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Bhagavad-Gita

"Es gibt wohl kein Buch in der Welt, welches bei allen, die es kennen, in so hohem Ansehen steht, als die Bhagavad Gita …
Je öfter man sie liest, umso mehr fühlt man sich erhoben zu den Regionen des Lichtes der Wahrheit; je mehr man in den Geist dieser Lehre eindringt, umso mehr nähert man sich der Erkenntnis des göttlichen Grundes alles Daseins bis zu einer Tiefe, welche der nur oberflächlichen Naturforschung, die sich im Reiche der Erscheinungen bewegt, ein unerforschliches Geheimnis bleibt.
Im Licht der Bhagavad Gita betrachtet, erscheint uns die Welt als etwas ganz anderes und viel Erhabeneres, als wenn wir sie nur vom materiellen wissenschaftlichen Standpunkte aus betrachten.
Da sehen wir statt des leblosen Raumes einen Weltraum voll Licht und Leben; da erscheint uns die Natur nicht mehr als ein zusammengesetztes Stückwerk von lebenden und leblosen Dingen, sondern als eine Einheit, als ein alles umfassender Organismus von unsichtbaren Kräften, ein lebendiges All, vom göttlichen Geiste, der in allen Dingen nach Offenbarung strebt, durchdrungen, und wir erkennen den Menschen selbst als ein überirdisches Wesen, an einen irdischen Körper gebunden, dessen Konstitution sich im Laufe der Evolution zu jener Vollkommenheit entwickelt hat, welche nötig war, um in ihm ein "Erwecken des göttlichen Geistes zu ermöglichen, und den Menschen zu befähigen, schließlich die Gottheit selbst als den Grund seines eigenen wahren Wesens und als die innerliche Ursache seines Daseins zu erkennen.“
„Sie (die Bhagavad Gita) behandelt die siebenfältige Konstitution des Weltalls und des Menschen, seinen himmlische Abstammung, den Zweck seines Daseins, den Weg, den er zu wandeln hat, wenn er zum Ziele gelangen will, die dazu nötigen Wiederverkörperungen in irdischen Leibern und das Gesetz des Karma oder der Notwendigkeit, welches seine Schicksale leitet und demzufolge er stets dasjenige erntet, was er gesät hat, bis dass er durch die in ihm zur Kraft gewordenen göttlichen Liebe erlöst, von seinem vergänglichen „Selbst“ und damit auch von den Gebrechen desselben frei wird."
(Franz Hartmann)

Gedankenweg

Die Bhagavad-Gita ist ein unerschöpflicher Quell der Weisheit. Immer wieder kann man sie lesen und immer wieder gewinnt man neue Erkenntnisse. Hier sind alle Daseinsfragen beantwortet.
Was aus meiner Sicht einen sehr großen Wert dieser Schrift ausmacht, ist die "Fremdartigkeit" ihrer Begriffe. Der im Christentum gängige Begriff "Gott" ist abgegriffen, völlig mit falschen Vorstellungen beladen, ja überladen. Eben aufgrund fehlender Differenziertheit hat er so ein hohes Fassungsvermögen für (Fehl-)Deutungen.
Anders die Bhagavad Gita: Hier gibt es feine und klare Abstufungen der verschiedenen Manifestationen Gottes (im Christentum auf Vater, Sohn und Heiliger Geist beschränkt), die ihre feste Rolle in der Weltoffenbarung spielen. Die Vorgänge der Weltenstehung und der Entwicklungsweg des Menschen sind hier sehr klar aufeinander bezogen, alle wirkenden Kräfte beschrieben.
Aus den Texten der Bibel, speziell des Neuen Testaments kann man diese Bezüge eher nicht herstellen, da sie in Gleichnisse gehüllt sind, die sich dem Uneingeweihten nicht
erschliessen.
Das Problem ist auch, dass es keine Theologen gibt, die diesen esoterischen Sinn erfassen und diesen auch folglich nicht vermitteln können. Denn dieser eigentliche Sinn, richtig erfasst, lässt keine Frage offen, liefert eine vollständige, in sich geschlossene Erklärung des Weltgeschehens, bei dessen Dimensionen, Ereignisebenen und dem Umfang der zugehörigen Zeitalter einem schwindlig wird.
In der Bhagavad Gita werden die Zusammenhänge zwischen Kosmos und Mensch, zwischen Mikro- und Makrokosmos klar ausgesprochen, nichts ist begrifflich verschleiert, der einzige Schleier ist die Sichtweise des Lesers oder sein Reife- und Erkenntnisgrad.
Das tote, blut- und sinnleere Gerüst materialistischer Welterklärungsversuche wird hier durch ein lebensdurchströmtes, lebendiges, organisches Ganzes ersetzt, in dem alles Sinn und Ordnung hat, wenn auch auf einer höheren Seinsebene oder von einem geweiteten höheren Blickwinkel aus diese Sinnverknüpfung erst sichtbar wird. (wie es analog in Platons Höhlengleichnis beschrieben ist)

Ich habe im folgenden einfach einmal ein paar Fragmente der Bhagavad-Gita herausgegriffen, um diese, Wegpunkten gleich, gedanklich zu verbinden (so wie ich sie gegenwärtig verstehe).

Alles entstammt dem Einen. Alle Lebewesen, alles Sein ist Ausdruck und Manifestation dieses Ur-Einen.
Der Allgeist ist der Werde-Born,
In den der Wesen Keim ich leg‘,
Aus welchem dann, oh Arjuna,
Das Heer der Lebewesen quillt.
“ (14. Gesang)

Das Manifestierte ist die Natur, an die die Wesen durch ihre Körper gebunden sind. Sie ist der Stoff, in den der Geist seine Gedankenformen prägt. Diese Bindung erfolgt über die Gedanken (Bewusstsein), die Seele (Haftsucht) und den Leib (Dunkelheit).
Die drei Merkmale der Natur,
Bewusstsein, Haftsucht, Dunkelheit,
Sie fesseln an den Leib, die Welt,
Den Geist den unvergänglichen:
“ (14. Gesang)

Es gibt eine Trennung zwischen dem unoffenbarten Aspekt Gottes und dem offenbarten. Offenbarung führt zur Polarität. Das Offenbarte ist wie ein Spiegel, in dem Gott sich selbst sieht.
Zwei Geister gibt’s, der eine ist
Geteilt, der andere ungeteilt:
Das Gottselbst wirkt in jedem Sein,
Die Gottheit bleibt unoffenbar…
“ (15. Gesang)

Urgrund des Seins, Antriebskraft ist der Wille, das Lebensprinzip schlechthin.
Mächtigster ist der Weltengeist,
Er wird das höchste Sein genannt,
Sein Will‘ durchdringt die Welten all‘
Und trägt sie allen Lebens Herr.
“ (15. Gesang)

Der Mensch hat zweierlei Verwurzelungen: eine himmlische und eine irdische. Alles ist vom Göttlichen durchdrungen.
Unendlich ist der Lebens-Baum,
Allhin verwurzelt, allverzweigt;
Loblied des Daseins jedes Blatt.
Der Weise hört sein Rauschen wohl.
…“(15. Gesang)

Zunächst ist der Mensch dem Irdischen verhaftet, leidet an dieser Bindung. Dieser Weg muss gegangen werden von jedem Wesen …
Die Wurzeln treibt es erdenwärts
Zum Haften in der Menschen Werk.…
“(15. Gesang)

Ziel ist die Überwindung dieser irdischen Verhaftung durch Streben nach oben bzw. nach Innen, zum Göttlichen hin. Dann endet des Menschen Wanderung durch die irdische Welt und er wird frei vom Kreislauf der Wiederverkörperungen.
Doch wer gelassen, haftensfrei,
Sein Herz von dessen Wurzeln löst,…
“(15. Gesang)
Der schwingt sich auf zum höchsten Sein,
Von dem kein Wand’ rer wiederkehrt.
“ (15. Gesang)

Es gibt für diesen Höhenweg eine innere Führung, der man letztlich folgen muss – die sogenannte „innere Stimme“, die den göttlichen Willen repräsentiert. Alle Abweichung davon verursacht die Reibung an den Lebensumständen, die Abweichung des eigenen Willens vom göttlichen Willen, die man als Leiden empfindet. Nicht darf man versuchen dem Leben und seinen Aufgaben zu fliehen!
Drum leit‘ Dich stets bei Deinem Tun
Der Gottheit Will‘, die inn’re Stimm‘,
Hast Du ihr Ja verspürt, oh Held,
Dann tue mutig Deine Pflicht!
“ (16. Gesang)

Franz Hartmann

Die schönste und deutlichste Charakterisierung in konzentriertester Form hat, meiner Meinung nach, Franz Hartmann gegeben, wenn er sagt:

"Es gibt wohl kein Buch in der Welt, welches bei allen, die es kennen, in so hohem Ansehen steht, als die Bhagavad Gita …
Je öfter man sie liest, umso mehr fühlt man sich erhoben zu den Regionen des Lichtes der Wahrheit; je mehr man in den Geist dieser Lehre eindringt, umso mehr nähert man sich der Erkenntnis des göttlichen Grundes alles Daseins bis zu einer Tiefe, welche der nur oberflächlichen Naturforschung, die sich im Reiche der Erscheinungen bewegt, ein unerforschliches Geheimnis bleibt.
Im Licht der Bhagavad Gita betrachtet, erscheint uns die Welt als etwas ganz anderes und viel Erhabeneres, als wenn wir sie nur vom materiellen wissenschaftlichen Standpunkte aus betrachten.
Da sehen wir statt des leblosen Raumes einen Weltraum voll Licht und Leben; da erscheint uns die Natur nicht mehr als ein zusammengesetztes Stückwerk von lebenden und leblosen Dingen, sondern als eine Einheit, als ein alles umfassender Organismus von unsichtbaren Kräften, ein lebendiges All, vom göttlichen Geiste, der in allen Dingen nach Offenbarung strebt, durchdrungen, und wir erkennen den Menschen selbst als ein überirdisches Wesen, an einen irdischen Körper gebunden, dessen Konstitution sich im Laufe der Evolution zu jener Vollkommenheit entwickelt hat, welche nötig war, um in ihm ein Erwecken des göttlichen Geistes zu ermöglichen, und den Menschen zu befähigen, schließlich die Gottheit selbst als den Grund seines eigenen wahren Wesens und als die innerliche Ursache seines Daseins zu erkennen.“
„Sie (die Bhagavad Gita) behandelt die siebenfältige Konstitution des Weltalls und des Menschen, seinen himmlische Abstammung, den Zweck seines Daseins, den Weg, den er zu wandeln hat, wenn er zum Ziele gelangen will, die dazu nötigen Wiederverkörperungen in irdischen Leibern und das Gesetz des Karma oder der Notwendigkeit, welches seine Schicksale leitet und demzufolge er stets dasjenige erntet, was er gesät hat, bis dass er durch die in ihm zur Kraft gewordenen göttlichen Liebe erlöst, von seinem vergänglichen „Selbst“ und damit auch von den Gebrechen desselben frei wird.
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