruck desselben und dessen Symbol;
es führt uns zu Gott, wenn wir Gott darin finden.
Mit theoretischen Erklärungen, von denen schließlich niemand weiß, ob sie wahr sind, ist wenig gedient und oftmals geschadet; denn nur die Früchte, die in unserem eigenen Garten wachsen, sind unsere eigenen;
nur diejenige Wahrheit, die wir selbst in den Symbolen entdecken, weil sie auch in uns selbst lebendig geworden und zu unserem Bewusstsein gekommen ist, ist unsere Selbsterkenntnis.
Nicht, dass, wie es vielfach geschieht, jeder den religiösen Symbolen eine willkürliche Deutung geben dürfte, die nur seiner Fantasie entspringt, wie es ja närrisch wäre, den Buchstaben einer Sprache, die man nicht kennt, eine beliebige
Deutung zu geben; wohl aber wird jeder, der den Gegenstand, den das Symbol darstellt, kennt, auch den Sinn des Symbols erfassen...
In der Natur ist jedes Ding der vollkommene Ausdruck des Ideals, welches es darstellen soll...
Die religiösen Symbole sind nicht dazu da, um unsere wissenschaftliche Neugierde zu befriedigen, sondern um uns zu erziehen, d.h. um uns durch das Äußere zum Inneren zu führen.
Wir sollen selbst über deren Sinn nachdenken und denselben in uns selber erleben; dann erst erkennen wir ihre Bedeutung.
Mit einer theoretischen Erklärung derselben ist wenig gedient; ja sie verdirbt oft sogar den Zweck des Symbols; sie kann den Verstand befriedigen, aber wo das religiöse Gefühl und die Intuition fehlt, da trägt sie schwerlich zur Erbauung und Ernährung des Geistes bei...
Die äußerliche Religion mit ihren Symbolen ist die Schale, die innerliche der Kern; die Schale ist für den äußeren, der Kern für den inneren Menschen bestimmt...
Jedes religiöse Symbol hat eine dreifache Bedeutung, die ihm nicht willkürlich untergeschoben ist, sondern naturgemäß in ihm liegt; nämlich eine äußerliche, exoterische, die wie alles Äußerliche in der Welt nur ein Schein oder Sinnbild und oft so vernunftwidrig ist, dass sie keine verständiger Mensch für buchstäblich wahr halten kann; ja diese Vernunftwidrigkeit sollte ein Schutz gegen die buchstäbliche Auffassung sein.
Die zweite ist die innerliche, esoterische Bedeutung, welche theoretisch erklärt werden kann; die dritte aber ist die praktische Erkenntnis dieser Bedeutung, die erst dadurch gewonnen wird, dass man den Sinn des Symboles in sich selber erlebt und erfährt...
"

"Die Lösung habe ich, nur den Beweis habe ich noch nicht." (Gauss)

Wer mit der Intuition ein wenig vertraut ist, hat an sich selbst, wenn er in ein scheinbar unlösbares Problem vertieft ist folgende Beobachtung gemacht:
Stunden, Tage und Wochen sitzt der Mensch über dem Problem. Sein Gehirn arbeitet, seine Adern pulsen, jeder Nerv scheint in höchster Tätigkeit gespannt. Vergebens!
Es geht nicht.
Endlich wirft er die zu schwere Last von sich. Er gibt auf.
Und siehe da, einige Stunden später, vielleicht ganz anderswo, unter ganz andern Gedanken, auf einmal ein Blitz im Innern: Heureka! - Jetzt hab ich' s! - Die Lösung.
“ (Surya)

Hier hat die Intuition gewirkt als eine Art Abkürzung zum Ziel, der Lösung des Problems, der direkte Weg aus dem Irrgarten intellektueller Analyse ...

Es gibt zwei Arten der Erkenntnis. Die eine besteht im Sammeln von Informationen und deren Vergleich, der Zergliederung und Begriffsbildung und bezieht sich nur auf das Äußere dessen, was mit den Körpersinnen wahrgenommen wird und wahrgenommen werden kann.
Die zweite Methode ist die Intuition, ein spontanes Erfassen eines Zusammenhanges oder des Wesentlichen einer Sache oder Wahrnehmung.
Jene basiert auf dem Intellekt, dem niederen Aspekt des Menschen; diese geht weit darüber hinaus und entstammt den höheren Bestandteilen des Menschen.

Denn “die Intuition ist es, welche aus den rein spirituellen Sphären stammend im Menschen, als dem eigentümlichen Zwitter von Körper und Geist als der wahrhaft göttliche Funke auftritt und ihn über das Niveau eines verstandesbegabten Tieres hinaushebt." (Surya)

Die Intuition entstammt der Wirklichkeit, verstanden als Welt der wirkenden Ursachen des Seins.

"Intuition und Beobachtung sind die Quellen unserer Erkenntnis. Wir stehen einem beobachteten Dinge der Welt so lange fremd gegenüber, so lange wir in unserem Innern nicht die entsprechende Intuition haben, die uns das in der Wahrnehmung fehlende Stück der Wirklichkeit ergänzt."(Rudolf Steiner)

Diese “wahre Erkenntnis" tritt “erst dann ein, wenn der Erkenner und das zu Erkennende eins werden, wenn also die Seele “ des wahrheitssuchenden Menschen ” eindringt in die Seele oder innere Wesenheit des Objekts, das er erkennen will." (Surya)

Die unterschiedlichen Arten der Erkenntnis beschreibt Bergson wie folgt:
"Um einen Gegenstand zu erkennen, gibt es nur zwei Wege. Entweder man geht um ihn herum, um ihm von außen beizukommen, wie es die exakte analytische Wissenschaft tut, oder man dringt mit Anstrengung der Einbildungskraft (Intuition)... in ihn ein.
Auf dem ersten Weg kann man den Gegenstand nur relativ erkennen, nur auf dem zweiten Weg ihn absolut erfassen. Auf dem ersten Weg kommt man zu einer Summe, nur auf dem zweiten zu einer Ganzheit.
"

Ein jedem zugängliches, weil der täglichen Erfahrung entsprechendes Beispiel für den Unterschied beider Wahrnehmungs- und Erkenntnisarten oder Erkenntniswege ist der Sonnenaufgang, oder allgemeiner die scheinbare Drehung der Sonne um die Erde, die subjektiv für jeden “richtig” ist, objektiv (wissenschaftlich gesehen) jedoch falsch ist.
Man sieht die Sonne im Osten aufgehen und im Westen untergehen. Man weiß aber, spätestens seit Kopernikus, dass dies ein Trugschluss ist, da im größeren, nicht anthropozentrischen Zusammenhange betrachtet, die Erde, sowie alle anderen Planeten sich um die Sonne drehen.
E. Willson beschreibt diese Wahrnehmung folgendermaßen:
Alle Beobachtungen und Erfahrungen zahlloser Jahrhunderte von dem Auf- und Untergehen der Sonne, hätten nur die natürliche Annahme, dass die Sonne täglich um die Erde kreist, hervorrufen können. Keine Zusammenstellung von Erfahrungen hätte jemals unseren Verstand zu einer Schlußfolgerung bewegen können, welche dieser Annahme widerspräche. Nicht unser Verstand, sondern unsere Intuition sagte uns daher, dass die Sonne stillsteht und dass die Erde sich täglich dreht.

Was ist nun richtig und was ist falsch?

Beides. Je nach Betrachtungsweise.
Auch das Licht ist ja – in der physikalischen Betrachtung – einmal Welle und einmal Korpuskel, je nachdem welches Phänomen man beobachtet oder beschreibt.

Es gibt eine Wahrheit hinter der scheinbaren Wahrheit, unsichtbare Verbindungswege hinter den offensichtlichen Zusammenhängen. Diese gilt es zu erkennen, denn
"Zwiefältig ist die Quelle, aus der wir trinken sollen. Sinnliches und Übersinnliches ist uns zugänglich. Die Erscheinungswelt ist durch die Sinne direkt dem Verstand offenbar, aber auch die übersinnlichen Welten können können ihm durch den Funken aus den Sphären der Geistigkeit durch den Akt der Intuition erschlossen werden.“ (Surya)



Vorbemerkung

Wer dieser meiner Lehre fest vertraut
Und ihren tiefen Sinn erkennt, der wird
Nicht mehr geboren und nicht mehr berührt
Von Weltenstehung und Weltuntergang.

Drei Grundkräfte sind es, die des Menschen Handlungen prägen, die drei Gunas: Tamas, Radschas und Sattwa. Ihre jeweilige Ausprägung ist Kennzeichen des menschlichen Entwicklungsstandes.
Ist der Tamas-Mensch noch dumpf und träge, ganz im materiellen und der Sinnenwelt gefangen und bedarf zu seiner Entwicklung äußerer Anstösse (Schicksalsschläge), so hat der Radschas-Mensch schon einen inneren Antrieb, die Begierde, verbunden mit einer Unterscheidungsfähigkeit zwischen richtig und falsch, womit er nicht mehr ausschliesslich den äußeren (Sinnen-)Reizen ausgeliefert ist.
Es ist seine Leidenschafft, die ihm Leiden schafft, wobei dieses Leid ihn seine Erfahrungen hinterfragen lässt und im Grunde der Höherentwicklung dient.
Doch erst der Sattwa-Mensch strebt bewusst nach Höherem, der Wahrheit, seiner inneren Wahrheit.

Diese Lehre von den drei Gunas wird dargestellt in der Bhagavad-Gita (Kap. XIV, auf das hier Bezug genommen wird). Die folgenden Textausszüge sind entnommen aus
K.O. Schmidt – Bhagavad Gita
Franz Hartmann
- Bhagavad Gita
- Karma
- Die Erkenntnislehre der Bhagavad Gita
Oskar Adler – Das Testament der Astrologie

Im folgenden, einführenden Teil sind zwei unterschiedliche Variationen des gleichen Textes nebeneinander gestellt, da die unterschiedliche Ausdrucksform bzw der Textcharakter, gerade in der Zusammenschau erkenntnis- und verständnisfördernd wirken können.
Findet man in der einen lyrischen Variante eher wirkstarke, erkenntnisträchtige Begriffe, so ist die andere eher erklärend, deutlicher in ihrer Sprache – beide Ausdrucksformen ergänzen sich jedoch gegenseitig.

Die zugehörigen, ausführlichen, erläuternden Texte, die den Gesamtkontext verdeutlichen sind ausschließlich den Werken von Franz Hartmann entnommen.
Wenngleich es nicht möglich ist den gesamten theosophischen Sinnkontext darzustellen, so soll doch zumindest klar werden, dass die Gunas nicht einfach ein in der Luft hängendes Konstrukt dreier Kräfte sind, die von irgendwoher irgendwie auf den Menschen wirken oder durch und ihn ihm wirken, in ihrer Ausprägung ihn charakterisieren.

Bhagavad Gita

Der Allgeist ist der Werde-Born,
In den der Wesen Keim ich leg’,
Aus welchem dann, oh Arjuna
Das Heer der Lebewesen quillt.

Was in den Welten allesamt
Jedwedem Mutterschoß entspringt,
Entstand aus meinem Samen doch
Im Mutterleib des Weltengeists.

Die drei Merkmale der Natur,
Bewusstsein, Haftsucht, Dunkelheit
Sie fesseln an den Leib, die Welt,
Den Geist, den unvergänglichen:

Bewusstsein, das rein, leidenlos
Und leuchtend scheint, bindet den Geist
Durch Jagen nach dem Selbst-Genuß,
Durch Neugier und durch Wissensdrang.

Haftenssucht ist voll Leidenschaft,
Wirkt Gier, Verfangen, Daseinsdurst,
Und bannt den Geist durch Tatenlust
Und durch Besitzbesessenheit.

Dunkelheit aus Nichtwissen quillt,
Das jeden Geist verwirrt und täuscht;
Sie bindet durch Gleichgültigkeit,
Durch Trägheit, Stumpfheit, starre Ruh.

Bewusstsein lockt zum Glück-Genuß
Die Haftenssucht zum Tatenrausch
Die Dunkelheit zur Torheit führt
Da sie der Weisheit Pfad verbirgt.

BG, KOS

Das Weltall ist der große Mutterleib,
In den ich aller Dinge Samen streue;
Aus diesem gehen die lebend´gen Wesen
Von jeder Art, o Erdensohn, hervor.

Denn stets, wenn ein Geschöpf geboren wird
Bin ich`s der Geist, der allen Leben gibt
Und Samen schafft, aus dem die Formen wachsen.



Sattwa (Bewusstsein), Radschas (Leidenschaft)
Und Tamas (Nichterkenntnis) sind die drei
Gewalten der Natur. Sie binden stets
Den freien Geist, an diese Körperwelt.

Von diesen bindet Sattwa, leidensfrei
Und leuchtend ist die sündenfreie Seele
Durch Wohlgefallen und Glückseligkeit,
Die aus Erkenntnis seiner Güte kommt.

Doch Radschas, der Begierde nah verwandt,
Der Quell der Selbstsucht und der Leidenschaft
Ergreift die Seele durch die Kraft der Werke,
Die in der Eigenheit ein Mensch vollbringt.

Tamas, die Dummheit und der Unverstand
Die Ausgeburt erkenntnislosen Dunkels,
Ein Nichts, das doch die ganze Welt beherrscht
Durch Schlaf und Trägheit bindet es die Seele.

So herrscht denn Sattwa durch das Lustgefühl,
Radschas durch Tatendrang und Wissensdurst,
Und Tamas durch die blinde Torheit, die
Dem Lichte der Erkenntnis widersteht.

BG, FH

Das Dasein (nach F.H.)

Das Dasein an sich ist ein Zustand, der sich erst dann begreifen lässt, wenn er sich auf etwas bestimmtes bezieht. Dasein ist Bewusstsein; ein Ding, das kein Bewusstsein hat, kann vom Dasein nichts wissen, weder von seinem eigenen Dasein, noch von etwas anderem.
Das Dasein an sich ist das Selbst im absoluten Sinn; es beruht auf nichts anderem als sich selbst und steht zu nichts als sich selbst in Beziehung.
Es ist das ‘Sein’ im Gegensatz zum ‘Nichtsein’.
Nichts existiert, solange es nicht ins Dasein tritt; nicht existiert für uns, solange es nicht ins Bewusstsein tritt.

Was wirklich und wesentlich ist, ist in Wahrheit und Wirklichkeit da; was uns dazusein scheint, existiert für uns nur im Schein.
Wir selbst existieren in Wirklichkeit für uns selber nicht, solange wir unseres wahren Wesens nicht bewusst sind.
Solange wir glauben, in Wirklichkeit dasjenige zu sein, was wir zu sein scheinen, und den Körper, welchen wir bewohnen, für unser wirkliches Selbst halten, kennen wir uns selber nicht und sind nur zum Scheine da.

Unser eigenes, wahres Selbst kennenzulernen ist der Endzweck aller theosophischen Lehren … Das wahre Dasein … ist ein Erwachen des Geistes.

Das Dasein ist die Offenbarung von etwas, welches in seinem nichtoffenbaren Zustande für uns ein Nichts, nicht aber ein Nichts im absoluten Sinne, sondern vielmehr das nichtoffenbare Wesen von allen offenbarlichen Dingen ist.
Man kann dieses ‘Etwa’ weder als ‘Raum’, noch ‘Stoff’ noch ‘Kraft’ bezeichnen, da alle diese Bezeichnungen nur relative Begriffe sind.
Manche bezeichnen es als ‘Gott’, aber es ist nicht Gott; denn zu dem Begriffe eines ’Gottes’ gehören göttliche Eigenschaften.

Es ist das namenlose Eine, die Grundlage allen Daseins; das Wesen von Allem, die Ewigkeit, das Leben an sich.
Die Inder nennen es TAT.
Aus TAT entspringt alles und kehrt wieder in TAT zurück.
Das Dasein ist eine Periode, ein Ereignis in TAT, dem ewigen absoluten Sein; mit anderen Worten in BRAHM, welches sowohl das relative Sein als auch das relative Nichtsein umfasst.

Das Dasein selbst ist die Offenbarung einer Energie, der Ausdruck einer offenbar gewordenen Kraft, und alles, was existiert, besteht aus Zuständen dieser ewigen Weltenergie, mit anderen Worten aus Daseinszuständen oder TATTWAS.
Alle Erscheinungen gehen ursprünglich aus der Wirkung dieser allgemeinen Weltkraft hervor, die man auch ‘Weltsubstanz’ nennen kann, da ja die Begriffe von ‘Kraft’ und ‘Stoff’ nicht zweierlei wesentlich voneinander verschiedener Dinge, sondern nur zwei Anschauungsformen des ewig Einen namenlosen TAT bezeichnen.

Es gibt keine Substanz ohne Energie, keine Energie ohne Substanz; aber es gehört auch ein Drittes, nämlich das Bewusstsein dazu, welches in allen Dingen enthlaten, wenn auch nicht in allen offenbar ist.
Wäre im Absoluten kein Bewusstsein enthalten, so könnte auch in den Geschöpfen keines offenbar werden; denn das Bewusstlose kann kein Bewusstsein erzeugen; die Entfaltung des Bewusstseins aber hängt von der Organisation der Dinge und den sie umgebenden Umständen ab.
In einem Steine kann sich kein tierisches, in einem Tiere kein menschliches Bewusstsein entfalten; im Menschen selbst könnte kein göttliches Bewusstsein offenbar werden, wenn nicht der Funke der Göttlichkeit in seiner Seele enthalten wäre.
Aus den unterschiedlichen Bewusstseinsstufen des Menschen gehen die Motive zu seinen Handlungen hervor.
Nach der indischen Lehre … liegen allen Daseinszuständen drei Natureigenschaften zugrunde, und geht alles Handeln und Tun aus einer oder mehreren von diesen Eigenschaften hervor.
Diese Eigenschaften oder Bewusstseinszustände, ‘GUNAS’ genannt, sind:

Die Erkenntnis, Klarheit, Wahrheit; SATTWA oder Weisheit genanntDie Begierde, RADSCHAS, Leidenschaftlichkeit oder BegehrlichkeitDie Nichterkenntnis, TAMAS, die Finsternis oder Unwissenheit
Jedes Ding, jeder Zustand, jede Tat bietet ein ganz anderes Bild dar, je nachdem ihm die eine oder andere dieser drei Eigenschaften zugrundeliegt.
Alle Beurteilungen werden dadurch vereinfacht, indem wir die Motive betrachten, aus denen ein Zustand, eine Eigenschaft oder eine Handlung entspringt.

Sind zwei von diesen drei’n besiegt
So tritt die Dritt’ stärker hervor
Nie bleibt, solang im Leib er wirkt
Von allen dreien frei.
(KOS)

Wird Leidenschaft und Dummheit überwunden
So bleibt das Licht zurück und leuchtet klar;
Geht die Erkenntnis und Begierde unter,
So bleibt die Torheit übrigt, und wenn Tamas
und Sattwa schwindet, brennt noch Radschas fort.

Wenn durch die Tore deines ganzen Wesens
Das Licht der Wahrheit scheint, so wirst du finden,
Dass Sattwa in dir reif geworden ist.

Wenn Sehnsucht, Habsucht oder Wissbegierde,
Gewinnsucht, Strebertum und Tatendrang
Der Seele Ruhe stören, wisse dann,
Dass Radschas in dir Herr des Reiches ist.

Wo Dummheit, Trägheit, eitler Größenwahn,
Hochmütige Nichtswisserei, Verharren
Im Irrtum, Zweifelsucht und Aberglauben
Zu Hause sind, das ist Tamas der Herr.
(FH)
Nun ist aber die Natur des Menschen eine zusammengesetzte. Er kann in mancher Beziehung große Erkenntnis besitzen, in anderen Beziehungen von Leidenschaft beherrscht sein, in wieder anderen Richtungen völlig unwissend sein.
Das intellektuelle Prinzip kann in ihm in höchster Tätigkeit, und dabei das geistige Prinzip völlig untätig sein, oder er kann ein geistig erleuchteter Mensch und dennoch wissenschaftlich ungebildet sein; er kann zugleich dumm und leidenschaftlich sein, einen gewissen Grad von Erkenntnis besitzen und doch viele Untugenden haben.
Hier wird nun die vorherrschende Eigenschaft die Art seines Wesens bestimmen.

Aus der Zusammensetzung dieser drei Eigenschaften in der Natur des Menschen geht der Grund seines Charakters hervor. Sie bestimmt nicht nur seine Handlungen in dieser Welt, sondern auch den Zustand, in dem er sich befinden wird, wenn sein Körper stirbt.

Wenn die sterbliche Natur des Menschen zur Auflösung kommt,
wenn Sattwa in ihm reif ist,
so geht er ein in die reinen Regionen der Guten,
die nach dem Höheren strebten.
Stirbt sein Körper, wenn Radschas in seiner Natur vorherrschend ist, so wird er wieder unter Menschen geboren, welche an ihre Werke gebunden sind.
Nimmt er vom Leben Abschied, wenn Tamas in seiner Natur regiert, so wird er unter den Toren geboren.

Alles in der Welt und somit auch der Charakter des Menschen bildet sich durch die Tat, und nicht durch Grübeln, Schwärmerei oder Theorie.
Dies Seele der Tat aber ist das Motiv, und das Motiv ist verschieden, je nach der Eigenschaft (Guna), der es entspringt.
Der Weise handelt aus Erkenntnis, der Gierige aus Begierde, der Tor aus Unwissenheit und weise Handlungen machen den Menschen weise, selbstsüchtige Handlungen machen ihn immer mehr selbststüchtig, törichte Handlungen machen einen immer größeren Toren aus ihm.

Erkenntnislehre der Bhagavad Gita

Die Lehre von den drei Gunas oder Grundeigenschaften der Natur ist von höchster Wichtigkeit und ihre Kenntnis und Beachtung wäre auch im alltäglichen Leben von größtem Wert.
Die meisten Streitigkeiten im menschlichen Leben entstehen, wegen Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf Worte, von denen jede Partei sich einen anderen Begriff macht, und man bedenkt nicht, dass jedes Ding, je nach seinem Ursprunge aus einer der drei Grundeigenschaften der Natur, dreifach verschieden sein kann.
So will z.B. der eine vom ‘Glauben’ nichts wissen, der andere hält daran fest, und der dritte weiß nicht, was er glauben soll.
Man … bedenkt nicht, das es dreierlei Glauben gibt, je nachdem derselbe der Erkenntnis, der Habsucht oder der Dummheit entspringt.
Der Glaube, welcher der Erkenntnis entspringt, bedarf keiner Beweise; er ist die innere Überzeugung, die Kraft der Erkenntnis selbst.
Der Glaube, welcher der Begierde entspringt, ist von der eigenen Begierde gefärbt, denn was der Mensch wünscht, daran hängt er auch und bildet sich ein, das Falsche, was er liebt, sei wahr. Der Glaube, welcher der Dummheit entspringt, kann nichts anderes als eine Dummheit sein.

Nun sind aber in der Regel in jedem Dinge diese drei Eigenschaften vermischt und da handelt es sich darum, zu erkennen, welche Eigenschaft vorherrschend ist.

Wenn Radschas und Tamas besiegt sind, d.h. wenn die Habsucht und die Dummheit überwunden sind, so herrscht nur mehr Sattwa, die Erkenntnis des Wahren.
Wenn Radschas und Sattwa untergehen, so ist Tamas vorhanden; wenn aber Tamas und Sattwa verschwinden, so ist Radschas in Tätigkeit.

Tamas ist die geistige Finsternis.
Radschas ist das Feuer der Begierde.
Ist aber Sattwa im Menschen zur Herrschaft gekommen, so dringt durch alle Tore das Licht der Erkenntnis ein.

Nachbetrachtung

Wie bereits oben erwähnt sind diese drei Wirkkräfte, die Gunas im größeren Kontext, dem der Weltoffenbarung zu sehen.
Das Unoffenbarte tritt sich im Akte der Schöpfung selbst gegenüber, um sich in dieser Spaltung in Subjekt und Objekt, Erkenner und Erkennendes selbst zu erkennen.
Es hat keinen Ursprung im zeitlichen Sinn, da es das Zeitlose, das Ewige ist. Ebenso wie im Zeitlosen ist es im Raumlosen und ist zugleich nicht. Zeit entsteht erst im Moment der Offenbarung, ebenso wie Raum.
Wesentlich ist der Vorgang der Selbsterkenntnis als ein Vermitteln, ein Abgleichen zwischen Erkenner und Erkanntem. Im Unoffenbarten sind Erkenner, Erkennen und Erkanntes eins, im Offenbarten sind sie getrennt, da nur in der Spaltung Erkenntnis möglich ist.
Nach der indischen Offenbarungslehre wirken hier die drei Urkräfte oder Gunas:
Radschas, Tamas und Sattva.
Radschas ist die aktive, positive, männliche nach Offenbarung strebende Kraft.
Tamas ist der Bestand, das Gewordene, die passive, weibliche, negative Kraft.
Sattva ist die ausgleichende Schwingung zwischen Rajas und Sattva, das Erkennen, mit dem Bestreben die Trennung wieder in die Einheit zurückzuführen.

Das Wechselspiel dieser drei Kräfte stellt sich wie folgt dar:
Radschas <-> Sattva <->Tamas

Eben diese Kräfte und ihr Zusammenspiel liegen auch dem Horoskop zugrunde, sichtbar in dessen Aufgliederung in kardinale, fixe und veränderliche Zeichen
Eine Kraft (Rajas) tritt formwirkend im Element (Erde, Wasser, Luft, Feuer) in Erscheinung, sammelt den elementspezifischen Stoff um sich (Tamas), der als Grundlage der alchimistischen Veredelung dient (Sattva).
So gibt das Kardinalzeichen immer den Entwicklungsimpuls auf das träge Fixzeichen hin zur Höherwandlung im veränderlichen Zeichen, je nach Zeichenqualität im Körperlichen (Erde), im Seelischen (Wasser), im Geistigen (Luft) und im Moralischen (Feuer).
Wobei das Höherwandlungsziel, das Göttliche außerhalb der Elemente liegt, diese überwindet, die niederen Formen in höhere wandelt – Alchimie!
Der männliche Verwirklichungsdrang wird aufgenommen vom Weiblichen und bewirkt die Wandlung.
In eine allgemeine Formel gefasst:
Höherentwicklung (Sattva) durch Einwirkung (Radschas) auf das Träge (Tamas)

Gottfried von Purucker

Wissenschaft
ist eine “Tätigkeit des menschlichen spirituellen Gemütes oder Verstandes, in dem Bestreben, das WIE der Dinge zu verstehen
ist “der Aspekt des menschlichen Denkens, der im Fall seiner untersuchenden, forschenden und klassifizierenden mentalen Tätigkeit in Aktivität ist.

Philosophie
ist eine “Tätigkeit des menschlichen ‘Geist-Gemütes’ in seinem Bestreben, nicht lediglich das WIE der Dinge zu verstehen, sondern auch ihr WARUM – warum und wie die Dinge so sind, wie sie sind.
Ist jener Aspekt des menschlichen Bewusstseins, der alles zueinander in Beziehung setzt, der die Bande der Vereinigung zwischen den Dingen zu ergründen sucht und sie, wenn gefunden, als in den mannigfachen und diversen Formen der Naturvorgänge existierend enthüllt wie auch die sogenannten ‘Gesetze’, die ihre Existenz zeigen.


Religion
ist eine “Tätigkeit des menschlichen spirituellen Gemütes in seinem Bestreben nicht nur das WIE und WARUM der Dinge zu verstehen; es schließt ausserdem sein Sehnen und Streben nach einer selbstbewussten Vereinigung mit dem göttlichen ALL sowie nach einer ständig wachsenden selbstbewussten Identifikation mit den göttlich-spirituellen Realitäten ein.
Menschliche Religion ist der Ausdruck jenes Aspektes des menschlichen Bewusstseins, der intuitiv, aufwärtsstrebend und mystisch ist und der in seinen niederen Formen oft durch Emotionen im Menschen entstellt und verdreht wird.


Wissenschaft, Philosophie und Religion sind somit je “einer der Aspekte einer dreifachen Methode, die Wesensart der Natur, der universalen Natur und ihrer vielfachen und mannigfaltigen Tätigkeiten zu verstehen.
Kein Aspekt kann von den beiden anderen Aspekten getrennt werden, wenn wir ein wahres Bild der Dinge, wie sie an sich sind, gewinnen wollen.


Erst in diesem Erkenntnis-Dreiklang erschließt sich das Sein in seinem wahren, inneren Wesen.
Nur auf diesem dreigliedrigen und doch einen Weg werden Theosophie, Astrologie, Homöopathie in ihren wahren Sinnzusammenhang gesetzt.
Astrologie vom rein technischen oder wissenschaftlichen Standpunkte aus betrachtet, degeneriert zur Methode, zur Spielerei, die den Menschen verwirrt, auf Abwege bringt anstatt ihm den Sinnzusammenhang seines Lebens zu vermitteln.
Homöopathie vom Standpunkte der heutigen materiell (dem sinnlich zugänglichen) orientierten Wissenschaft betrachtet, kann nie verstanden werden, da ihre eigentlichen Wirkmechanismen außerhalb der begrenzten wissenschaftlichen Sicht liegen.
So ist auch die Theosophie nicht nur eine (Irr-)Lehre unter vielen, wie es vom klassifizierenden Intellekt kleingeistiger Theologen gesehen und dargestellt wird, sondern im Erkenntnis-Dreiklang betrachtet eine universelle Lehre vom Sein, die alle Religionssysteme umfasst und ihres gleichen Sucht.
Wie erbärmlich ist doch das Weltbild der Wissenschaft bezogen auf die Entstehung und das Schicksal des Universums oder des Menschen (von einem Sinn wir da nie geredet)!

Im folgenden eine Zusammenstellung von Zitaten zu den Themen "Erkenntnis, Wissenschaft, Intuition, Metaphysik ..." usw.

Erlangung von Wissen

"Wie erlangen wir Menschen eigentlich Wissen?
Nun, erstens sicherlich durch unsere Sinne, welche uns Kunde von der sogenannten Umwelt, der Welt der Erscheinungen geben. Indem wir die Sinnenreize in unser Bewusstsein aufnehmen und sie dort verarbeiten, d.h. einerseits durch klare Feststellung zum Charakter einer Beobachtung erheben, andererseits durch ihre Vergleichung zu Folgerungen gelangen, häufen wir den Schatz dessen in den Speichern unseres Erinnerungsvermögens auf, wass wir 'Wissen' nennen.
Zu dieser Art des Wissensgehört denn auch alles exakt wissenschaftlich erarbeitete Ergebnismaterial und damit das meiste, was wir 'Wissen' nennen überhaupt.
Aber es wäre eine Täuschung, zu glauben, dass es nur diese eine Art der Wahrnehmung oder des Wissens gebe.
Nicht alles verdanken wir der einem riesigen automatischen Fabrikationsbetriebe, einer richtigen 'Wissensfabrik' vergleichbaren, mit Sinnenmitteln arbeitenden Forschung. Und es ist nicht wahr, dass nur das, was die Fabriksmarke dieser priveligierten Wissenserzeugung trägt, wahres Wissen ist.
Ganz im Gegenteil!
Wie wir soeben schon gezeigt haben, ist mit Notwendigkeit alles, was 'exakt wissenschaftlich' bewiesen wurde, sicherlich nur relativ wahr und zum mindesten verdächtig, überhaupt falsch zu sein.
...
Wie viele hundert Lehrsätze, die zu ihrer Zeit zum unveräußerlichen, ja ganz unersetzlichen Bestand der Naturwissenschaft gehört haben, die 'genau und mathematisch' bewiesen waren, hat nicht die kommende Zeit gänzlich umgestoßen und oft auch zum Hohne als den größten Unsinn erwiesen, der nur je erdacht werden konnte?
Denn die innere tiefe, absolute Wahrheit lässt sich mit Hebeln und mit Schrauben überhaupt nicht zwingen. Sie uns zu geben ist gänzlich außerhalb des Bereichs der Naturwissenschaft.
Wahrheiten werden uns nicht durch die Sinne und durch deren künstliche Verfeinerung in dem Instrumentarium des modernen Naturforschers, sondern einzig und allein durch die innere Stimme in uns, durch die Intuition kund!
Die Intuiton ist es, die wie ein Blitz aus heiterem Himmel, wie das Licht, das von oben kommt, wie die feurigen Zungen, in denen sich die Geistigkeit des Alls auf die Jünger senkte, in uns aufflammt.
Stunden, Tage und Wochen sitzt der Mensch über dem Problem. Sein Gehirn arbeitet, seine Adern pulsen, jeder Nerv scheint in höchster Tätigkeit gespannt. Vergebens!
Es geht nicht.
Endlich wirft er die zu schwere Last von sich. Ergibt auf.
Und siehe da, einige Stunden später, vielleicht ganz anderswo, unter ganz andern Gedanken, auf einmal ein Blitz im Innern: Heureka! - Jetzt hab ich' s! - Die Lösung.
Mit einem Schlage liegt das Rätsel wie ein zur Strecke gebrachter gebrachtes Wild vor dem Sieger, der sich eigentlich gar nicht als Sieger fühlt, sondern wie einer, der eine Gabe (Inspiration) empfangen hat.
Gerade die größten Genies der Menschheit, gerade die allergrößten Entdecker und Erfinder haben sich von jeher offen dazu bekannt 'Finder' und nicht 'Erfinder' – 'Beschenkte' und nicht 'Bezwinger' zu sein.









Die Intuition, die zu uns kommt, die wir nicht vergewaltigen können wir Prakriti, den geschundenen Grundstoff, den wir mit unseren Hebeln und Maschinen zwängen und zwacken, die Intuition ist es, welche aus den rein spirituellen Sphären stammend im Menschen, als dem eigentümlichen Zwitter von Körper und Geist als der wahrhaft göttliche Funke auftritt und ihn über das Niveau eines verstandesbegabten Tieres hinaushebt."

Die Bewegung der Erde um die Sonne

"Alle Beobachtungen und Erfahrungen zahlloser Jahrhunderte von dem Auf- und Untergehen der Sonne, hätten nur die natürliche Annahme, dass die Sonne täglich um die Erde kreist, hervorrufen können. Keine Zusammenstellung von Erfahrungen hätte jemals unseren Verstand zu einer Schlußfolgerung bewegen können, welche dieser Annahme widerspräche. Nicht unser Verstand, sondern unsere Intuition sagte uns daher, dass die Sonne stillsteht und dass die Erde sich täglich dreht.
...
Die ältesten existierenden Bücher berichten uns, dass diese Rotation der Erde vom vom ersten Anbeginne der Zeit und dass jede Rasse (ausgenommen die unsrige) diese Wahrheit gekannt hat, von der Zeit an, da überhaupt ein Gedanke niedergeschrieben worden ist.
...
Wenn man von dem größten lebenden Geographen oder Naturwissenschaftler verlangen würde, er solle uns Beweise für die tägliche Umdrehung der Erde liefern, so würde er antworten, dass diese eine Lebensaufgabe sei.
Diese Beweise können mit großer Mühe und Anstrengung erbracht werden, aber nur deshalb, weil wir die Antwort schon wissen und nun nachträglich eine Methode der Beweisführung finden können, nicht aber weil es Beobachtungen gibt, aus welchen eine solche Schlußfolgerung naturgemäß gezogen werden kann."
(E. Willson)

Erkenntnis

"Die Erkenntis dagegen ist keiner Anfechtung des Irrtums unterworfen. Sie ist 'unfehlbar'.
Nach indischer und mystischer Auffassung tritt wahre Erkenntnis erst dann ein, wenn der Erkenner und das zu Erkennende eins werden, wenn also die Seele des Wahrheitssprechers eindringt in die Seele oder innere Wesenheit des Objekts, das er erkennen will."
(Surya)

Theologie

"Die Theologie sieht durch einen Spiegel in ein dunkles Wort, indem sie die Intuition 'Inspiration' nennt, ohne sie vom Verstande zu unterscheiden."
(E. Willson)

Sinnliches und Übersinnliches

"Zwiefältig ist die Quelle, aus der wir trinken sollen. Sinnliches und Übersinnliches ist uns zugänglich. Die Erscheinungswelt ist durch die Sinne direkt dem Verstand offenbar, aber auch die übersinnlichen Welten können können ihm durch den Funken aus den Sphären der Geistigkeit durch den Akt der Intuition erschlossen werden.
Weiter arbeiten kann auch der Verstand, wie das Gasgemisch im Zylinder fort brennt und seine Kraft auswirkt, aber nicht aus sich, sondern nur, weil vorher der Zündungsfunke in ihm übersprang."
(Surya)

Physik und Metaphysik

"Auf diese feste Grundlage, die jede Art von Naturerscheinungen erklärt, haben wir unsere Metaphysik aufgebaut. Alles, was mit diesen vier niederen Ebenen zusammenhängt, verwiesen wir in das Gebiet der Physik ...
Kein metaphysiches System vermag ohne eine feste physikalische Grundlage zu bestehen. Das eine ist das Ergebnis des andren, sein Wesen, seine Frucht, seine Blüte ...
Im Westen hat man noch kein festes System der Physik. Ihre Physik ist einem ewigen Wechsel unterworfen. Sie besitzen also keine Grundlage für eine Metaphysik."

"Neue Theorien lösen die alten in rascher Wandlung ab. Pantha rei!
Alles ist in beständigem Fluss, selbst das, was wir als gesichertstes Ergebnis der bisherigen Forschung ansahen, kann morgen umgestossen und durch eine geradezu gegenteilige Lehre verdrängt sein.
...
Unsere naturwissenschaftlichen Sätze werden abgeleitet aus einer Vielzahl von Experimenten, gleichsam herausgezogen als der Extrakt aus Tausenden von Versuchen; die Grundlehren der indischen Physik wurden erhalten durch die Betrachtung und geistige Zusammenfassung von vielen einzelnen, intuitiven Erkenntnisakten und durch Zusammenschmelzung aus ihnen.
...
Nicht aufgrund von exakten Experimenten in unserem Sinne war also der Geist des Inders etwa veranlasst, hinter dem Grobstoffe einen Prana, hinter diesem ein Kama und endlich ein Manasa zu suchen und diesen vier Stoffseinsweisen noch drei spirituelle Ebenen überzusetzen, sondern einzig und allein aufgrund der Yoga-Praxis und aus denkinneren Gründen.

Unsere Physik als eine experimentelle, exakte Disziplin kann gar nicht fest sein, denn ihre Sätze sind als Ergebnisse einer allmählich sich fortentwickelnden und sich stetig verfeinernden äußeren Wahrnehmungstechnik notwendig und ursächlich mit dem Stande unseres sinnlichen Wahrnehmungsapparates verknüpft und und damit der Wandlung unterworfen.

Kenntnisse tragen den Stempel des Endlichen, Begrenzten, Relativen ihrer Natur nach an sich, denn Kenntnisse sind Ergebnis der äußeren Wahrnehmung.
Erkenntnisse dagegen atmen den Hauch des Ewigen. Sie gehen in ihrem Inhalte auf die 'ewigen Ideen des Seienden', nicht auf die Vortäuschung der Sinne (auf Maya) zurück. Sie sind unwandelbar und von der äußeren Wahrnehmung unabhängig."
(Surya)

Signatura rerum (Entsprechungslehre)

"Das Unten entspricht dem Oben und das Oben entspricht dem Unten."
"Wenn ich den Himmel schaue, wird die Erde sinnvoll." (Herbert Fritsche)
"Die ganze natürliche Welt entspricht der geistigen; daher nennt man alles, was in der natürlichen aus der geistigen Welt entsteht, etwas Entsprechendes. Die natürliche Welt entsteht und besteht aus der geistigen, genau wie die Wirkung aus ihrer Ursache." (Swedenborg)
(Surya)

Intuition

"Deshalb ist jede Intuition, auch die höchste und tiefste, von seiten der Logik und Mechanik immer angreifbar, soweit sie sich in Logik und Mechanik umsetzt, also ein Begriffssystem wird."
"Mit Hilfe der Logik lässt sich alles beweisen oder auch nichts, was dasselbe ist."
(Kurt Aram)

"Um einen Gegenstand zu erkennen, gibt es nur zwei Wege. Entweder man geht um ihn herum, um ihm von außen beizukommen, wie es die exakte analytische Wissenschaft tut, oder man dringt mit Anstrengung der Einbildungskraft (Intuition)... in ihn ein.
Auf dem ersten Weg kann man den Gegenstand nur relativ erkennen, nur auf dem zweiten Weg ihn absolut erfassen. Auf dem ersten Weg kommt man zu einer Summe, nur auf dem zweiten zu einer Ganzheit."
(Bergson)

"Erkenntnis des Wirklichen in seinem Wesen ... nur möglich über metaphysische Intuition." (Bergson)
"Durch unser Denken werden feste Begriffe aus der beweglichen Realität gezogen, aber es ist durchaus unmöglich, mit der Festigkeit der Begriffe die Beweglichkeit des Wirklichen zu rekonstruieren". (Bergson)

"Analyse kann einen betrachteten Gegenstand nur auf ihn und anderen Gegenständen gemeinsame Begriffe zurückführen ... ihn durch etwas ausdrücken, was er nicht ist."(Bergson)

"Man erhält nicht vor der Wirklichkeit eine Intuition von dem, was sie an Innerstem besitzt, wenn man nicht ihr Zutrauen durch lange Kameradschaft mit ihren nach außen gerichteten Offenbarungen gewonnen hat ... Aber die metaphysische Intuition, obwohl sie nur durch reale Erkenntnisse erreicht werden kann, ist etwas anderes als die Synthese dieser Kenntnisse." (Bergson)

"Die Lösung habe ich, nur den Beweis habe ich noch nicht." (Gauss)

"... über das Wesen des Menschen auf analytischem Wege überhaupt nichts Befriedigendes gesagt werden kann, sondern nur über den Menschen als Mechanismus." (Kurt Aram)

"Alle intellektuelle Erkenntnis ist ungewiss, denn sie besteht darin, das Unbekannte mit einem bekannten zu vergleichen, welcher Vergleich nie ganz genau ausfallen kann." (Nikolaus von Kues)

"Intuition und Beobachtung sind die Quellen unserer Erkenntnis. Wir stehen einem beobachteten Dinge der Welt so lange fremd gegenüber, so lange wir in unserem Innern nicht die entsprechende Intuition haben, die uns das in der Wahrnehmung fehlende Stück der Wirklichkeit ergänzt."

"Was uns in der Beobachtung an Einzelheiten gegenübertritt, das verbindet sich durch die zusammenhängende, einheitliche Welt unserer Intuitionen Glied für Glied" (Steiner)

Kausalitätsgesetz

"Fatal ist nur bei diesem Gesetz, dass hinter jedem gelösten Warum ein neues Warum auftaucht bis ins Unendliche..."(Kurt Aram)

Nachdenken

Man muss sich bewusst machen, dass "beim Nachdenken nicht wir etwas tun, sondern uns etwas einfallen muss." (Dr. Alois Wenzl)

Der Mensch ist ein zwiefaches Wesen: er ist ein materielles, zerstörbares, vergängliches Geschöpf – und zugleich ist er eine geistige, unzerstörbare, unvergängliche Wesenheit.
Die letztere war vor dem ersteren.
Der falsche Begriff von Geist und Materie ist eine der Hauptursachen, dass uns manche Glaubenswahrheit nicht im rechten Licht erscheint und darum missverstanden wird.
Der Geist ist Wesenheit, absolute Realität. Seine Eigenschaften sind Einfachheit, Unteilbarkeit, Fortdauer und Unzerstörbarkeit.
Die Materie ist Aggregat, Beimengung, Zusammengesetztes, teilbar und der Veränderung und dem Vergehen unterworfen.
Die metaphysische Welt ist das Reich der Wirklichkeit, unzerstörbar, dessen Bewohner wir unter den Namen von Geistern und Engeln kennen.
Die physische, materielle Welt ist das Reich der Erscheinungen, und was wir in ihm wahrnehmen, ist relativ, bedingt, voller Täuschungen, vergänglicher Schatten der Wirklichkeit.
Dementsprechend unterscheiden wir beim Menschen den sichtbaren, äußeren und den unsichtbaren inneren Menschen. Den einen nennen wir den Tiermenschen, den anderen den Geistmenschen.
Je mehr Geistmensch über den Tiermenschen herrscht, desto vollkommener und glücklicher ist der Mensch.
Seinem Wesen nach aus unzerstörbarer metaphysischer Substanz, aus Energie bestehend, ist der Geistmensch während seiner Verkörperung gewissermaßen vom Tiermenschen eingeschlossen, in ihn eingebettet.
So sehen wir zwei widersprechende Naturen im Menschen zusammengekettet: die vergängliche Körperlichkeit (die Persönlichkeit) fesselt den Geist ans Sinnliche, das unvergängliche Wesen (die Individualität) ringt nach Freiheit von der Sinngebundenheit und such die lichte Erhabenheit der geistigen Welt als seiner wahren Heimat.
Daher der ständige Streit zwischen dem Guten und dem Bösen als dem Schatten des Gute. Das Gute will Vernunft und Sittlichkeit, das Böse führt laufend zu Irrtum und Leidenschaften. So steht der Mensch im ständigen Kampf zwischen dem Guten und dem Bösen, dem Lichten und dem Lichtlosen, dem Wahren und dem Falschen. Er überwindet und wird überwunden, er geht bald aufwärts und fällt bald in Abgründe, sucht sich wieder zu erheben und strauchelt von neuem.

(Carl von Eckartshausen)

Je höher der Mensch sich entwickelt, je weiser er wird, je mehr er sich der Gottheit nähert, desto umfassender werden seine Einsichten und Erkenntnisse, desto lichtere Inspirationen und Intuitionen schöpft er aus dem Urquell der Weisheit und desto vollkommener wird sein Vermögen der Selbstführung und Beglückung seiner selbst wie der Wesen um ihn.

Die Glückseligkeit des Menschen beruht auf der immer bewussteren und umfassenderen Erkenntnis und Betätigung des Wahren und des Guten. Bloße Kenntnis ist hier wertlos.
Es gibt unzählige philosophische und religiöse Sekten und Geheimgesellschaften, die zwar viel vom Guten und Wahren reden, aber ohne es zu tun.
In Wahrheit brauchen keine immer neuen Pläne zur Besserung, Vervollkommnung und Beglückung des Menschengeschlechts gesucht und entworfen zu werden. Es genügt, die vollkommenen Grundsätze des Christentums und jeder Religion in die Tat umzusetzen, um zu beglückenden Erfahrungen und Fortschritten zu gelangen.
Für den Weisen ist des schon Glückseligkeit, da zu sein und das Gute nicht nur denken, sondern auch tun zu können. Eben dies erfüllt sein Herz beständig von neuem mit göttlicher Freude und mit dem Bewusstsein, dass er auf dem rechten Wege ständigen Fortschritts und Aufstieg zum Göttlichen ist, auf dem er mit Sicherheit sein Endziel erreichen wird.
Dies Gewißsein gibt ihm Überlegenheit in widrigen Lagen und lässt ihn gelassen das Rechte tun, wobei er der Weisheit des Herzens und den Weisungen seines Gewissens folgt.
Das Bewusstsein wachsender Glückseligkeit inspiriert und erfüllt ihn mit erhöhtem Wagemut und Selbstvertrauen gegenüber dem Schicksal und befähigt ihn zu außergewöhnlichen Leistungen, Fortschritten und Erfolgen.
Gewiss haben dies bisher immer nur Einzelne erreicht. Aber es ist alles Lebendigen Bestimmung, stufenweise Gleiches und noch mehr zu erreichen. Jeder muss nur seine ihm eingeborenen besonderen Kräfte und Fähigkeiten entfalten lernen.
Denn nur solange das nicht geschieht, wallt seine Seele weiter von einem Körper in den anderen – bis er sich von der Notwendigkeit der Wiederkehr zu lösen lernt und durch Wiedergeburt frei wird.

(Carl von Eckartshausen)

Ableitungen

Wie auf einem vorhergehenden Gedankenweg dargelegt wurde, besteht der Mensch – esoterisch betrachtet – aus niederen und höheren Bestandteilen. Die drei höheren sind verborgen, dem göttlichen zugehörig, sind unkörperlich (arupa) und können nicht unmittelbar auf die niederen Bestandteile einwirken.
Die niederen Bestandteile sind jene, die den “äusseren Menschen” ausmachen – sein physischer Leib in Verbindung mit seinem ätherischen Leib (der Matrize für jenen), der Lebenskraft, dem Triebhaften und dem Verstand (oder Intellekt). Von unten nach oben, vom niederen zum höheren werden die Bestandteile feinstofflicher, wobei der physische Leib die gröbste, dichteste Form oder Ebene ist.

Genau in dieser Gliederung liegt nun der Schlüssel zum Verständnis der Homöopathie und ihrer Wirkmechanismen.
Die Kritiker (allesamt Materialisten) behaupten ja zurecht, dass ein “Nichts” im materiellen Sinn, nicht auf die Materie wirken kann. Dieses “Nichts” ist in ihren Augen der (hoch) potenzierte Wirkstoff, der als solcher im homöopathischen Mittel nicht mehr vorhanden ist, sein Wirkmuster jedoch sehr wohl!
Dieses liegt jedoch ausserhalb der materialistischen Sichtweise, ist nicht-stofflicher Naturund ist somit nicht vorhanden, da sinnlich nicht wahrnehmbar und somit nicht unmittelbar mess- und beweisbar.

Weitet man nun jedoch sein Blickfeld aus und betrachtet die metaphysische Gliederung des Menschen, so wird klar – und dies scheint mir auch völlig logisch – dass die Wirkung homöopathischer Mittel auf den feinstofflicheren Ebenen (Bestandteilen des Menschen) ansetzen muss.
Das heißt: die Wirkung eines homöopathischen Mittels setzt auf der seiner Potenzierung entsprechenden feinstofflichen Ebene an und wirkt von dort auf die unteren Ebenen, letztlich auf den physischen Leib.
Auf diesen selbst kann ein homöopathisches Mittel somit gar nicht direkt einwirken, da es ja über keinen physischen Wirkstoff, sondern über ein darüber hinausgehendes Wirkmuster verfügt und wirkt.
Es wäre somit erhellend, herauszufinden, welcher Potenzierungsbereich welcher feinstofflichen Ebene zuzuordnen ist …



Ausserdem erklärt die metaphysische Gliederung des Menschen die Verschiedenheiten der Menschen einerseits und deren Verbundenheit andererseits.
Wie Vivekananda es sinngemäß ausdrückte unterscheiden sich alle Wesen nur im Grade, sind aber gleich in ihrem Wesen.
Dieses Wesen ist der unveränderliche Bestandteil des Menschen, der “Grad” ist der Grad der Entwicklung und bezieht sich auf die veränderlichen Bestandteile, die Persönlichkeit des Menschen, seine Maske, die Rolle, die er in dieser Welt, in diesem seinem Leben spielt.
So verschwimmen die kulturellen Unterschiede, die Hautfarben, Sprachen, denn sie sind nur äußere Merkmale, unterschiedliche Formen eines wesentlich gleichen Inhaltes.
Leider sieht man immer nur diese äußeren Unterschiede, wobei auch hier, egal wo ein Mensch lebt, seine Beweggründe, Gedanken, Gefühle, Leidenschaften immer den gleichen Quellen entspringen.
Jeder Mensch empfindet Trauer, Sorge, Angst, Verzweiflung, Hass und Neid und jeder strebt, wenn in noch so geringem Maße nach etwas Höherem, hat Hoffnung oder Glaube …

Weiterhin zeigt uns diese metaphysische Gliederung, die sich nicht allein auf den Menschen, sondern auf den ganzen Kosmos bezieht in ihrerKonsequenz, eine höhere Ordnung, ein Wirkgefüge, in dem alles seinen Platz und Sinn hat und in dem jeder Mensch letztlich für all sein Tun selbst verantwortlich ist, sein Schicksal selbst wirkt, da er über einen freien Willen verfügt, der ihn höher führen soll.
Somit wird die Vorstellung eines personalisierten Gottes, der Menschen belohnt oder bestraft, hinfällig.

Einmal ganz davon abgesehen, dass sie unlogisch ist, wie jeder durch eigenes Nachdenken sich leicht herleiten kann.

Vorbetrachtung

Der Mensch denkt, fühlt (begehrt), empfindet und lebt.
Das Tier fühlt (begehrt), empfindet und lebt.
Die Pflanze empfindet und lebt.
Das Mineral ist definiert durch den Zusammenhalt und die Ordnung der Atome.


So äußert sich das Leben und das damit zusammenhängende Bewusstsein auf verschiedenen, aufeinander aufbauendenStufen, in verschiedenen Graden der Stofflichkeit und des Bewusstseins. Alles, was lebt, entwickelt sich vom Niederen zum Höheren.
Leben ist zu verstehen eine alles durchdringende Kraft – somitgibt esnichts Unlebendiges.
Ebenso ist es mit dem Bewusstsein, das in den unterschiedlichen Lebensformen sich nur im Grade der Bewusstheit unterscheidet.

Die höheren Stufen der Entwicklungenthalten oder umfassen die niederen, bauen sich aus und in diesen auf. So haben Pflanze, Tier und Mensch einen mineralischen Körper. Das Tier lebt und empfindet und hat zusätzlich Begierden.
Der Mensch lebt in seinem Körper, empfindet und begehrt und denkt.
Denken in Verbindung mit Gedächtnis ordnet die Erlebnisse in Raum und Zeit, macht es möglich Kausalzusammenhänge zu erkennen. Jeder Gedanke ist mit einem Gefühl behaftet undso sind im Menschen alle niederen Wahrnehmungen mit den höheren verknüpft und vereint.
Alles, was lebt ist mit seiner Umgebung verbunden, in diese eingebunden durch seinen Körper, seine Wahrnehmungen der Außenwelt über die Körpersinne, seine Empfindungen, seine Wünsche und Leidenschaften, seine Gedanken.
Erst mit dem selbstbewussten Denkenbeginnt die bewusste Spaltung in Ich und Du, in Subjekt und Objekt (Außenwelt).
Erst im selbstbewussten Denken beginnt das Fragen und erst hier tritt der Frager in Erscheinung.

Es ist der Geist, der sich einhüllt in die unterschiedlichen Körperkleider mit ihren zugehörigen Arten der Wahrnehmung und damit die Welt durchwandert und erlebt, Erfahrungen sammelt im Körperlich-Sinnlichen, Seelischen und Gedanklichen, der die Welt erleidet und gestaltet und aus diesen Erfahrungen lernt und sich höher entwickelt.
Und genau darin liegt der tiefere Sinn bzw. die Erklärung der Reinkarnation.

Höherentwicklung geschieht entlang der Linie der Bewusstseinserweiterung, die einhergeht mit wachsender Einheitserkenntnis. Der Blick wird weiter, die persönlichen Grenzen werden überschritten und geweitet zugunsten über-persönlicherGrenzen.

Gott, ist hier zu verstehen als der oder dasjenige, das allem zugrunde liegt und das alles durchdringt, von dem alles kommt und zu dem alles geht.Alle Wesen quellen aus ihm hervor und kehren zu ihm zurück. Sein Wunsch, sich selbst zu erkennen ruft die Welt als dazu notwendigen Erfahrungsspiegel in die Er-scheinung, dennnicht mehr als ein Schein ist sie!

So muss der Geist erst in die Materie hinabsteigen, sich in "schmutzige" Gewänder kleiden, mit beschränkten Sinnen und Wahrnehmungen leidvolle Erfahrungen auf dem Weg durch die Welt sammeln und Erkenntnisse gewinnen, um dadurch bereichert, wieder aufzusteigen.

Formen und Inhalte müssen korrespondieren, d.h. zu jeder Form muss ein zugehöriger Bewusstseinszustand vorhanden sein, der der jeweiligen Wahrnehmungsmöglichkeitdes Körperkleides entspricht.
Jede höhere Stufe enthält die Eigenschaften der ihr vorhergehenden niederen Stufen, gemäß dem folgenden Schema:

Mensch (Tier(Pflanze(Mineral))).
Jede Stufe hat darüber hinaus für sie ganz charakteristische Eigenschaften:

Verhärtung und Struktur kennzeichnen das Mineral. Eine rudimentäre Form von „Bewusstsein“ ist jedoch auch im Mineral vorhanden, sich äußernd in den Wachstumsmustern von Kristallen.
Die Empfindung als charakteristische Eigenschaft der Pflanze drückt sich aus in „Freude“ im Sinne von Wohlempfinden bei Sonne und Regen. Sie ertastet ihre Welt und erhält eine Empfindungsrückkopplung. In der Pflanze äußert sich die belebende vegetative Kraft. Nahrungssuche, Nahrungsaufnahme und Assimilation (Verarbeitung des Aufgenommenen)sind hier kennzeichnend.
Sie hat kein Vorstellungsbild von der Welt oder von sich und unterliegt ausschließlich den „unbewussten“ Gesetzen der Natur.
Das Tier ist charakterisiert durch den Trieb (Instinkt), durch den es getrieben ist. Es ist dies der Trieb zur Selbst- und Arterhaltung, die Suche nach Nahrung, die Revierabgrenzungund der Fortpflanzungstrieb.
Auch das Tier hat, wie die Pflanze oder das Mineral,kein Vorstellungsbild von sich undder Welt, hat kein Selbstbewusstsein. Vielmehr ist es Teil eines Art- oder Gruppenbewusstseins.
Es ist ja offensichtlich, dass alle Tiere einer Art die immer gleichen Körperformen bilden und sich immer auf die gleiche Art Verhalten, einem Muster folgend. Ein Tier hat dadurch keine Persönlichkeit, wenn es auch manchmal so scheinen mag.

Erst im Menschen beginnt die bewusste Auseinandersetzung mit sich selbst und der Welt, die Frage nach dem Sinn und die Suche nach dem Bleibenden, Dauernden im offensichtlich Vergänglichen.
Dieses Dauernde ist transzendent, den Körpersinnen nicht zugänglich und doch als sinngebend zwingend erforderlich und die logische Folge des Vergänglichen, denn „vergänglich“ kann etwas nur sein in Bezug auf etwas das „unvergänglich“ ist.

Das Dauerndeunterliegt somit nicht den Gesetzen von Raum und Zeit, die kennzeichnend für die Welt des Vergänglichen sind.
Als Gegenpol zum Weltlich-vergänglichen ist es das Göttliche, das allem innewohnt als Antrieb, als Leben, als Bewusstsein als unvergänglicher Wesenskern.

Höhere Dreiheit und niedere Vierheit im Menschen

Aus all dem bisher dargelegten ergibt sich, dass der Mensch ein vielfach gegliedertes Wesen ist und sein muss, bestehend aus „niederen“ vergänglichen Bestandteilenund „höheren“ unvergänglichen Wesensteilen.
In der Theosophie wird dies ausgedrückt durch die „höhere (obere) Dreiheit“ und die „niedere (untere)Vierheit“, wie in der folgenden Grafik dargestellt.

In der „oberen Dreiheit“ finden sich die „göttlichen“ und unvergänglichen Bestandteile des Menschen,seine unvergängliche „Individualität“.
Die „untere Vierheit“ repräsentiert all jene Bestandteile, aus denen die vergängliche „Persönlichkeit“des Menschen sich zusammensetzt.
In der unteren Vierheit finden sich die „naturhaften“ Bestandteile, wie der physische Körper (als Äquivalent zum Mineral), der Ätherleib (die Empfindung, das Äquivalent zur Pflanze), Prana (als Äquivalent zum Leben, der Lebenskraft), Kama als Äquivalent zum Gefühl und der Begierde, sowie das „niedere Manas“ als die niedere Denkfähigkeit, sich äußernd in Verstand und Intellekt.
Manas (in seiner Zweigliederung) ist hier als Schnittstelle, als Verbindung zwischen dem Unvergänglich-Göttlichen und dem Vergänglich-Naturhaften zu verstehen, wobei das niedere Manas über Kama die Verbindung zur niederen Vierheit herstellt und über das höhere Manas mit der höheren Individualität verbunden ist.
Am Übergangspunkt von Manas zu Kama strömt das Göttliche in das Naturhafte ein, von hier beginnt der Aufstieg des Naturhaften zum Göttlichen, die Höherentwicklung des Menschen, hier berühren sich das Obere und das Untere.
(Ganz verkürztausgedrückt soll an dieser Schnittstelle das Niedere mit dem Höheren verbunden, nach oben gezogen und durchlichtet, vergeistigt werden, der Mensch aus seinem Sinnengefängnis befreit werden.)

Hier beginnt das eigentliche „Fragen“, das dem höheren zugerichtet ist. Es ist nicht das Herumtasten und Herumspringen des Intellekts in der vergänglichen und wechselhaften Welt der Erscheinungen.
Dieses Fragen zielt ab auf das Wesentliche, auf den Sinn, nicht auf die äußeren Zusammenhänge, die beliebig sind und das innere Zentrum immer verfehlen.
Hier spannt man den Bogen und zielt mit dem Pfeil (anfangs noch etwas wackelig und unbeholfen) auf den Mittelpunkt der Zielscheibe, die innen ist.
Doch das „Fragen“ in diesem wesentlichen Sinnebeginnt immer erst ab einer bestimmten Erfahrungsreife.
Hierzu muss man aus dem Sinnenkarussell aussteigen und es von außen betrachten und hinterfragen.
Es ist der Blick weg von den bewegten Speichen des Rades hin zu derin der Mitte ruhenden Nabe.
Höherentwicklung heißt das Dauernde vom Vergänglichen zu unterscheiden, das Niedere zu überwinden und das Höhere zu verwirklichen.

Höheres und niederes Manas im Menschen

Das höhere Manas ist „Buddhi-Manas“, enthaltend die abstrakten Gedanken, die kausalen Urbilder, die Vernunft, verbunden mit „Buddhi“, einem höheren, göttlichenPrinzip.

Das niedere Manas ist „Kama-Manas“, enthaltend die konkreten Gedanken, den Verstand, die praktische Vernunft, verbunden mit „Kama“, den niederen Begierden und somit an das Naturhafte gebunden.
Der gegenwärtige Durchschnittsmensch bewegt sich auf der Stufe des „Kama-Manas“, ist getrieben von seinen Leidenschaften und urteilt bzw. erkennt bewusst mit seinem Intellekt.
Niederes Denken und Begierde durchdringen sich.
Das Denken des Durchschnittsmenschen ist beherrscht von seinen Leidenschaften und hängt dem Wechselspiel der vergänglichen Erscheinungen an. Bequemlichkeit und Vergnügen (Tamas)sind ihm wichtiger als Erkenntnis (Sattwa).

Der Begriff „Manas“ ist abgeleitet von „man“ = denken bzw. „mens“ = Mensch.
Der Mensch ist die Verkörperung des Denkprinzipsin der Natur, eines Prinzips, das in den unteren Ebenen (Kama, Ätherleib & physischer Leib) noch nicht vorhanden ist und erst auf der Entwicklungsstufe des Menschen in Erscheinung tritt.
Manasbezeichnet die Natur des wahren, inneren Menschen.

Kamaist das Gefühl, die Begierde, die Tierseele im Menschen.
Allgemein gesprochen, auf die Natur bezogen, hat Kama den Zweck den Gang der Entwicklung voranzutreiben - esist das Verlangen, die Antriebskraft in allen Wesen

Es, bzw. das ihm zugrunde liegende abstrakte Prinzip (Radschas) ist im Makrokosmos die erste Ursache der gesamten Schöpfung; im Mikrokosmos die Ursache der Wiederverkörperung, imMenschendie Leidenschaft.

Kama dient als Träger und Werkzeug für Manas, damit dieses in den niederen Welten Erfahrungen sammeln kann.
Das feinstoffliche Manas kann nicht direkt auf die grobstofflichen, niederen Welten einwirken, es benötigt Kamaals Mittler.
Die Wirkungsform des niederen Manas auf Kama ist der menschliche Intellekt (es entsteht durch diese Verbindung, dieses Zusammenwirken die vergängliche irdische Persönlichkeit).
Kama hat ebenfalls eine Verbindung mit Prana.
Aufgrund dieser Verbindung durchdringt es den grobstofflichen Körper wie den Ätherleib.

Kama-Manas, dasniedere Manas bildet das Gemütals Summe aller Gefühls- und Willensregungen, es ist die Ebene der konkreten Gedanken, des Intellekts, die niedere mentale Ebene.
Buddhi-Manas, das höhere Manasist die Ebene der reinen Vernunft, der abstrakten Gedanken, die obere mentale Ebene.
Kama-Manasund Kamabauen die mannigfaltigen Gedanken-, Gefühls und Begierdenweltenauf, von denen die menschliche Persönlichkeitangefüllt und eingehüllt ist.
Das Verhältnis von Manaszu Kamaist wie jenes eines Reiters zu seinem Pferd, dessen Wildheit der Reiter zähmen muss, es entspricht gleichermaßen dem Verhältnis des Herrn zu seinem Diener.
Kama und Manas müssen wie Ross und Reitereine Einheit bilden.

Durch die Berührung mit dem niederen Manas fühlt sich die Persönlichkeit als ICH, unterschieden von allen Einzelwesen und mit Verstand begabt.
Das niedere Manas wirkt auf Kama derart, dassSinne und tierische Natur durch Manas den letzten Impuls zum Lustgefühl, Ehrgeiz und Ruhmsucht.

Durch Gewissenund Inspirationspricht dashöhere Manas unmittelbar zum persönlichen Menschen.
Das Gewissen ist der unfehlbare Führer durch die Stürme der Begierden undden Lärm der Sinne.
Das höhere Manas (Ausdruck findend im Gewissen) weiß - alles Erwägen ist unnötig.
Hier erklärt sich auch das Wesen der Intuitionalseinfaches Schauen, unvermittelte, unfehlbare Erkenntnis einer auf der geistigen Ebene sich darstellenden Wahrheit. Sie sieht mit voller Gewissheit, braucht keinen Beweis, denn sie ist über den Verstand erhaben.

Die sieben Grundteile des Menschen - Übersicht

Die folgende Abbildung soll das oben Gesagte in kompakter Form in einer Gesamtsicht verdeutlichen:

Man darf sich jedoch diese einzelnen Grundteile, gemäß der obigen Darstellung,nicht als hierarchisch übereinander gestapelt denken, sondern diese durchdringen sich, je nach dem Grad ihrer Stofflichkeit – das Gröbere ist von dem feineren umgeben und durchdrungen.
Soweit dieser kurze Abriss zur siebenfachen Gliederung des Menschen, die zum Verständnis der Theosophie wesentlich und darüber hinaus – aus meiner Sicht - der für den Menschen naheliegendste Einstiegspunkt ist.

Doch weder endet die Lehre der Theosophie hier, noch fängt sie hier erst an ...

Vorbetrachtung

Betrachtet man die Welt um sich herum, so sieht man Formen, Körper und Farben; man sieht Menschen, Bäume, Berge, Flüsse und man sieht, dass alles sich stetig verändert und bewegt, wenn auch teilweise unmerklich langsam, außerhalb der Wahrnehmung einer menschlichen Lebensspanne - wie die Entstehung eines Gebirges.
Man sieht, wie der Tag in die Nacht übergeht, um wieder Tag zu werden.
Man sieht, wie die Jahreszeiten sich abwechseln.
Man sieht, wie Menschen kommen und gehen.
Doch all dies Treiben und Gewimmel ist es nur Selbstzweck, nur Wechselspiel materieller Formen?
Wo kommt alles her, wo geht es hin?
Angeblich ist das Universum im Urknall aus einem unendlich kleinen Punkt entstanden …
Doch was war vorher?
Man kann die Bewegung der Planeten, die Vorgänge im Körpererklären, sie funktional beschreiben und doch weiß man nicht um ihren tieferen Sinn.
Was vor dem Urknall war, weiß niemand, eben sowenig wohin die Entwicklung all der Formen führt.
Man erkennt zwar – spätestens seit Darwin – eine Höherentwicklung der Form, jedoch weder deren eigentlichen Ursprung, noch ihr Ziel.
Wie und warum haben die Formen sich gebildet – zufällig?
Kann tote Materie Lebendiges gebären, kann sie sich eigenständig zu komplexen Formen, zu Lebensformen entwickeln?
Wieso ordnen Kristalle sich in Mustern an, wieso wachsen Pflanzen dem Licht entgegen…?
Ist ein Gemälde, wie die Mona Lisa durch das eigenständige Wechselspiel von Farbe und Leinwand entstanden?
Nehme ich eine Leinwand, schütte Farben darauf – entsteht dann auch in zahllosen Versuchen irgendwann ein solches Gemälde?
Der Künstler hat das Bild geschaffen, Farben und Leinwand zu einem Gemälde zusammengeführt, nach dem geistigen Bild in seiner Vorstellung.
Den besonderen Ausdruck erhält das Gemälde darüber hinaus durch die Emotionen des Künstlers, die jedem Menschen eigen sind und immer in sein Handeln und Denken einfließen.
So ist es doch nicht abwegig hinter allem Gesehenen, allem Formhaften einen Gedanken, einen Plan zu vermuten…?
Und weiter gedacht muss dieser Plan geistiger Natur sein, also unsichtbar „hinter“ den materiellen Erscheinungen liegen, die Bildung der Formen geistig vorwegnehmen.

Dieser Plan ist mehr als die das Zusammenspiel der Materie lenkenden Naturgesetze, denn die leblose Materie als solche kann diese nicht aus sich heraus geschaffen haben – Steine setzen sich nicht von alleine zu einem Haus zusammen.
Sehr wohl aber kann der menschliche Geist einen solchen Plan entwickeln.

Es ist nicht möglich, dass irgendetwas aus dem Nichts entsteht.
Betrachtet man dieses Nichts (im materiellen Sinn, dem Fehlen des Sinnlich-Wahrnehmbaren)aber als Träger unsichtbarer Ideen, die nach Verwirklichung streben und geht davon aus, dass dieses Nichts vielmehr etwas ist, was man unmittelbar mit seinen Sinnen nicht sehen kann, anstatt etwas, das einfach nicht da ist und nie gewesen ist, kommt man im Erkenntnisprozess weiter.

Das, was der Mensch mit seinen Sinnen wahrnimmt ist eine sehr begrenzte Sicht der Wirklichkeit, man denke nur an den Teil des Lichtspektrums (wie das Ultraviolette oder das infrarote Licht), das man ohne Hilfsmittel nicht unmittelbar sehen kann.
Aber auch diese Hilfsmittel sind materieller Natur und somit begrenzt in ihrer „Wahrnehmung“ und vermitteln nur ein mittelbares, aufbereitetes Bild.
So wie man zur Wahrnehmung materieller Formen materielle Sinne braucht, so müsste doch ein Organ, eine „Apparatur“ zur Wahrnehmung des Seelischen oder der Gefühle aus dem gleichen Stoff wie diese sein; eine Apparatur zur Wahrnehmung des Geistigen müsste von geistiger Natur oder Substanz sein.
Ein Gefühl oder ein Gedanke nur als Folge körperlicher, d.h. physikalischer oder chemischer Vorgänge zu sehen, macht dieses Gefühl, diesen Gedankenzur substanzlosen, uneigenständigen Illusion und beschreibt höchstens seine Wirkungen, nicht jedoch sein Wesen.
Die Bewegung, die man überall im Universum beobachtet – sei es nun die Bewegung der Planeten um die Sonne oder die Wege, die ein Mensch in seinem Leben zurücklegt, müssen ein Ziel, eine Bestimmung und zugleich einen Sinn haben, der außerhalbvon ihnen liegt, dessen Ausdrucksträger sie sind.
Kein Mensch, kein Tier, keine Pflanze lebt ziellos, alles hat einen Zweck, eine Aufgabe im Gesamtgefüge, dient dem Erhalt des Ganzen.
Wenn alles ein Ziel hat, so muss es auch eine Ursache haben, die außerhalbseiner selbst liegt, vergleichbar einemSteuermann, der ein Schiff seinem Ziel entgegensteuert.
Das Schiff auf sich selbst gestellt hat keine Zielvorstellung, sondern ist einzig dem Spiel von Wellen und Wind ausgeliefert.
Ein zielloser Mensch ist gleichermaßeneinzig dem Spiel seiner Gefühle, Begierden und äußeren Reize ausgesetzt und von diesen gelenkt.
Ein Baum ohne Entwicklungsziel würde in den wildesten Formen wuchern.
Bei Pflanzen besteht dieses Ziel im Wachstum, das einer bestimmten Formbildungsvorschrift folgt.
Alle Pflanzen einer Art und ebenso alle Tiere einer Art folgen dem gleichen Muster der Körperbildung und des Verhaltens.
Die bewusste, davon unabhängige bzw. darüber hinausgehende Zielsetzung ist der zielgerichtete Gedanke, der niedere Antriebe unterjocht, sich vor seinen Wagen spannt und sie somit zur Erreichung seiner Ziele bewusst einspannt, sie beherrscht und nicht von ihnen beherrscht wird.
Dieser Wille ist aber nicht der Körper selbst, noch von diesem ausgehend, da dieser ja – ohne Willen – nur von niederen Antrieben geleitet wird.
Diesen Willen hat nur der Mensch – er fehlt der Pflanze, wie dem Tier, die nur von den Kräften der Natur gelenkt werden.
Man muss sich lediglich eine Zeitlang bewusst beobachten, um zu erkennen, wie wechselhaft die Gedanken und Gefühle sind und wie stark sie von äußeren Reizen bestimmt sind.
Materie auf sich allein gestellt würde folglich im Chaos vergehen, könnte nie beständige Formen oder Strukturen aufbauen, geschweige denn deren Höherentwicklung bewirken oder gar einen innewohnenden Sinn haben oder entwickeln, denn Sinn heißt unter anderem ja bewusste Zielgerichtetheit. Bewusst im menschlichen Sinn heißt selbstbewusste, eigene Zielsetzung, bei Pflanze und Tier ist diese Zielsetzung unbewusst, von einem außerhalb liegenden Bewusstseinszentrum gelenkt – oder von Naturkräften gesteuert.
Und es sind nicht die Gene, die hier maßgeblich sind! Sie sind lediglich zu verstehen als eine Einprägung des Plangedankens in die Materie, ähnlich der Konstruktionszeichnung für eine Maschine, die ja nicht einfach da ist, sondern vom Entwickler der Maschine gezeichnet, auf Papier übertragen wird, die geistige Idee, den Plan, ausdrückt oder abbildet!

Zum Abschluss zwei Zitate von Rupert Sheldrake, die obige Gedanken in sehr konzentrierter Form zusammenfassen und dem hier verfolgten Grundgedanken folgen, schrittweise vom Materialismus, demkörpersinnlich Wahrgenommenen zu höheren, darüber hinausgehenden Formen der Erkenntnis zu finden und somit sich dem Sinn zu nähern.

Die gängige, beim Durchschnittsmenschenvorherrschende materialistische Sicht der Dinge fasst Sheldrake folgendermaßen zusammen:

„Zusammengefasst können wir sagen, dass sich das Universum nach dieser modifizierten Form des Materialismus aus Materie und Energie zusammensetzt, die ewig oder jedenfalls unbekannten Ursprungs sind.
Sie organisieren sich in einer enormen Vielfalt anorganischer und organischer Formen, zufällig entstanden, erhalten durch Gesetze, die ihrerseits nicht selbst erklärbar sind.
Bewusste Erfahrung ist ein Aspekt der motorischen Erfahrung des Gehirns oder sie läuft parallel dazu.
Alle menschliche Kreativität muss, ebenso wie die der Evolutionsgeschichte, letztlich dem Zufall zugeschrieben werden. Der Mensch macht sich Glaubensinhalte (einschließlich derer des Materialismus) zu eigen, und seine Handlungen sind das Ergebnis von zufälligen Ereignissen und von den physikalischen Notwendigkeiten innerhalb seines Nervensystems.
Menschliches Leben hat keinen über die Befriedigung biologischer und sozialer Bedürfnisse hinausgehenden Sinn; ebenso wenig hat die Evolution des Lebens und des Universums als Ganzes irgendeinen Zweck oder eine Richtung.“

Die sinnhafte, erweiterte Sicht beschreibt er so:
„Das Universum als Ganzes kann nur dann eine Ursache und einen Zweck haben, wenn es durch eine bewusste Kraft geschaffen wurde, die über es selbst hinausgeht.
Dieses transzendentale Bewusstsein würde sich im Gegensatz zum Universum nicht auf ein Ziel hin entwickeln, vielmehr fände es sein Ziel in sich selbst. Es würde nicht auf eine endgültige Form zustreben, da es in sich selbst bereits vollständig ist.
Wenn dieses transzendente bewusste Sein die Ursache des Universums und alles darin Existierenden wäre, hätte alles Erschaffene in irgendeiner Weise Teil an seiner Natur.
Die mehr oder weniger begrenzte „Ganzheit“ von Organismen auf allen Ebenen der Komplexität könnte demnach als Spiegelung der transzendenten Einheit betrachtet werden, von der sie abhängen und von der sie letztendlich abstammen.
So bejaht diese … metaphysische Position die ursächliche Wirksamkeit des bewussten Selbstes und die Existenz einer Hierarchie kreativer Instanzen, die der Natur innewohnen, und die Realität eines transzendenten Ursprungs des Universums.“

Und genau dies ist der Grundgedanke der theosophischen Lehre von der Entstehung des Weltalls, der Erde und des Menschen.

Periodizität

Es gibt im Weltgeschehen keine Willkür, alles Geschehen läuft nach festen „Naturgesetzen“ ab, hauptsächlich jenem der periodischen Wiederkehr. Naturgesetze sind hier zu verstehen als die Wirkung zielgerichteter, formbildender geistiger Kräfte im Stoff.
Der Grundgedanke des Werdens ist das periodische Hervortreten eines Schöpfungsimpulses aus dem Unoffenbaren in die Welt der Erscheinungen, dem Offenbaren,das Sammeln von Erfahrungen in diesem und die dadurch bereicherte Rückkehr ins Unoffenbare.
Im Kleinen ist es der Vorgang des Geborenwerdens, des Eintritts in die Welt, dem Leben als Sammeln von Lebenserfahrungen und dem Tod, dem Austritt aus der körperlichen Welt.
Die Periode der Tätigkeit bezeichnet man als Manvantara, die darauf folgende Periode der Ruhe als Pralaya. Es ist dies der gleiche Rhythmus, der Tag und Nacht, Leben und Tod, Licht und Dunkel zugrunde liegt.
Der Leitgedanke dieses periodischen Vorganges ist die Höherentwicklung jeglicher offenbarter oder manifestierter Daseinsform von Niederen zum Höheren, spiralförmig von unten nach oben.
Unten steht die dichteste, materiellste Form, oben die feinstofflichste, geistige.
Sinn und Zweck des Vorganges ist es immer vollkommenere, d.h. bewusstere Daseinsformen hervorzubringen.
Das EINE, Unoffenbare – Parabrahm - schafft sich diese Formen als Spiegel zur Selbsterkenntnis, denn Erkenntnis setzt eine Spaltung in Subjekt und Objekt, in Erkenner und Erkanntes voraus als die beiden Pole zwischen denen sie entstehen, wirken, pulsieren kann.

Selbsterkenntnis setzt Selbstbewusstsein des Erkenners voraus, das erst ab einer bestimmten Entwicklungsstufe der Lebensform zu eigen wird. In unserem Weltall ist diese Form der Mensch.
Und erst mit ihmbeginnt der eigene, selbstbewusste Erkenntnisweg nach oben zu immer höheren Formen des Bewusstseins…
In eben diesem Rhythmus von Aktivität und Ruhe, folgend der spiralförmigen Linie der Höherentwicklung, liegt auch die Ursache der Reinkarnation (Wiederverkörperung).
Jedes neue Dasein ist eingebettet in diesen Strom, ist nicht willkürlich, zufällig oder einmalig, sondern wiederholt sich solange bis die vorgesehene Entwicklungsstufe erreicht ist. Jede Daseinsform dient in der Phase der Aktivität (Menschenleben oder Inkarnation als Mensch) dem Sammeln von Erfahrungen und in der folgenden Phase der Ruhe (Tod, hier in seinem dauerhaften, nicht seinem punktuellen Aspekt) dem Auswerten dieser Erfahrungen.

Weltoffenbarung heißt Manifestation, Formwerdung des Formlosen geleitet von einem Willen zur Schöpfung, zur Erkenntnis auf dem stetig nach oben führenden Entwicklungsweg. Dazu bedarf es des Gegensatzes zwischen Subjekt und Objekt, zwischen Erkenner und Erkanntem, zwischen Bewusstsein und Form.
Die sich offenbarenden Formen benötigen Körper und Bewusstsein und so strömen die Monaden, die göttlichen Lichtfunken im Zuge der Offenbarung als erkenntnis- und daseinshungrige Lebenswoge in die Stofflichkeit, in deren vergängliche Formen sie sich kleiden.
Der Weg der Lebenswoge und somit jedes Lebensfunkensist der Weg durch die Formen verschiedener Dichtegrade und den zugehörigen Bewusstseinsstufen – absteigend zunächst von der höchsten Form der Geistigkeit zu der höchsten Stufe der Verdichtung der Formen, der geistig dunkelsten Stufe.

Erst dort beginnt der selbstbewusste Weg der Monaden aufsteigend auf dem Weg zur Erkenntnis, zur Vergeistigung der Materie, aufsteigend die Leiter immer höherer Bewusstseinsstufen.
Dieser Weg beginnt beim Menschen und seine Erfahrungen, die er in seinen vielen Verkörperungen folgt sind der Entwicklungsweg, den die Erkenntnis gehen muss.
Diesem Werdeweg unterliegen alle Formen, seien es nun Sonnensysteme, Planeten, Menschen oder Atome.
Alle diese Entwicklungswegesind verwoben, verschachtelt, hierarchisch gegliedert – es folgtalles Werdende diesem Weg und seinen Stufen.

Wir betrachten im folgenden speziell den Entwicklungswegder Planetenentstehung.
Dieser ist dem Entwicklungsweg des Sonnensystems untergeordnet oder folgend und den nächstniederen Entwicklungsweg der Entstehung des Menschen tragend, ordnend und bestimmend.

Alle Entwicklungsvorgänge im Weltall sind von der Zahl Sieben bestimmt, so auch die des Menschen.
Siebenfach ist auch die Gliederung des Menschen im okkulten Sinne und nicht umsonst taucht die Zahl sieben so häufig in der Mythologie oder dem Märchen auf.

Diese Entwicklungswege sindgegliedert in “Runden”, wobei jede Runde über sieben Stufen verläuft.
Der Entwicklungsweg des Sonnensystems besteht aus sieben Planetenketten-Runden.
Der Entwicklungsweg eines einzelnen Planeten, die Planetenrunde, besteht aus sieben Globen: A-B-C-D-E-F-G. Der Planet, den wir hier ausschließlich betrachten ist die Erde.
Hand in Hand mit diesen großen Entwicklungszyklen für Planeten und Sonnensystem auf den unterschiedlichen Ebenen der Geistigkeit bzw. der Stofflichkeit geht die Entwicklung der Lebensformen in körperlicher, seelischer und geistiger Hinsicht.

Der Entwicklungsweg der Menschheit auf der Erde durchläuft sieben Wurzelrassen, die innerhalb jedes Globus vollständig durchlaufen werden. Dies nennt man eine Globusrunde, da sie auf dem Globus stattfindet. Globusmeint hier nicht speziell den sichtbaren, materialisierten Erdglobus, wie man ihn sich jetzt vielleicht spontan vorzustellen mag, sondern – je nach Runde - einen der sieben Globen in seiner jeweiligen Manifestations, seinem Dichte- und Entwicklungsgrad.

Es sind hier also verschiedene Zyklen ineinander verschachtelt:
An oberster Stelle der Zyklus des Sonnensystems, darunter jener der einzelnen Planetenkette und in dieser wiederum die Globuszyklen. Diese Gliederung setzt sich nach oben und unten bis ins Unendliche fort.Ein Sonnenzyklus umfasst sieben planetarische Ketten: einen für jeden der sieben Planeten unseres Sonnensystems

Man unterscheidet zwischen inneren und äußeren Runden.
Die innere Runde beschreibt den Entwicklungsweg der Lebenswoge von Globus A bis Globus G.
Die äußere Runde beschreibt den übergeordneten Entwicklungsweg der sieben Planetenketten innerhalb des Zyklus des Sonnensystems von einem der sieben Planeten (Erde, Mond, Merkur, Venus, Mars, Saturn, Sonne) zum anderen.
Eine Planetenkette bezieht sich jeweils auf einen Planeten.
Die gegenwärtige Menschheit befindet sich auf Planet 4 in Kette 4 auf Globus D in der vierten Wurzelrasse.

Der Entwicklungsweg des Menschen im speziellen ist die Bildung der ihn konstituierenden sieben Prinzipien, was in einem separaten Kapitel besprochen wird.
Es sei nochmals wiederholt, dass die Entwicklungsebenen hinsichtlich ihrer Stofflichkeit bzw. Geistigkeit für Planeten, wie für Menschen die gleichen sind. Jede solche Ebene befindet in einem bestimmten Bereich „stofflicher Dichte“, hat ihren spezifischen Dichtegrad.

So erhält der Mensch seinen stofflichen, physischenKörper erst auf der am meisten verstofflichten Ebene auf Globus D.

Planetenrunden und Globen

Jedem Tätigkeitszyklus (Manvantara) folgt ein Schlafzyklus (Pralaya), vergleichbar mit Tag und Nacht, gemäß dem folgenden abstrahierten Muster.

Dieses Muster gilt sowohl für die Zustände zwischen den Sonnenzyklen, den planetarischen Ketten, den Globen und den Wurzelrassen.

EineLebenswoge beginnt ihren Entwicklungsweg in jeder Planetenrundeauf Globus A. Sie durchläuft in jeder dieser Rundennacheinander alle Globen (A-G) und beendet ihren Entwicklungsweg auf Globus G.
Globus D ist der jeweils „tiefste“ und dichteste Globus – hier endet der absteigende Bogen (Involution) und hier beginnt der aufsteigende Bogen (Evolution).
Involution meint den Abstieg des Geistes in die Materie, Evolution die selbstbewusste Entwicklung der Lebensform zum Geistigen oder die Vergeistigung der Materie.

Wie in obiger Grafik dargestellt, werden in jeder der planetarischen Runden (hier der Ausschnitt: Runde 1 – Runde 4) sieben Globen durchlaufen, was dem Gesamtentwicklungs-Zyklus eines Planeten entspricht.

Einer jeden planetarischen Runde (Tätigkeitszyklus oder Manvantara) folgt ein Schlafzyklus (Pralaya).
Jede einem solchen Schlafzustand folgende Planetenrundefindet auf einer höheren Entwicklungsebene statt, als die vorhergehende.
„Höher entwickelt“ ist nicht zu verwechseln mit weniger dicht!
Auf dem absteigenden Bogen der Involution nimmt trotz fortschreitender Entwicklung der Dichtegrad der Formen zunächst zu, um in dem bei Globus D beginnenden aufsteigenden Bogen der Evolution wieder an Dichte abzunehmen, jedoch angereichert mit den Erkenntnissen aus den Erfahrungen des absteigenden Bogens.
Innerhalb einer Planetarischen Runde durchläuft jeder einzelne Globus sieben Globusrunden.
Jede dieser Globus-Runden entspricht dem Auftreten bzw. der Entwicklung einer Wurzelrasse.
Es durchläuft somit jeder Globus einer Planetenrunde sieben Wurzelrassen.

Nach Durchlaufen einer Planetenkette (sieben planetarische Runden) ist die Bildung eines Planeten abgeschlossen.
Eine gesamte Planetenkette durchläuft somit sieben planetarische Runden zu sieben Globusrunden mit je sieben Wurzelrassen!
Natürlich unterliegen all diese Runden dem Wechselspiel zwischen Tätigkeitszyklus und Schlafzyklus.

Dieser Entwicklungszyklusdauert so lange an, bis ein neuer Zyklus zur Bildung einer planetarischen Kette beginnt.
Alle Scharen von Wesen der vorhergehenden Kette durchlaufen nun eine neue planetarische Kette auf einer höheren Ebene als die der vorhergehenden Kette (vor dem Pralaya).
Nach dem Durchlaufen von sieben solcher planetarischer Ketten mit ihren Tätigkeitszyklen (Manvantaras) und Schlafzyklen (Pralayas)sinkt das gesamte Sonnensystem in das solare oder kosmische Pralaya.

Sieben Ebenen der Entwicklung

Sieben ist die Grundzahl unseres Sonnensystems. Über sieben Daseinsebenen erstreckt sich jegliche Entwicklung.
Jeder kosmische Körper, ob Galaxie, Sonnensystem, Planet, Mensch, Atom usw. ist eine siebenfach zusammengesetzte Wesenheit, wobei nur eines dieser sieben Prinzipien sichtbar ist, die anderen sechs sind unsichtbar. Sichtbar ist einem Wesen nur jene Ebene, auf der es manifestiert und für die es die entsprechenden Sinnesorgane hat.
Diese siebenfache Gliederung gilt im Großen, wie im Kleinen, das Große spiegelt sich im Kleinen, das Kleine ist Abbild des Großen (wie oben, so unten) – die siebenfache Gliederung des Menschen ist Abbild der siebenfachen Gliederung des Sonnensystems.
Das Ganze ist in jedem Teil enthalten, wie der Baum im Samen enthalten ist.
Die für unsere Betrachtung relevante planetarische Kette, die Erdkette ist ebenfalls aus sieben Globen zusammengesetzt, deren Entwicklung auf den sogenannten „Rupa-Ebenen“ stattfindet.
Sichtbar für unsere körperlichen Augen (unserem bisherigen Entwicklungsstand entsprechend) ist nur der vierte, materialisierte Globus D. Vorausgehend im Entwicklungsweg auf dem absteigenden Bogen sind die unsichtbaren Globen A-C; folgend sind die ebenfalls unsichtbaren Globen F-G.

Unsichtbar heißt: diese Globen befinden sich auf höheren oder feinstofflicheren Entwicklungsebenen (Arupa-Ebenen), die mit unseren gegenwärtigen materiell ausgerichteten Sinnesorganen nicht wahrnehmbar sind.


Die unsichtbaren Globen liegen jeweils paarweise auf einer der höheren Ebenen:
A-G
B-F
C-E
D

folgend dem absteigenden oder aufsteigenden Bogen.

Die Globen A – C beschreiben den absteigenden Bogen, die Involution. Diesist der Weg der Lebenswoge, dem Strom der Monaden, von den feinstofflichen, geistigen Ebenen hinab in die Materie zu ihrem höchsten Verdichtungsgrad (Nadir) auf Globus D. Auf diesem Weg erfolgt der Abstieg des Geistes in die Materie.
Die Globen E-G folgen dem aufsteigenden Bogen, der Evolution. Diese beginnt am dichtesten Punkt - - - bei Globus D - und führt aufwärts zum geistigsten Punkt auf Globus Gund stellt dar die Vergeistigung der Materie, womit der Entwicklungskreis geschlossen ist.

Alle Planeten, die gegenwärtig für unsere körperlichen Augen sichtbar sind, befinden sich in ihrer dichtesten Form auf Globus D.
Wir befinden uns aktuell, wie oben bereits erwähnt,in der vierten planetarischen Runde auf Globus D in der vierten Wurzelrasse!
Hier steht der Mensch in seiner gegenwärtigen Entwicklungsform und -stufe.
Bei ihm endet der absteigende Bogen, die Involution und mit ihm beginnt der aufsteigende Bogen, die Evolution, der Erkenntnisweg.

Begriffssystem

Um Missverständnisse durch uneinheitliche und nicht definierte Begriffe zu vermeiden, werden hier die Begriffsdefinitionen der Theosophie verwendet.

Vom Irrewerden an den Idolen unserer Zeit

Es ist immerhin schon etwas gewonnen, wenn einem die Erkenntnis aufdämmert, dass es außer der modernen Götzentrinität Mammon, Maschine und Materialismus auch noch andere herrschende Gewalten im Welt- und Menschenleben gibt, dass Augenweide, Ohrenschmaus, Gaumen- und Sinnenkitzel, Prunk, Schönheit und Ehren nicht den einzig erstrebenswerten Inhalt des Daseins bieten und dass es für den Geist des Menschen schließlich noch wichtigere Gegenstände geben kann als lediglich das Denken an Geschäft, Gesellschaftsfragen, Prozesse, Sport und Spiel.
Materiell ‚geordnete Verhältnisse‘ streben die meisten Leute an; geordnete Verhältnisse in ihrem höheren Innenleben zu schaffen, daran denken die wenigsten mit dauerndem Ernst!
Selbst wer wirklich – nicht bloß vor anderen renommierend – noch kurz vor seinem Lebensende an keine seelische Fortdauer nach dem Tode glauben sollte, dürfte in jenen letzten Augenblicken, wenn alles andere von ihm abfällt und ihm nur noch seine Seele bleibt, schwerlich Stolz darüber empfinden, diesen seinen dauerhaftesten Besitz nicht vollkommener ausgebildet zu haben.
Noch mehr wird der vor der Hohlheit und Verwahrlosung seines Inneren dann erschrecken, der an die sittliche Lebensaufgabe innerer Selbstvervollkommnung und an eine Fortdauer der Seele nach dem Tode glauben gelernt hat oder wenigstens einer von beiden Tatsachen zustimmt.
Im tiefsten Seelengrunde schlummert doch bei jedem die Anerkennung eines ethischen Sinnes unseres Daseins und einer sittlichen Lebensaufgabe, und in der heutigen starken Zuflucht zu allerlei Mystik – die ja im letzten Grunde eine ist – liegt, zumeist unbewusst, das Sehnen nach einer Vertiefung der Lebensauffassung, einer Veredelung und sittlichen Bereicherung des Lebensinhaltes und einer Vervollkommnung der Frieden und Innenglück suchenden Seele.
“ (Erich Bischoff)

Ja, Irrewerden kann man beim ausschließlichen Blick in die Welt. Diese Erfahrung hat wohl jeder schon einmal gemacht, so er in all dem Trubel einmal innehält und hat sich beim Blick in den Himmel vielleicht folgende Frage, in ähnlicher Form schon einmal gestellt:

Wenn ich sehe, die Himmel, deiner Finger Werk,
den Mond und die Sterne, die du bereitet hast:
Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst,
und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?

(Auszug aus Psalm 8)

Ein einzelner Mensch, auf der Erde stehend, sieht sich umgeben von schier unermesslichen Raumestiefen und den darin enthaltenen unzähligen Sternenwelten. Ein solcher Mensch mag sich einerseits klein und unwesentlich fühlen, körperlich gesehen, nimmt jedoch zugleich geistig an dieser Unermesslichkeit teil, kann mit seinem Bewusstsein darin eindringen und nach dem Sinn des Ganzen sowie seiner Einzelexistenz fragen.

Antworten gibt es wohl schon solange, wie es denkende, selbst-bewusste Menschen gibt, wie Mythologie und die verschiedenen Religionsformen und auch die Naturwissenschaft zeigen, wobei es speziell in der Religion um den inneren Sinn des Geschehens geht, während die Naturwissenschaft mehr das äußere Geschehen betrachtet, den eigentlichen Sinn jedoch nicht kennt.

Religion und Mythologie entspringen nicht der Beobachtung des Außen, sondern sind Folge innerer Schau.
Religion verbindet direkt mit den Urgrund des Seins, während Mythologie bildreich die Wirkkräfte beschreibt, in gewisser Weise ist Mythologie ein Weg zum Urgrund, seinem übergelagerten Geschehen und Wirken in die Welt.
Die Mythologie projiziert die inneren Bilder in Formen der Außenwelt, etwa Göttergestalten.
Der Sinn des Seins muss Entstehung, Zustand und Entwicklungsziel allen Daseins lückenlos und widerspruchsfrei erklären und die wesentlichen Daseinsfragen beantworten:

-Wo kommen die Wesen her, wo gehen sie hin?
-Wozu Geburt und Tod?
-Wie erklären sich die Unterschiede zwischen den Menschen?
-Was ist Triebkraft allen Geschehens (das erste Bewegende)?
-Was ist Zufall bzw. gibt es Zufall?

So ist der Mensch fragend und erlebend hineingestellt in diesen Raum der Körper und Ereignisse, verknüpft in Freud und Leid, handelnd und erleidend zugleich.
Oder in den Worten von Blaise Pascal: „…Was ist der Mensch in der Natur? Ein Nichts im Hinblick auf das Unendliche, ein All im Hinblick auf das Nichts, eine Mitte zwischen dem Nichts und dem All, unendlich weit davon entfernt die Extreme zu begreifen …“
Gegenübergestellt dem unermesslichen Raum, der ihn fragend herausfordert, einer Raumesgröße an der er nur verzweifeln kann in seiner scheinbar nichtigen, verschwindenden körperlichen Kleinheit.
Vergänglich und nichtig scheint all sein Tun, sich verlierend im Nichts – Wie groß wäre dieser Verzweiflungsschmerz stünde man einem völlig leeren, echolosen Raume gegenüber, der alle Fragen verschluckt nie antwortend zurückwirft einen Laut.
Verbunden mit dem Geschehen ist der Mensch jedoch über seine Gedanken, Taten und Gefühle.
Im Tun, im bewussten Handeln kann ich in diesem Raum wirken, in Gedanken ihn zu erfassen, seinen Sinn zu ergründen suchen und im Fühlen ihn wesenhaft wahrnehmen, die dünnen Sinnfäden erfühlend, die doch alles verbinden müssen…
Denn ein Raum ohne Sinn ist ein leerer Raum, kalt, dunkel, bedrohlich, in dem ich mich in Nichtigkeit verlieren muss.

Und hier beginnen die Fragen:
"Du meinst, es solle mich nicht bekümmern, was der Anfang des Weltalls, wer der Schöpfer aller Dinge sei? woher ich selbst gekommen bin? ob ich diese Welt nur einmal erlebe oder öfter geboren werde? wohin ich von hier gehe? was meine Seele erwartet, wenn sie die Erde verlässt? Du meinst mir verbieten zu müssen, im Himmel heimisch zu sein?" (Seneca)

Denn nicht ist es so, dass der Mensch einsam und verloren in dieser großen Welt steht, stehen kann, losgelöst von all dem Geschehen um ihn herum. Vielmehr ist er fest und sinnhaft eingebunden in dieses so unermesslich große und großartige Gewebe des Alls.
Und Kraft dieses Eingebundenseins erkennt er die wirkenden Muster hinter allem Geschehen, die ihn Teil werden lassen am Ganzen und diese mannigfaltige Vielheit der Formen reduziert sich ihm auf die wenigen Grundmuster, die alles durchwirken, sich in all die vielen Formen kleiden.
Er erkennt die Buchstaben des Textes, aus denen sich die Worte formen, lernt zu lesen im Buche der Natur, des Lebens, des Seins.
Es ist das schöpferische Wort, dass in allem wirkt, dass alles in die Erscheinung rief, verbindend die Worte zu einem Text, einer sich entwickelnden Handlung hin zu einem Ziele, ausgehend von einem Ursprung und dieser Ursprung ist das Ziel und das Ziel ist der Ursprung und der Weg ist die Erfahrung, das im Leid sich formende Höhere – der unreine, dunkle schwere Erdklumpen, der vom Schicksal geformt wird, das unedle Metall, das zu Gold transformiert wird, die Materie, die vergeistigt wird.
Die Religion ist die Verbindung zu diesem sinnlich nicht wahrnehmbaren, jedoch empfundenen Urgrund des Seins, die Alchimie beschreibt den Weg, die Mythologie kleidet die wirkenden Muster und Kräfte in greifbare Figuren.
Symbole sind die Brücke vom Diesseits des Körperlichen zum Jenseits der zugrundeliegenden Ideen, Gedankenbilder, Gedankenmuster, die einem Willen entsprungen sich manifestierten, Formenkleider annehmend und diese ständig wechselnd.
Verbannt ist jeder Zufall aus diesem Sinnbild, muss es sein, würde er doch den Sinn negieren in seinem Wirken aus dem Dunkel des Unerklärlichen, Willkürlichen. Letztlich kann mir nur zu-fallen, wofür ich reif bin, was mir entspricht und so wird auch der vermeintliche „Zufall“ eingewoben in das Sinngeschehen.
Tod und Leben sind die Pole zwischen denen das Dasein schwingt – jener kein Ende und dieser kein Anfang, Übergänge sind es auf dem Weg von unten nach oben.
Verworrenheit durch wahrgenommene äußere Vielheit wird Sinn durch innere Einsicht in die Einheit allen Seins.
Entreiße dich, o Mensch, dem wirren Formenspiel der Sinnenwelt, erschließe dir den Sinn, der alles fest zusammenhält!
Der Weg, der zur Seinserkenntnis führt, so lehren die Mystiker ist die innere Schau, ein Vordringen zum Urgrund des Seins, zur inneren Schatzkammer, die alle Erkenntnis und Weisheit birgt, zur Wahrheit.
Doch es gibt noch einen anderen Weg. Die Verknüpfung des Menschen mit dem kosmischen Geschehen, das Bindeglied, die Brücke zwischen Makrokosmos (All) und Mikrokosmos (Mensch) führt über das Symbol und die Zahl. Somit wird und ist alles Geschehen gleichnishaft für die in ihm wirkenden Kräfte und zugrunde liegenden Urbilder des Seins.

Alle äußeren Vorgänge im Weltall, im Kleinen sowohl als im Großen, als auch im äußeren Leben des Menschen sind nur Gleichnisse und Abbilder von Vorgängen im Reiche des Geistes, im Reiche des Ewigen. Vom vergänglichen Standpunkt aus betrachtet, erscheint die phänomenale Welt als Tatsache, deren Vorgänge der Mensch zur Beschreibung geistiger Dinge symbolisch benützt.
Aber vom Standpunkte des Wirklichen, des Ewigen aus betrachtet, erkennen wir, dass das Reich der Ideen die Wirklichkeit, der Grund und das Erste und Ursprüngliche ist, und die sichtbare Welt nur die symbolische Wiedergabe derselben. Und so ist die Sprache in Symbolen die wirkliche Sprache, die Geistessprache, die Sprache, von Gott eingesetzt.
“ (Gustav Schwab)

Die Zahl beschreibt das Gesetz der Manifestation und seine Rhythmik, die Aufspaltung des Einen in die Vielheit der Erscheinungsformen.
Über Zahl und Symbol sind verknüpft im Horoskop Mikrokosmos und Makrokosmos, Mensch und All. Hier erkennt der Mensch seine Stellung, seine Rolle im Gesamtgeschehen, seine innere Konstitution und Lebensaufgabe.
Symbol und Anzahl der Tierkreiszeichen, der Planeten, die Gliederung in die vier Zeichenkategorien, die drei Grundkräfte der Natur (Tamas, Rajas, Sattva) wirken und weben in ihrer jeweils einmaligen Konstellation und Kombination dieses Gewebe, dieses formprägende und Schicksal tragende Urbild für jeden Menschen.
Und genau dieser „andere Weg“ soll hier ergründet und durchleuchtet werden, nachvollziehbar werden.
Die erste Frage, die ergründet werden soll ist die Frage nach dem „Woher“.
Dies ist der Ausgangspunkt, der allem Sinn gibt und von dem aus sich alles erschließt und in Formen entfaltet.
Man muss sich darüber im Klaren sein, dass es nicht möglich ist alles mit Einemmale zu erfassen. Jeder wird hier andere Zugangswege finden und gehen müssen. Aus diesem Grunde versuche ich die zugrundeliegenden Gedankengänge von verschiedenen Seiten zu beleuchten, verschiedene Autoren zu Wort kommen zu lassen. Eine gewisse begriffliche Vielfalt für die gleichen Dinge lässt sich nicht vermeiden, ist aber einem Verständnis doch letztlich förderlich.

Der Anfang der Welt - die Weltoffenbarung

Der Anfang der Welt aus esoterischer Sicht
Der Anfang ist die Offenbarung der Welt, ihre Selbstoffenbarung als im „Weltbewusstsein selbst aufleuchtende Tatsache seiner Existenz“ (Oskar Adler)
Die Frage nach dem „Vorher“ wird bei dieser Betrachtung sinnlos, da „Zeit“ erst im Augenblick der Offenbarung entsteht!
Das nicht-geoffenbarte Sein (das Unoffenbarte) liegt also jenseits der Zeit, liegt in der Ewigkeit - im Sinne der Zeitlosigkeit verstanden.
Erst durch den Offenbarungsakt offenbart sich die Ewigkeit in den Gewändern von Welt und Zeit.
„Offenbarung der Welt“ heißt: „dass diese sich selbst zum Gegenstand des Erlebens wird. Dies ist jedoch nur durch ein ‚Sich-selbst-Gegenübertreten‘ möglich, womit ein Zerfall in Subjekt und Objekt gegeben ist, deren Identität sich im Akt des Selbsterlebens stets aufs Neue herstellt.“ (Oskar Adler)
Das Unoffenbarte tritt sich im Akte der Schöpfung selbst gegenüber, um sich in dieser Spaltung in Subjekt und Objekt, Erkenner und Erkennendes selbst zu erkennen.
Es hat keinen Ursprung im zeitlichen Sinn, da es das Zeitlose, das Ewige ist. Ebenso wie im Zeitlosen ist es im Raumlosen und ist zugleich nicht. Zeit entsteht erst im Moment der Offenbarung, ebenso wie Raum.
Wesentlich ist der Vorgang der Selbsterkenntnis als ein Vermitteln, ein Abgleichen zwischen Erkenner und Erkanntem. Im Unoffenbarten sind Erkenner, Erkennen und Erkanntes eins, im Offenbarten sind sie getrennt, da nur in der Spaltung Erkenntnis möglich ist und erst in der Ent-spaltung wieder die Einheitssicht entstehen kann.
Im Zuge der Offenbarung müssen Kräfte entstehen, sich offenbaren und entfalten, die im Geschehen gestaltend wirken können um dadurch Entwicklung oder Erkenntnis erst herbeizuführen.
Es muss einen Impuls geben, der formbildend auf etwas einwirkt und dadurch einen Entwicklungsvorgang hin zu einem höheren Ziele anstösst, ja erst möglich macht.
Diese Ziel ist ein Plan, der allem innewohnt, von innen die Entwicklung jedes und allen Offenbarten steuert und in Form von drei Grundkräften in der Natur wirkend tätig ist.
Die drei Grundkräfte der Natur (Gunas)
Nach der indischen Offenbarungslehre wirken in der Natur (als offenbartes Sein) die drei Urkräfte oder Gunas (die „drei Grundkräfte der Natur“, wie sie in der Bhagavad Gita heißen):
Rajas, Tamas und Sattva.
Rajas
ist die aktive, positive, männliche nach Offenbarung strebende Kraft.
Tamas ist der Bestand, das Gewordene, die passive, weibliche, aufnehmende, negative Kraft.
Sattva ist die ausgleichende Schwingung zwischen Rajas und Sattva, das Erkennen, mit dem
Bestreben die Trennung wieder in die Einheit zurückzuführen. Man findet diese Kräfte in jedweder Naturerscheinung.

Die drei Gunas

Positive Polarität
Rajas
Kraft ausstrahlend, entäußernd
das aktive, positive Prinzip, die Begierde und Leidenschaft, das Strebende, das Feuer, die Kraft
Negative Polarität
Tamas
Kraft empfangend, aufspeichernd
das passive, negative Prinzip, das Prinzip der Untätigkeit, Unwissenheit, Dunkelheit, das Zusammenziehende, das materielle Prinzip in der ganzen Natur, das sich uns äußerlich, als das, was man ‚Stoff‘ nennt, darstellt
Neutrale Polarität
Sattva
Ausgleichend, Kraft verwendend zur Integration
Das ausgleichende Prinzip, die Schwingung, das Gute, das Ruhende, das Lichtvolle, Freudige, das Genießende

Beispiele

Die Eigenschaft einer jeden Handlung wird durch ihren Beweggrund bestimmt; eine Handlung kann entweder aus Unwissenheit (Tamas) oder aus Begierde (Rajas), oder aus der Erkenntnis des Guten (Sattva) entspringen, oder es können zwei oder auch alle drei Gründe zusammenwirken, und da jedes Ding das Wesen dessen in sich trägt, aus dem es geboren ist, so sind auch äußerlich gleiche Handlungen doch innerlich oft sehr voneinander verschieden.

Nach der Lehre der Bhagavad Gita:

Sattva, Rajas und Tamas sind die drei Gunas, welche aus Prakriti (Natur) und durch welche Purusha (Geist) and die Körper gebunden wird. Von diesen bindet Sattva durch den Genuss, Rajas durch die Begierde und Tamas durch die Torheit, welche die Erkenntnis des Wahren verhüllt.

Diese Lehre von den drei Gunas „ist von großer Wichtigkeit, denn nach ihr kann jeder für sich selbst beurteilen, aus was für einem Beweggrund seine Handlungen entspringen und welchen Wert sie haben.

Der Dumme handelt aus Dummheit, der Begehrliche aus Begierde, der Genussliebende aus Liebe zum Genuss. Der eine gehorcht aus Furcht vor Strafe (Tamas), ein anderer aus Begierde nach Belohnung (Rajas); der Dritte weil es ihm Freude macht (Sattva); aber der Weise ist über diese drei Eigenschaften erhaben; er fürchtet keine Strafe, hofft auf keinen Lohn, will sich nicht belustigen, sondern erfüllt seine Pflicht, weil sie erfüllt werden muss; er beachtet dabei nirgends sich selbst. Wer völlig selbstlos handelt, den trifft keine Schuld (Karma), weil sein ‚Selbst‘ keinen Teil an der Handlung hat.

Wenn aber in unseren Handlungen Sattva vorherrschend ist, so ist sie vollkommener, als wenn sie aus Tamas oder Rajas entspringt. Das Bewusstsein erfüllter Pflicht bringt Freude und Ruhe mit sich und dann ist zur wahren Erkenntnis nur noch ein Schritt. Aus der Dummheit entspringt der Irrtum, aus der Habsucht das Leiden, aus dem Genuss die Erfahrung. Wer das Hohe genießt, wird von ihm erhoben; die Begierde hält den Menschen gefangen, das Verharren in Unwissenheit zieht in hinab. Der Weise, der zur Erkenntnis seines wahren Selbsts gekommen ist, sieht, dass diese drei Natureigenschaften nicht ihm, sondern nur seiner Natur (Persönlichkeit) angehören; er steht über dieser und ist von derselben frei.

Wer in die Kirche geht, ohne zu wissen, warum der handelt aus Tamas; wer dadurch einen Vorteil erlangen will, der handelt aus Rajas, wer seine religiösen Pflichten freudig erfüllt, der handelt aus Sattva…

Dasselbe gilt von der Entsagung. Der Dumme wirft seinen Reichtum weg, weil er den Wert desselben nicht kennt. Der Begehrliche sucht durch das Aufgeben von etwas, das er als minderwertig betrachtet, etwas Besseres zu erlangen, der Kluge freut sich des Genusses, den ihm die richtige Verwendung seiner Schätze bringt; aber der Weise bedarf keiner Entsagung mehr, weil er an nichts mehr gebunden ist. Er beurteilt die Dinge nach ihrem wirklichen Wert. Er ist wie ein erwachsener Mensch, der das Steckenpferd, das er als Kind geritten hat, den Kindern überlässt. Es hat für ihn keine Anziehung mehr. …
“ (Franz Hartmann, Mysterien)

Symbole und Zahlenwerte der vier Offenbarungsstufe

Den Stufen der Offenbarung sind in der Astrologie (nach Oskar Adler) bestimmte Symbole und Zahlenwerte zugeordnet. Auch diese sind verknüpft mit den Urkräften und bilden in ihrer Kombination die Wirkkräfte der Planeten in symbolischer Form ab, wie später gezeigt werden wird.

Es geht in dieser Offenbarung, wenn es auch eine Stufenfolge gibt, weniger um ein zeitliches Nacheinander, sondern um den „spontanen Akt der Schöpfung“ in einem Augenblick.
Die Schöpfungsphasen 0-1-2-3 hat man sich in einem Augenblick zu denken, nicht eine nach der anderen erfolgend.
Raum und Zeit entstehen erst im Materiellen, der Offenbarung. Die Selbsterkenntnis (3) geschieht in der Zeit, der Entwicklungslinie der Höherentwicklung zurück oder hin zur Einheit.

Somit ist das Grundgesetz der Manifestation die „Dreifaltigkeit“.
1 = Ur-sein (Vater)
2 = In sich gespiegeltes Sein (Mutter)
3 = Rückbeziehung von 2 auf 1 – Identität (Kind, Sohn)

Weltoffenbarung aus Sicht des Taoismus (nach KOS)

Diesen Gedankengang jedoch in anderem Gewand findet man ebenso im Tao te king (Laotse).

Aus Tao floss das Eine.
Aus dem Einen floss die Zwei.
Aus der Zwei floss die Drei.
Und aus der Drei entsprangen alle Dinge.
Alle Dinge haben ihren Rückhalt im Nichtoffenbaren und ihre Erscheinung im Offenbaren.
Dasjenige, was sie einheitlich macht, ist der geistige Atem..."
(Tao te king, XLII)


Was hier beschrieben wird, ist die Weltoffenbarung, die kosmische Evolutionslehre.
Ausgangspunkt ist Tao, die Null, der Urgrund, das Nichts, das Absolute.
Durch den schöpferischen Willen offenbart sich das Unoffenbarte zum Einen.
Aus dem Einen (Vater) fließt der Sohn (das Wort, die Vorstellung).
Aus dieser Zweiheit (Vater und Sohn, Wille und Vorstellung) fließt der Geist, dessen Offenbarung die ganze Schöpfung mit ihren unzähligen Formen und Erscheinungen ist.
Aus Tao, dem Absoluten, der Weltengottheit, dem Nichts als überseienden Nicht-Sein, der Null als der kleinsten Zahl, ging der Eine hervor: Gott, der schöpferische Wille, der Vater.
„Aus dem einen floss die Zwei“: der Sohn, der zugleich der Gottfunke, das innere Licht in jedem Wesen ist
„Aus der Zwei floss die Drei“: der Geist, dessen Offenbarung die sichtbare Schöpfung ist – die Vielzahl der Welten und Wesen, die ihrer äußeren Erscheinung nach nur das flüchtige Dasein von Traumgebilden haben, ihrem inneren Sein nach aber der Träger göttlichen Wesens sind, aus dem sie kommen und mit dem sie im Innersten Wesen eins sind – auch wenn sie es nicht wissen …

Kosmologie der Taoisten (nach Franz Hartmann)

Aus Tao, dem Urlicht, ward der Eine: der Schöpfer der Welten. Er zeugte die Zwei:
Yang (den Himmel, die Sonne, das Erleuchtete, Gestaltende, Schaffende, Männliche) und
Yin (die Erde, das Dunkle, Ungestaltete, Empfangende, Weibliche).
Aus der Zwei floss die Drei“: Khi (Seele, Lebensgeist, Prana, Hauch, Atem) – der Mittler zwischen Geist und Materie
Aus der Dreifalt entsprang die Vielfalt der Wesen, deren jedes wiederrum Träger dieser Dreifalt ist: außen ist es Leben, Atem, Bewegung; innen ist es Seele, Geist; und im Innersten: das unbewegte Absolute, das ruhende Sein selbst.
Jegliches Geschöpf ist außen Erde und wird wieder zu Erde. Innen ist es Sonne, Licht. Im Erwachen der Seele werden beide eins, mit dem Ursprung und Urlicht geeint.

Rückert fasst diesen Zusammenhang in folgende Verse:

Wohl der Gedanke bringt die ganze Welt hervor;
Der, welchen Gott gedacht, nicht den du denkst, o Tor.
Du denkst sie, ohne dass daraus entsteht die Welt,
Und ohne dass, wenn du sie wegdenkst, sie wegfällt.
Aus Geist entstand die Welt und gehet auf in Geist,
Geist ist der Grund, aus dem, in den zurück sie kreist.
Der Geist, ein Ätherduft, hat sich in sich gedichtet,
Und Sternennebel hat zu Sonnen sich gelichtet.
Der Nebel hat in Luft und Wasser sich zersetzt,
Und Schlamm ward Erd‘ und Stein, und Pflanz‘ und Tier zuletzt,
Und menschliche Gestalt, in der der Menschengeist
Durch Gottes Hauch erwacht, und Ihn der Urgeist preist.

(Rückert, „Sinngedichte“)

Im Offenbarten unterscheiden wir drei Faktoren.
Das Subjekt, welches bewusst ist, das Objekt, dessen das Subjekt sich bewusst ist und die Kraft des Bewusstseins (Erkenner, Erkanntes und Erkennen).
Hinter dem offenbarten Bewusstsein aber steht noch immer das unendliche, nichtoffenbarte (absolute) Bewusstsein, welches die unerschöpfliche Quelle, des im Empfänger offenbarten Bewusstseins ist.

Tabellarische Übersicht

Zur Bedeutung der Zahlen

Symbol und Zahl sind auf das Engste miteinander verknüpft und für diese Zahlen gilt das Motto
„Weniger ist mehr!“, denn „je kleiner die Zahl, desto näher der Null, dem Absoluten. Je näher dem Innen, desto näher der Eins, dem Einssein und – darüber hinaus – der Null, dem „Nichts“ des überseienden Nicht-Seins, dem Tao.

Denn nur wenn das Ich schwindet, kann das Selbst wachsen; und nur wenn das Selbst entwird, kann es im Allselbst auferstehen.
Das ist die Involution des Kosmischen Bewusstseins, die der Evolution des kosmischen Werdens folgen muss.
Darum: je weniger Schein, desto mehr Sein. Je weniger Außen, desto mehr Innen. Je weniger Vielheit, desto mehr Einheit mit dem Einen …“

Die Pythagoräer sagten: Die Zahl „Eins“, Gott, steigert sich zu immer höherer Potenzierung empor. Er ist jetzt vielleicht 163, aber er will 164 werden. Immer aber bleibt er derselbe,
denn alle Potenzen von Eins sind Eins: So ruht das Werdende im ewigen Sein.
“ (Johannes Vehlow)

Das Unoffenbarte ist das „En soph“ der Kabbalah, das „Apeiron“ des Anaximander, das „Parabrahman“ der Inder. Die offenbarte Welt ist der Spiegel des Unoffenbarten, in dem dieses sich selbst erkennt.
Das Unoffenbarte lässt auch sich selbst sein Abbild hervorgehen und kleidet sich in die Formenvielfalt des Vergänglichen.
Erst durch Vergleich dieser beiden Hälften, den Blick in den Spiegel ist Selbsterkenntnis möglich – nicht solange die beiden Hälften, Erkenner und zu Erkennendes, vereint sind.
Immer bedingt das Eine das Andere, das Offenbarte bedingt das Unoffenbarte – es gibt keine offenbarte Dunkelheit ohne unoffenbartes Licht, kein Reden ohne Schweigen. Solange ich rede, schweige ich nicht und solange ich schweige, rede ich nicht – nicht kann ich beides zugleich Tun oder Nicht-Tun.
Erst das schöpferische Wort erweckt die schlafende, unoffenbarte Welt zur offenbarten Welt.
Diese sich im Spiegelbild zeigende Wandelwelt hat keinen Bestand und ist, so man ihr verfällt, sie für das allein Seiende hält „Maja“ – die Welt der Täuschung und des Leidens.
Gott, das unoffenbarte Eine ist nicht getrennt, ist die unteilbare Einheit, der Urgrund allen Seins: Urgrund, Uridee, Ursein– alles bewegend und durchdringend und doch selbst in völliger Ruhe.

Das Universum selbst ist nichts als ein göttlicher Gedanke, den ganzen Plan des Alls enthaltend.

Nicht ist das Sein zuerst und wird nachher gedacht,
viel mehr vom Denken erst wird Sein hervorgebracht.
Des Denkens Vorrang vor dem Sein ist darin kund.
Des Schöpfers Denken ist der Schöpfung innerer Grund.
Gott denkt sich selbst und ist;
er denkt, so ist die Welt
und sein Gedank ist das, was sie im Sein erhält.

Ich finde dich, wo ich, o Höchster, hin mich wende;
am Anfang find' ich dich und finde dich am Ende.
Dem Anfang geh' ich nach, in dir gebiert er sich;
dem Abschluß späh ich nach, in dir verliert er sich.
Du bist der Anfang, der sich aus sich selbst vollendet;
das Ende, das zurück sich in den Anfang wendet.
Und in der Mitte bist du selber das, was ist und ich bin ich,
weil du in mir die Mitte bist.

Du Gott bist und du bist auch nicht.
Du bist, weil durch dich ist, was ist;
und bist nicht, weil du das, was nicht ist, bist.
Du bist das Seiende und das Nichtseiende,
Seingebende und von dem Sein Befreiende...
Das Rätsel staun' ich an und will es lösen nicht,
weil sich die Lösung in mein eignes Sein verflicht
.“
(Rückert, Worte des Brahmanen)

Die vier Entwicklungsstufen des Manifestierten

Im Stein schläft Gott,
in der Pflanze träumt Gott,
im Tier wacht Gott auf,
im Menschen lebt Gott.

Die drei Kräfte Rajas, Tamas und Sattva brauchen zu ihrer Wirkung im Manifestierten ein „Betätigungsfeld“ – das ist die materielle Welt und deren Unterteilung in vier aufeinander aufbauende Entwicklungsstufen: dem Mineralreich, dem Pflanzenreich, dem Tierreich und dem Menschenreich.
Ziel ist die Rückführung des Manifestierten in die Einheit auf dem Wege der Selbsterkenntnis.
Der Weg der Höherentwicklung des Manifestierten erfolgt in vier Stufen, zum einen was die äußeren Formen betrifft, zum anderen betreffend die innere Entwicklung im Menschen.
Alchimistisch gesehen sind diese vier Entwicklungsstufen repräsentiert durch die vier Elemente:
Erde, Wasser, Feuer und Luft – zugeordnet je einem der vier Reiche und einem der vier Entwicklungsstufen des Menschen (Körper, Gefühl, Verstand, Wille).

Erde Das Mineralreich. Der Körper.
Das Körperliche und die wirkenden Form- und Naturgesetze.
Stein, Pflanze, Tier und Mensch haben einen physischen Körper und unterliegen diesen Gesetzen.
Wasser Das Pflanzenreich. Die Seele.
Pflanze, Tier und Mensch haben eine Seele, einen Gefühlskörper, ein Gefühls- und Triebleben:
• in der Pflanze als Trieb und Wachstum,
• im Tierreich als Leidenschaftsleben,
• im Menschen seine Wünsche und Begierden, Liebe und Hass
Luft Das Tierreich. Der Mentalkörper.
Mensch und Tier haben einen Mentalkörper.
Die freie Beweglichkeit der Verstandestätigkeit:
• im Tier als Verstandesinstinkt (geleitet von Motiven, die aus den Erinnerungsbildern des Lust- und Unlustverbundenen bestehen),
• im Menschen die Gedanken, sein geistiges Leben, seine Erkenntniskraft
Feuer Nur der Mensch hat diesen Willen als ihm innewohnende moralische Instanz.

Der Mensch ist verbunden mit dem All über seinen Körper, die Lebensfunktion, die Zahl und sein Schicksal. Lenkende und richtungsgebende Kraft ist die Höherentwicklung alles Lebendigen.
Der Weg des Lebens führt durch die vier Reiche: Mineralreich, Pflanzenreich, Tierreich und das Menschenreich, in dem die Wesen bewusst auf ihr Ziel hinarbeiten müssen: die Wiederverbindung mit der Einheit, von der sie abgefallen sind.
Der Mensch ist das Bindeglied, der Katalysator für die Höherentwicklung des Niederen zum Höheren.

Polaritäten

Aus dem Einen, dem Unoffenbarten ist die Welt entsprungen und in dieses fließt sie wieder ein. Das Ur-Eine hat sich zur Erkenntnis seiner Selbst in sich einen Spiegel geschaffen, sich dadurch aufspaltend in Subjekt und Objekt.
Das Objekt, die materialisierte Außenwelt, ist der Spiegel, in dem sich das Subjekt, das innere Selbst betrachtet und erkennt.
Dieses Erkennen erfolgt nicht spontan, sondern unterliegt den Gesetzen von Raum und Zeit. Der Raum muss von jedem Wesen in der Zeit erkennend durchwandert werden. Das ist der Entwicklungsweg.
Diese Spaltung in Subjekt und Objekt ist die Polarität, in der sich die materielle Welt offenbart als Licht/Schatten, groß/klein, lang/kurz, männlich/weiblich.
Die Polarität hat zwei grundlegende Urkräfte: die männlich-aktive mit ihrem Verwirklichungsdrang und die weiblich-rezeptive mit ihrer Aufnahmebereitschaft des Verwirklichungsdranges.
Männliches und weibliches bedingen sich gegenseitig. Ihr Wechselwirken erst gestaltet, formt die Dinge, macht sie stofflich.
Bezogen auf die Höherentwicklung als Grundrichtung des Weges aller Wesen ergibt sich, dass jede nächst höhere Stufe als männlich, impulsgebend zu betrachten ist, die ihren Verwirklichungsdrang der darunter liegenden aufnehmenden, weiblichen Stufe „einprägt“ und ihren Verwirklichungsdrang dadurch verstofflicht.
Beim nächst höheren Entwicklungsschritt wird die vormals männliche, impulsgebende Stufe zur weiblichen, stofflich gestaltenden Stufe.
Tamas empfängt den Verwirklichungsimpuls von Rajas. Rajas wird in Tamas zur Form.

Auf den Gesamtkreis des Horoskops bezogen ergeben sich folgende relativen „Polaritäten“
(männlich +, weiblich -):

Das höchst stehende Prinzip, der eigentliche Urimpulsgeber, der Wille hat die höchste positive Polarität, abnehmend bis hin zur Erde, der absolut negativen Polarität.
Anders formuliert:
Der rein geistige, nach Verwirklichung strebende Wille, symbolisiert durch das Feuer ist das „absolut Männliche“.( + + + +)

Das in der Materie erstarrte, das rein Körperliche, symbolisiert durch die Erde ist das „absolut Weibliche“.( - - - - )
Es gilt: Je geistiger, desto männlicher; je körperlicher, desto weiblicher.
Die vier Elemente (Erde, Wasser, Luft, Feuer) sind jedoch nicht als elementar zu verstehen. Sie setzen sich aus polaren Paaren der sogenannten Urqualitäten (warm, trocken, feucht, kalt) zusammen.

männlich-aktiv + warm, aktiv
- trocken, passiv
weiblich-passiv + feucht, aktiv
- kalt, passiv

Das alchimistische Schema

Den Gesamtzusammenhang zwischen Elementen und Urqualitäten zeigt das „alchimistische Schema“.

Ergänzungshälften

Das Göttliche ist das Ur-Eine, das allem innewohnende Leben, die schöpferische Kraft, die alle Dinge schafft und durchwirkt.
Allem Manifestierten liegt das Streben nach Wiedervereinigung mit seinem unoffenbarten Gegenstück zugrunde (siehe Wechselspiel von Rajas, Tamas und Sattva). Alles strebt zurück zur Einheit.
Dieses unoffenbarte Gegenstück ist nun nicht in der Außenwelt, im Körperlichen zu suchen, so wie ein passendes Puzzleteil - es liegt im Unbewussten und muss durch Bewusstwerdung „erlöst“ werden. Nur durch steigende, geweitete Bewusstheit ist diese Vereinigung zu erreichen.

Urschwingung und Materialisation

Das Leben, der schöpferische Impuls manifestiert sich in Form einer Schwingung. Vom Seinsgrund aus verringert sich die Schwingungsfrequenz, der Grad des Bewusstseins zunehmend und graduell bis zu ihrem äußeren Endzustand, der unbewussten Materie.
Das göttliche Urlicht „strahlt sich … in die materiellen Formen aus, um diese zu beleben und lebendig zu machen“ (E. Haich), wirkt also in jeder manifestierten Form.
Folglich ist jede Form ein Erkenntnispunkt, durch den man zum Wesen, zum Einen vordringen kann.
Ich kann Gott in einem Grashalm finden.
Die in ihrem Ursprung hochgeistigen Schwingungen werden mit abnehmender Frequenz materieller, fester, körperlicher und dichter.

Es gilt: Je höher die Schwingungsfrequenz, desto höher der Grad der Vergeistigung Je geringer die Schwingungsfrequenz, desto höher der Materialisationsgrad. Materie ist der maximale Grad der Verdichtung und der minimale Grad an Vergeistigung. Der reine Geist (Gott) hat eine unendlich hohe Schwingungsfrequenz

Die vier Offenbarungsstufen

Die Materie als äußerster Grad der Verdichtung stellt dem Streben zurück einen Widerstand entgegen, ohne den sie sich augenblicklich auflösen, in die Einheit zurückfallen, würde.
Aber eben dieser Widerstand, wie die elektrische Spannung zwischen zwei Kondensatorplatten, kann erst den Funken entstehen lassen, den lebendigen Seelenfunken, den Impulsgeber des Strebens zurück in die verlorene Einheit.
Nach ihrem Grade der Bewusstheit, ihrer „Schwingungsoktave“ ergeben sich zunächst die vier Offenbarungsstufen der materiellen Welt: Mineral, Pflanze, Tier und Mensch (aus alchimistischer Sicht „Die vier Entwicklungsstufen“, siehe oben).
Mineral, Pflanze und Tier entsprechen jeweils einer Schwingungsoktave, zusammen also drei.
Jede höhere Stufe trägt die ihr vorhergehenden in sich. Doch nur der Mensch trägt den Funken zu Erkenntnis, zur bewussten Rückkehr in die Einheit.
Die menschliche Entwicklung umfasst vier Schwingungsoktaven oder Entwicklungsstufen: Durchschnittsmensch, Genie, Prophet und Gottmensch.
Zusammen mit den vorhergehenden drei Schwingungsoktaven ergeben sich für die vier Offenbarungsstufen der materiellen Welt somit sieben Schwingungsoktaven, die folgendermaßen charakterisiert sind (nach E. Haich, „Einweihung“):

An dieser Stufenfolge der Entwicklung wird auch klar, dass jedes Wesen einen Entwicklungsweg zurücklegen muss - angefangen bei der untersten Stufe, dem Mineral, hinführend zur höchsten Stufe, dem Gottmenschen.
Jeder, der jetzt als „Durchschnittsmensch“ lebt, war also einmal Stein, Pflanze und Tier (trägt in sich deren Eigenschaften) und sein Weg führt weiter – das ist der eigentliche Grundgedanke und Sinngehalt der Lehre der Wiederverkörperung, der Reinkarnation und die Treibkraft der Evolution als Höherentwicklung des Lebendigen.

Auf das Horoskop bezogen

Die vier Reiche und ihre Wiederspiegelung im Horoskop (nach Oskar Adler)

Die Abfolge dieser vier Elemente nach alchimistischer Ansicht ist:
Feuer, Erde, Luft, Wasser
Die Alchimie sieht Rangordnungen des Stoffes und dessen Höherentwicklung, die „Verwandlung des Stoffes“.
Der Stoff hat je nach Entwicklungshöhe (Materie, Pflanze, Tier, Mensch) ein bestimmtes „Parfüm“, wie Oskar Adler es nennt, eine Qualität seiner Entwicklungsstufe. So ist alchimistisch betrachtet ein Atom, das Teil eines Pflanzen- oder Tierwesens war, anders „geprägt“ als jenes, dass Teil eines Steines war.
Wirksam im Stoff ist „die Hubkraft von alchimistischen Energien“, ein Assimilieren, ein Angleichen und Ähnlichmachen „niedriger organisierten Stoffes an den eigenen“.
Die vier Elemente repräsentieren „vier Zustände des Seins“ oder „vier Aggregatzustände der Materie“ als „Dichtigkeitsgrade des Weltenstoffes“, wie folgt:
Erde = fester Zustand
Wasser = flüssiger Zustand
Luft =gasiger Zustand
Feuer = ätherischer Zustand

Esoterisch sind diese vier Zustände das in uns vorhandene Erbgut der niederen Entwicklungsstufen als Teil der bisherigen menschlichen Entwicklung.
Erde = Erbgut des Mineralischen
Wasser = Erbgut des Pflanzlichen
Luft = Erbgut des Tierischen
Feuer = der Gottembryo Mensch

Symbolisch gesehen:
Erde = der feste, lebendige Körper
Wasser = das Gefühls- und Triebleben, weniger fest konturiert als das Körperliche
Luft = freie Beweglichkeit der Verstandestätigkeit
Feuer = Kraft des Willens

Das Rätsel der Sphinx

Was im Menschen im Laufe seiner Entwicklung durch die vier Reiche stattgefunden hat, ist nichts anderes als ein „alchimistischer Assimilationsvorgang“.
Die Aufgabe ist es „Mineralisches, Pflanzliches und Tierisches zu vermenschlichen … mit dem Siegel des Menschen, dem Feuersiegel zu versehen“ oder das Rätsel der Sphinx zu lösen.
Die Sphinx ist der wesenhaft dargestellte „symbolische Extrakt der vier Elemente des Tierkreises“
Ihr Leib = die Erde (Stier oder Bär)
Ihre Flügel = das Wasser (Skorpion oder Adler)
Ihre Krallen = das Feuer (Löwe)
Ihr Haupt = die Luft (Wassermann, Mensch)
Ausgedrückt in diesem Bild ist die „Forderung der Überwindung der tierischen Natur des Menschen… durch Weitertragen des seiner Stufe eingepflanzten Feuerelements in die niedrigeren Erbelemente seiner Wesenheit.“

Auch hier geht es um die oben erwähnten Entwicklungsstufen, nur anders dargestellt. fEs gibt hier zwei Deutungsebenen: eine äußere Deutung und den inneren, esoterischen Sinn.

Überleitung zur Astrologie

Im Horoskopbild findet sich schließlich die Synthese bzw. die Zuordnung zwischen den drei Urkräften (Rajas, Tamas, Sattva) den vier Elementen (Erde, Wasser, Luft, Feuer) und den 12 Tierkreiszeichen (3 x 4 = 12) und der alchimistische Entwicklungsweg, dem diese unterliegen.

Im Horoskopbild findet sich schließlich die Synthese bzw. die Zuordnung zwischen den drei Urkräften (Rajas, Tamas, Sattva) den vier Elementen (Erde, Wasser, Luft, Feuer) und den 12 Tierkreiszeichen (3 x 4 = 12) und der alchimistische Entwicklungsweg, dem diese unterliegen.

Je drei Zeichen sind einem Element zugeordnet, wobei jedes Zeichen Ausdruck einer Urkraft ist!
So steht das Zeichen Widder im Element „Feuer“ und ist Ausdruck von „Rajas“.
Dieses Prinzip gilt für alle Tierkreiszeichen, so dass sich geometrisch vier Elementdreiecke ergeben.

Die vier Dreiecke

Das Feuerdreieck mit den drei Feuerzeichen: Widder(R), Löwe(T), Schütze (S)
Das Erddreieck mit den drei Erdzeichen: Steinbock(R), Stier(T), Jungfrau(S)
Das Wasserdreieck mit den drei Wasserzeichen: Krebs(R), Skorpion(T), Fische(S)
Das Luftdreieck mit den drei Luftzeichen: Waage(R), Wassermann(T), Zwillinge(S)
(R=Rajas, T=Tamas, S=Sattva)

Immer ist das Rajas entsprechende Zeichen der Impulsgeber, das Tamas entsprechende Zeichen der Empfänger (Sammler und Erhalter) und das Sattva entsprechende Zeichen der Vermittler zur Höherentwicklung zum Ziel der Höherentwicklung und Vergeistigung von Körper, Seele, Mentalleib und Willen, deren Vergeistigung.
Rajas-Zeichen bezeichnet man auch als „Kardinalzeichen“, Tamas-Zeichen als „Fixzeichen“ und Sattva-Zeichen als „veränderliche Zeichen“:
So betrachtet gibt das Kardinalzeichen immer den Entwicklungsimpuls auf das träge Fixzeichen hin zur Höherwandlung im veränderlichen Zeichen, je nach Zeichenqualität im Körperlichen (Erde), im Seelischen (Wasser), im Geistigen (Luft) und im Moralischen (Feuer).
Wobei das Höherwandlungsziel, das Göttliche außerhalb der Elemente liegt, diese überwindet, die niederen Formen in höhere wandelt – Alchimie als fünftes Prinzip sozusagen.
Der Verwirklichungsdrang (männlich) wird aufgenommen vom Weiblichen und bewirkt die Wandlung.

Man kann die jeweiligen drei Zeichen eines Elementes auch dem Dreierschritt von Inkarnation (Rajas), Inkarniert-Sein (Tamas) und Exkarnieren (Sattva) im Sinne von „Überwinden“ zuordnen.

Jedes Zeichen im Tierkreis korrespondiert mit einem Guna und zugleich ist jedes dieser Zeichen von einem der vier Elemente geprägt, wie folgt:

Deutung der Zeichen

Die drei Erdzeichen
Hier geht es um das Wirken im Materiellen, die Handlung und ihre Vollendung im materiell Greifbaren.
Handlungsrahmen ist das Irdische, Materielle, Körperliche, das der Mensch im Zeichen Steinbock betritt (inkarniert), im Zeichen Stier dem Irdischen einwohnt (inkarniert ist) und es in der Jungfrau es überwindet und verlässt (durch Höherwandlung exkarniert). (nach Oskar Adler).

Die drei Wasserzeichen
Hier geht es um das Wirken im Seelischen, im Gefühlsraum.
Krebs ist Ausdruck von Rajas-gemäß das Ausstrahlen seelischer Energie durch seelische Zuwendung, Skorpion, dem Tamas entsprechend ein Ansammeln und Ansaugen seelischer Energie und Fische der Ausgleich zwischen beiden (Sattva) in der seelischen Auflösung wird Leid durch Mitleid erlöst.

Die drei Luftzeichen
Hier befinden wir uns in der Welt des Denkens, des geistigen, der geistigen Urbilder, die den manifestierten Abbildern zugrunde liegen (Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis, Platons Höhlengleichnis)
Erst in der materiellen Verwirklichung jedoch können die Gedankenbilder erprobt werden, geschliffen zur passenden Form, von Unvollkommenheiten befreit werden und sich dadurch höherentwickeln ohne sich zu verlieren.
In der Waage werden die Bilder ausgestrahlt, auf die Leinwand des materiellen Geschehens, in künstlerischer Gestaltung umgesetzt; im Wassermann gesammelt als idealtypische Zustände und im Zwilling Urbild und Abbild abgeglichen durch stetigen Zweifel die Wahrheit (das Urbild hinter dem Abbild) gefunden.

Die drei Feuerzeichen
Hier befinden wir uns in der Welt des Willens, der ursächlich hinter allem wirkt. Es ist in reiner Form der göttliche Wille, der durch menschliches Wollen verfälscht wird.
Im Widder wird der Wille durchgesetzt, im Löwen gesammelt und zentriert und im Schützen der Wille gereinigt und überwunden, vom Triebhaften befreit, zum göttlichen Willen zurückgeführt.

Mensch und Kosmos

Nach kabbalistischer Anschauung wird unterschieden zwischen dem oberen, dem himmlischen Menschen und dem unteren, dem niederen Menschen. Der menschliche Körper im Kleinen (Mikrokosmos) ist Abbild des himmlischen Menschen im Großen (Makrokosmos).
Zu jedem Bestandteil des mikrokosmischen Menschen gibt es eine Analogie im himmlischen Menschen, dem Makrokosmos. Dieses „kosmische Urbild“ des Menschen ist der Tierkreis. Jedem Körperteil des Menschen ist ein analoges Symbol des Tierkreises zugeordnet. (siehe Abbildung 2)
Den Menschen denkt man sich eingerollt in den Tierkreis, Kopf und Füße sich berührend, wodurch jeder Teil des Körpers an dem ihm zugeordneten Symbol zu liegen kommt (siehe Abbildung 1)

Die Haut des Menschen ist das Analogon, das irdisch-menschliche Gegenbild zum Firmament, das Fleisch ist die Materie, Blut und Knochen die in der Welt wirkenden Kräfte. Der himmlische Mensch liegt als zu offenbarender göttlicher Wesenskern im Innern des äußeren, körperlichen Menschen, als Brücke und Verbindung zwischen oben und unten, als irdische Wirkstätte kosmischer Kräfte.

Zu den verwendeten Quellen

Zu den verwendeten Quellen
Da ich aus vielerlei Buchquellen schöpfe, nehme ich mir die Freiheit, Zitate und Formulierungen in den Text einfließen zu lassen auch ohne sie immer als solche kenntlich zu machen.

Verwendete Quellen sind u.a:
Oskar Adler, „Das Testament der Astrologie“
Franz Hartmann „Tao – die Weisheit des Laotse“
KOS, „Tao Teh King“
Johannes Vehlow, „Die Weltanschauung der Astrologie“
Elisabeth Haich, „Einweihung“

Irrwege der Wahrheitssuche

Mit der Suche nach der Wahrheit ist es wie mit der Suche nach dem Gral, den bislang niemand irgendwo gefunden hat, noch je irgendjemand irgdendwo finden wird (solange er nach einem Gegenstand in der Welt sucht).
Viele berufen sich bei ihrer Suche auf Lehrer oder Gurus, andere meinen die Wahrheit an bestimmten Orten, in bestimmten Ländern (hauptsächlich Indien) zu finden.
Doch wieso sollte ein bestimmter Mensch im Besitz der Wahrheit sein, warum sollte an einem bestimmten Ort diese zu finden sein?
Macht das Sinn?
Die Wahrheit liegt in jedem selbst, er muss sie bloß finden, reif dafür sein, sie kann nicht, wie eine berufliche Tätigkeit, gelehrt werden, höchstens die Wege dorthin können aufgezeigt werden.
Finden wird man die Wahrheit immer dort, wo man gerade ist!
Ich bezweifle davon abgesehen, dass man überhaupt irgendjemanden etwas lehren kann, für das er unreif oder ungeeignet ist.
Einem da Vinci oder Michelangelo musste sicherliche niemand das künstlerische Gestalten beibringen, einem Dante oder Goethe musste niemand das Gestalten ihrer Werke beibringen - wie auch?
Vielmehr trugen sie diese Fähigkeiten in sich. Davon abgesehen: Wie lange müsste man wohl eine Ausbildung machen, um das bildhauerische Niveau von Michelangelo zu erreichen?
Gibt es eine Ausbildungsberuf zum Mystiker? Gibt es ein Papier, das einen Menschen zum Mystiker oder Alchimisten macht?
Muss man dies nicht selbst werden und sein?

Hier ein paar Gedanken zu diesen Themen:

"Da pilgern die Lichtsucher nach Indien, um mit Hilfe eines 'Meisters' die Wandlung ihres Lebens zu erreichen. Vergeblich, solange sie nicht sich selbst von innen her erneuern. Denn solange sie Hilfe von außen, von anderen erwarten, gehen sie in die Irre. Nur in sich selbst finden sie, was ihnen weiterhilft. Jedes Schweifen in die Ferne ist Selbst-Entfernung." (F. Tiberianus)

"Immer wieder suchen Menschen ihr Heil in fragwürdigen Lehren und bei Lehrern, die sich als 'Meister' gebärden und als 'Gurus' Schüler suchen. Diese Menschen haben noch nicht erkannt, dass der beste Lehrer und Meister in ihnen ist und dass es keiner fremden Führung bedarf, wenn sie der inneren Führung bewusst geworden sind."(F. Tiberianus)

"Wer die Schale nicht durchbrochen hat, der hängt am Ritual seiner Kirche. Wo aber die einzelnen Teile der Schale sichtbar am Boden liegen, da hat sich das ganze Wesen an Gott gehängt, um nicht mehr loszulassen.
Solange es Kirchen gibt, wird die Kirche nicht gefunden. Die Sekten sind ungepflegte Nebenstraßen; wer will sich darauf abmühen und verirren?
Die Konfessionen sind instandgehaltene Staatsstraßen; wer aber will auf halbem Wege stehen bleiben?
Die Religionen sind die Hauptstraßen, Knotenpunkte vieler sich kreuzender und doch vereinigender Linien; wer aber will sich zu lange dort aufhalten, statt dem Ziele zu zueilen?
" (Finck)

Gustav Meyrink ermahnt die Wahrheitssucher immer wieder zur Besonnenheit und Selbstbesinnung: 'Hütet euch vor jenen Dunkelmännern, die nach außen hin tun, als hätten sie den Gipfel esoterischen Wissens erreicht. In Wahrheit wissen die okkulten Marktschreier nichts von der Wirklichkeit. Denn wer weiß, schweigt und sucht weder Schüler noch Anhänger.'"
Diese Warnung gilt auch für die kollektiven Exerzitien und Meditationen, durch die Anbeter und Kopien der eigenen Unzulänglichkeit der Lehrer gezüchtet werden. Im besten Falle verhelfen sie zu fakirartigen Praktiken, die sich aber früher oder später als nutzlos oder als Irrweg erweisen.
Wohl, dem, der das rechtzeitig erkennt, sich aus dem Trubel der Sensationen löst und in der Stille des Innern zu sich selbst erwacht!
Er findet in sich, was ihm von außen niemand geben kann: das Licht und die Weisheit, Gotteserkenntnis und Allgeborgenheit.
Er lebt von da an mitten in der Welt in Frieden und Freiheit.

(F. Tiberianus)

Wo geht die Reise hin?

Der Weg zum Licht der Erkenntnis führt durch die Unkenntnis, die Dunkelheit, von unten nach oben, von außen nach innen.
Hat sich doch das Namenlose, das Göttliche in niedere Gewänder gekleidet, in das Dunkel begeben um von diesem wieder zu sich selbst zurück zu finden.
Jedoch muss jeder diesen Weg, seinen Weg, finden und gehen – den Weg für alle gibt es nicht, jeder muss seinen ihm gemäßen Zugang finden.
Da helfen keine Lehrer oder Führer – der eigentliche Führer ist innen.
Somit sollte auch klar sein, dass all die vielen selbsternannten Führer, letztlich in die Irre führen. Jeder lehrt seine unvollständige, unvollkommene Methode auf einen Weg, der sich irgendwo verliert.
Falsch beraten ist man immer von denen, die Geld für ihre Weisheiten verlangen, die Unterordnung unter eine Methode verlangen, Rituale abhalten, Schulen gründen.
Jemand, der wirklich weiß, weiß auch, dass er das, was er umsonst erhalten hat, auch umsonst weitergeben muss.
Falsch beraten ist man auch bei denen, die Ratschläge für ein glückliches Leben zum Besten geben. Da geht es immer nur um „irdisches“ und somit vergängliches Glück. Ein glückliches Leben ergibt sich nicht als Folge eines Berufswechsels oder eines Wohnungswechsels, sofern keine innere Wandlung vorliegt.
Hier wird Wirkung mit Ursache verwechselt. Erst wenn ich mich innerlich zielgerichtet höherwandle, ändern sich auch die Lebensumstände, wenngleich diese nicht das Entscheidende sind, da sie nur die Wirkung darstellen.
Falsch beraten ist man auch mit der Kirche und ihren Vertretern, die immer die gleichen leeren Phrasen gebetsmühlenartig herunterleihen, Rituale abhalten, deren tieferen Sinn sie weder kennen noch verstehen.
Die Kirche hat sich zu weit von der Religion entfernt – nicht ist diese Kern ihrer Lehre und ihres Strebens, sondern lediglich das Streben nach Macht und deren Erhalt, wie ein Blick in die Kirchengeschichte klar zeigt und daran hat sich bis heute nichts verändert.
Wahre Religion unterscheidet nicht zwischen guten und schlechten Menschen, zwischen Gläubigen und Ungläubigen.
Wahre Religion spaltet sich nicht in eine Vielzahl von Sekten und Konfessionen.
Wahre Religion verfolgt keine „Andersgläubigen“, betreibt keine Hexenjagd, führt keine Kreuzzüge oder Heilige Kriege.
Wahre Religion sieht das Wesen, nicht die Form bzw. das Wesen hinter der Form, die sich entwickelt.

Alle Erkenntniswege, zu denen auch die Wissenschaft gehört, entsprechen Reife- und Entwicklungsstufen der Menschheit, die letztlich einem Ziel zustreben.
Man darf nicht auf einer Stufe stehenbleiben im Irrglauben etwas zu wissen und dieses vermeintliche Wissen dogmatisieren.
Wie oft sind wissenschaftliche Erkenntnis schon durch umfassendere ersetzt worden?
Allerdings darf die Wissenschaft nicht im äußeren steckenbleiben – die Wahrheit liegt in den Dingen, das Äußere ist lediglich ihre Offenbarung!

Der Grundgedanke der Weltentstehung und des Weltenwerdens ist die Höherentwicklung, die Entwicklung vom Niederen zum Höheren.
Dies betrifft die Formen des Grobstofflichen und des Feinstofflichen: des Seelischen und des Mentalen.
Ein bewusstseinstragender, bewusstseinsgeschwängerter individueller Lebenskeim kleidet sich in die unterschiedlichen, wesensgemäßen Formen bei seinem Höherschreiten auf dem Entwicklungspfad.
Er bedient sich dabei immer höherentwickelter und besser geeigneter Formen als Träger seines jeweiligen Entwicklungs- bzw. Bewusstseinszustandes.
Was sich auf diesem Weg (für alle Lebenskeime) höherentwickelt und weitet, ist das hinter den Formen stehende Bewusstsein - zu verstehen als Weite des Blickes und Grad der All-Erkenntnis.
All-Erkenntnis meint Erkenntnis der Einheit und Weite alles Seienden, die über die Wahrnehmung des vergänglichen Daseins weit hinausgeht.
Man kann sich diese Weite vorstellen als den Umfang eines Kreises vom Mittelpunkt ausgehend. Dieser Mittelpunkt ist der individuelle Lebenskeim. In der Weitung des Bewusstseins verliert sich der kleinere in
dem größeren Kreis, wird zu diesem geweitet.
Somit ist das Ziel nicht ein Verlöschen der Individualität im Sinne einer Auflösung im Nichts, sondern ein Auflösen niederer, unentwickelter Formen in höheren, ein Aufgehen im Alles.
Anfang und Ende gibt es nicht.
Das Individualbewusstsein geht nicht verloren, sondern weitet sich zu grenzenlosem All-Bewusstsein.