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Erkenntnis

"...man findet es, wenn man danach sucht. Man ist reif, wenn man danach fragt." (Manfred Kyber)

Um was es geht

Um tiefere Erkenntnisse über das Sein zu finden, muss man danach suchen. Das muss jeder für sich selbst tun.
Entscheidend ist das Fragen. Fragen entstehen erst dann, wenn man reif dazu ist oder die Art und Tiefe der Fragen ist abhängig von der eigenen geistig-seelischen Entwicklungshöhe, der "Reife" des Fragers.

Durchschreitet man ein Leben und die zugehörige Welt, so sieht man die physischen Formen, behaftet diese mit Empfindungen und denkt über Sinn und Zweck des Geschehens nach.
All dies äußert komplexe Geschehen eingepfercht in die kurze Zeitspanne zwischen Leben und Tod scheint oberflächlich betrachtet, ausgehend vom körpersinnlich Wahrgenommenen, wie ein Mechanismus, der nach bestimmten Regeln (Naturgesetzen) funktioniert, der bei der Geburt eingeschaltet und beim Tod ausgeschaltet wird.
Nichts ist davor und nichts kommt danach. Es gibt außer den Funktionsprinzipien keinen „tieferen“ Sinn, der außerhalb dieses Mechanismus liegt.
So baut sich der Mensch ein Koordinatensystem aus „Werten“, die ihm Halt und Orientierung geben:
Familie, Beruf, Sicherheit, langes Leben, Gesundheit – obwohl er erkennen müsste, dass alles, ausnahmslos sich wandelt, vergeht, vergänglich ist.
Um tiefergehenden Sinnfragen aus dem Weg zu gehen, gibt man sich der Illusion hin, lenkt sich ab, durch den „Sinnenlärm“, der ein Innehalten in „Ruhe“ unmöglich macht.
So flieht man die Ruhe, die man für „Nichts“ hält und fürchtet, da man in diesen Illusionen befangen das Nichts, den Tod, fürchtet – bedeutet er doch das erbarmungslose Ende, das Erlöschen der Einzelexistenz.
Dies ist im Wesentlichen die Einstellung des materialistischen Durchschnittsmenschen.
Alles, was über das über das sinnlich Wahrgenommene hinausgeht, versteht er nicht.
Dann gibt es aber jene Menschen, die im Getöse der Welt und ihres Sinnenlärms innehalten und zunächst nur empfinden, dass da mehr ist, mehr sein muss!
Hier beginnt die Mystik, die Umkehrung der Sicht nach innen, die Blickwendung um 180 Grad.
Genau aus dem Grund macht es gar keinen Sinn mit einem Materialisten, einen dem Außen verhafteten „Exoteriker“ über die Innenschau der „Esoterik“ zu reden.
Hier liegt die Wurzel all der Missverständnisse und Missdeutungen bzgl. Homöopathie, Astrologie, Alchimie usw.
Anstatt seine Energien in zeitraubenden Diskussionen zu verschwenden, sollte man konsequent den Weg zu innerer Erkenntnis gehen.
Man spürt irgendwann, zunächst ganz schwach, aber bestimmt, einen inneren Zusammenhang alles
Geschehens, spürt das „alles Vergängliche nur ein Gleichnis“ ist (Goethe).
Man fragt sich: Wo kommen alle Dinge und Wesen her? Wo gehen sie hin? Wer gibt ihnen Leben und Streben?
Man erkennt wie armselig (im wahrsten Sinn des Wortes) die Ansicht ist, tote Materie könne Leben erschaffen oder Seele und Geist seien eine Funktion des Körpers (biochemischer Vorgänge)!
Alles Lebendige (egal welchen Grades) hat den immanenten Drang nach Bildung komplexer Formen, nach Verfeinerung der Sinne, nach Höher- und Weiterentwicklung.
Man kann diese Dinge nicht erklären oder beweisen - man muss sie innerlich erfahren!
Auch das ist einem Materialisten vollkommen unverständlich, da er immer körpersinnlich greifbare Beweise braucht bzw. solche, die die Grenzen seines Wahrnehmungsbereiches und Weltbildes nicht verlassen.
Das, „was die Welt im Innersten Zusammenhält“, ihr Form und Richtung gibt“ – esoterisch gesehen ist jedoch den äußeren Sinnen nicht unmittelbar zugänglich, im besten Fall über Analogien oder Gleichnisse.
Hier ist die Intuition der Führer!
Es gibt jedoch eine Vielzahl esoterischer Lehren, da jeder die allem innewohnende „Wahrheit“ anders wahrnimmt, entsprechend seinem Entwicklungsgrad.
Aus diesem Grunde ist es ratsam, sich keiner „Schule“ anzuschließen, sondern den Weg alleine zu gehen, seinen ganz persönlichen Zugang zur Wahrheit zu finden.
Die Lehren anderer können und sollen als „Wegweiser“ dienen, denen man jedoch niemals blind folgen darf –egal wie „hoch“ der „Lehrer“ zu stehen scheint.
Jeder Mensch hat seine ihm eigene Individualität, seine ganz spezifischen Wesensmerkmale und folglich seinen ganz eigenen Weg durch das Leben und zu der Erkenntnis – der eine erreicht sie schneller, der andere langsamer – doch letztlich erreichen sie alle.
Letztendlich trägt jeder diese Wahrheit in sich, sie offenbart sich ebenso in jeglicher Erscheinungsform der Natur.
Alle religiösen Texte vermitteln diese „Wahrheit“, sie findet sich in Märchen und den Texten der Alchimie – jedoch häufig „verschlüsselt“ in Gleichnissen (Bibel) oder Symbolen, deren Bedeutung sich ebenfalls nur intuitiv erschließt.
Allein der eigene „Reifegrad“ ist der Schlüssel, der die Türen zur Erkenntnis öffnet, die Symbole entschleiert …
Diesen Reifegrad erlangt man durch beharrliches Streben nach der Wahrheit, Stück für Stück.

Das Streben nach Erkenntnis, nach Wahrheit führt nicht über das Hin-und Herspringen des sinnenhaft geprägten Intellekts zwischen vergänglichen Formen, die keinerlei Halt bieten – es ist die innere Offenheit, das Fragen nach innen, das zu den Schlüsseln zu den Türen der Erkenntnis der Wahrheit führt, und dort findet man das Beständige hinter dem Bestandlosen.



Man "sieht" mit dem körperlichen Sinnenapparat immer nur die Oberfläche der Dinge und Gegenstände.
Einen Würfel kann man drehen um jede Achse, nach jeder Richtung und doch sieht man ihn nie als Ganzes in einem Augenblick, lediglich nacheinander sieht man
einzelne Ansichten, Teilansichten.
Schon gar nicht sehe ich sein Inneres, obwohl dieses zur gleichen Zeit vorhanden und Inneres und Äußeres sich gegenseitig bedingen in ihrer Existenz.
Erweitere ich in Gedanken den Würfel zu einem Raum, einem mit Mobiliar eingerichteten Zimmer, das ich durch eine Tür betrete, so kann ich den Innenraum in seinen
Teilansichten betrachten, "weiß" aber nichts mehr vom Außenraum.
Erkenntnis scheint mir das Betrachten einer Sache von all ihren Seiten zur gleichen Zeit, Augenblickserkenntnis.
Worte und Bilder sind immer nur Hüllen in die sich die "verborgene" Wahrheit kleidet, wie ein Stoff oder eine gefestigte Substanz, in dem sie ihre Fußabdrücke hinterlässt,
ohne in ihrer Gestalt als Ganzes erkennbar zu sein.
Der Verstand mag auf sie schlussfolgern, wie man von einem versteinerten urzeitlichen Fußabdruck auf das zugehörige Tier schließt.
Betrachte ich eine auf ein Blatt Papier gezeichnete zwei-dimensionale Form, etwa einen Kreis, so sehe ich sein Inneres und Äußeres zur gleichen Zeit - von
meinem "erhöhten" drei-dimensionalen Standpunkt aus.
Ein auf der Fläche lebendes Wesen könnte nicht in den Kreis hineinsehen, da ihm dieser Anblick durch die Umrisslinie des Kreises versperrt wäre.
Womöglich nähme es von dieser - für uns gebogenen Linie - ein Muster von Punkten unterschiedlicher Intensität, etwa in Grautönen wahr, derart, dass der
ihm am nächsten liegende Punkt der Kreisperipherie dunkelgrau, die anderen mit zunehmenden Abstand hellgrauer werdend.
Wahrscheinlich würde es immer nur einen Punkt sehen, eine abgestufte Linie - aber es ist eine Analogie.
Aus dieser Analogie soll deutlich werden, dass das, was alles zusammenhält, allem Sinn gibt, alles verbindet, nicht unmittelbar wahrnehmbar ist.
Dem sinnlich-orientierten Denken erschließt sich dieses "Hintergründe" lediglich mittelbar, etwa durch Gleichnisse oder Analogien.
Für die eigentliche, die unmittelbare Erkenntnis ist ein zusätzliches, „höherdimensionales Sinnesorgan" erforderlich, der das sinngebende Gefüge mit Einemmal erfasst.
Oder anders ausgedrückt: eine Blickwendung und Blickweitung.

Der Weg zur Erkenntnis erfordert ein Überschreiten der Grenzen des sinnlich Wahrnehmbaren.
Die Körpersinne fesseln den Menschen an die körperliche, raumzeitliche Welt.
Mystische Erkenntnis geht aber davon aus, dass diese Welt, die erfahrene „Realität“ nicht die „Wirklichkeit“ (die Welt der wirkenden Ursachen) ist, sondern eine Welt der Schatten, ein Schleier, ein Gewand, eine Welt der Täuschung (Maya).
Das eigentlich Geschehen ist hinter diesem Vorhang. Alle manifestierten Formen sind „Abdrücke“ einer höheren Wirklichkeit.
Platon hat hierzu ein wunderbares Gleichnis geschaffen, das im Folgenden auszugsweise wiedergegeben wird und dessen Kerngedanke Goethe in die Worte kleidete „Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis.

Die begrenzte Sicht im Sinnenkerker
Sieh nämlich Menschen wie in einer unterirdischen, höhlenartigen Wohnung, die einen gegen das Licht geöffneten Zugang längs der ganzen Höhle hat. In dieser seien sie von Kindheit an gefesselt an Hals und Schenkeln, so dass sie auf demselben Fleck bleiben und auch nur nach vorne hin sehe, den Kopf aber herumzudrehen der Fessel wegen nicht vermögend sind.
Licht aber haben sie von einem Feuer, welches von oben und von ferne her hinter ihnen brennt. Zwischen dem Feuer und den Gefangenen geht oben her ein Weg, längs diesem sieh eine Mauer aufgeführt wie die Schranken, welche die Gaukler vor den Zuschauern sich erbauen, über welche herüber sie ihre Kunststücke zeigen.
Ich sehe, sagt er.
Sieh nun längs dieser Mauer Menschen allerlei Geräte tragen, die über die Mauer herüberragen, und Bildsäulen und andere steinerne und hölzerne Bilder und von allerlei Arbeit; einige, wie natürlich, reden dabei, andere schweigen.
Ein gar wunderliches Bild, sprach er, stellst du dar und wunderliche Gefangene.
Uns ganz ähnliche, entgegnete ich. Denn zuerst, meinst du wohl, dass dergleichen Menschen von sich selbst und voneinander je etwas anderes gesehen haben als die Schatten, welche das Feuer auf die ihnen gegenüberliegende Wand der Höhle wirft?
Wie sollten sie, sprach er, wenn sie gezwungen sind, zeitlebens den Kopf unbeweglich zu halten!
Und von den Vorübertragenden nicht eben dieses?
Was sonst?
Wenn sie nun miteinander reden könnten, glaubst du nicht, dass sie auch pflegen würden, dieses Vorhandene zu benennen, was sie sähen?
Notwendig.
Und wie, wenn ihr Kerker auch einen Widerhall hätte von drüben her, meinst du, wenn einer von den Vorübergehenden spräche, sie würden denken, etwas anderes rede als der eben vorübergehende Schatten?
Nein, beim Zeus, sagte er.
Auf keine Weise also können diese irgendetwas anderes für das Wahre halten als die Schatten jener Kunstwerke?
Ganz unmöglich.


Der Weg aus dem Sinnenkerker zur Erkenntnis
Nun betrachte auch, sprach ich, die Lösung und Heilung von ihren Banden und ihrem Unverstande, wie es damit natürlich stehen würde, wenn ihnen folgendes begegnete.
Wenn einer entfesselt wäre und gezwungen würde, sogleich aufzustehen, den Hals herumzudrehen, zu gehen und gegen das Licht zu sehen, und, indem er das täte, immer Schmerzen hätte und wegen des flimmernden Glanzes nicht recht vermöchte, jene Dinge zu erkennen, wovon er vorher die Schatten sah: was meinst du wohl, würde er sagen, wenn ihm einer versicherte, damals habe er lauter Nichtiges gesehen, jetzt aber, dem Seienden näher und zu dem mehr Seienden gewendet, sähe er richtiger, und, ihm jedes Vorübergehende zeigend, ihn frage und zu antworten zwänge, was es sei?
Meinst du nicht, er werde ganz verwirrt sein und glauben, was er damals gesehen, sei doch wirklicher als was ihm jetzt gezeigt werde?
Bei weitem, antwortete er.
Und wenn man ihn gar in das Licht selbst zu sehen nötigte, würden ihm wohl die Augen schmerzen, und er würde fliehen und zu jenem zurückkehren, was er anzusehen imstande ist, fest überzeugt, dies sei in der Tat deutlicher als das zuletzt Gezeigte?
Allerdings.
Und, sprach ich, wenn ihn einer mit Gewalt von dort durch den unwegsamen und steilen Aufgang schleppte und nicht losließe, bis er ihn an das Licht der Sonne gebracht hätte, wird er nicht viel Schmerzen haben und sich gar ungern schleppen lassen?
Und wenn er nun an das Licht kommt und die Augen voll Strahlen hat, wird er nicht das Geringste sehen können von dem, was ihm nun für das Wahre gegeben wird.
Freilich nicht, sagte er, wenigstens nicht sogleich.
Gewöhnung also, meine ich, wird er nötig haben, um das Obere zu sehen. Und zuerst würde er Schatten am leichtesten erkennen, hernach die Bilder der Menschen und der anderen Dinge im Wasser, und dann erst sie selbst. Und hierauf würde er was am Himmel ist und den Himmel selbst leichter bei Nacht betrachten und in das Mond- und Sternenlicht sehen als bei Tage in die Sonne und in ihr Licht.
Wie sollte er nicht!“
Die Erkenntnis der Wirklichkeit und Wahrheit
„Zuletzt aber, denke ich, wird er auch die Sonne selbst, nicht Bilder von ihr im Wasser oder anderwärts, sondern sie als sie selbst an ihrer eigenen Stelle anzusehen und zu betrachten imstande sein.
Notwendig, sagte er.
Und dann wird er schon herausbringen von ihr, dass sie es ist, die alle Zeiten und Jahre schafft und alles ordnet in dem sichtbaren Raume und auch von dem, was sie dort sahen, gewissermaßen
die Ursache ist.
Offenbar, sagte er, würde er nach jenem auch hierzu kommen.
Und wie, wenn er nun seiner ersten Wohnung gedenkt und der dortigen Weisheit und der damaligen Mitgefangenen, meinst du nicht, er werde sich selbst glücklich preisen über die Veränderung, jene aber beklagen?
Ganz gewiss.
Und wenn sie dort unter sich Ehre, Lob und Belohnungen für den bestimmt hätten, der das Vorüberziehende am schärfsten sah und am besten behielt, was zuerst zu kommen pflegte und was zuletzt und was zugleich, und daher also am besten vorhersagen konnte, was nun erscheinen werde: glaubst du, es werde ihn danach noch groß verlangen und er werde die bei jenen Geehrten und Machthabenden beneiden?


Der Rückweg zu den Erkenntnislosen
Auch das bedenke noch, sprach ich. Wenn ein solcher nun wieder hinunterstiege und sich auf denselben Schemel setzte: würden ihm die Augen nicht ganz voll Dunkelheit sein, da er so plötzlich von der Sonne herkommt?
Ganz gewiss.
Und wenn er wieder in der Begutachtung jener Schatten wetteifern sollte mit denen, die immer dort gefangen gewesen, während es ihm noch vor den Augen flimmert, ehe er sie wieder dazu einrichtet, und das möchte keine kleine Zeit seines Aufenthalts dauern, würde man ihn nicht auslachen und von ihm sagen, er sei mit verdorbenen Augen von oben zurückgekommen und es lohne nicht, dass man auch nur versuche hinaufzukommen; sondern man müsse jeden, der sie lösen und hinaufbringen wollte, wenn man seiner nur habhaft werden und ihn umbringen könnte, auch wirklich umbringen?
So sprächen sie ganz gewiss, sagte er.
Diese ganze Bild nun, sagte ich, lieber Glaukon, musst du mit dem früher gesagten verbinden, die durch das Gesicht uns erscheinende Region der Wohnung im Gefängnisse gleichsetzen und den Schein von dem Feuer darin der Sonne darin der Kraft der Sonne; und wenn du nun das Hinaufsteigen und die Beschauung der oberen Dinge setzt als den Aufschwung der Seele in die Region der Erkenntnis, so wird dir nicht entgehen, was mein Glaube ist.


Fazit
…was ich wenigsten sehe, das sehe ich so, dass zuletzt unter allem Erkennbaren und nur mit Mühe die Idee des Guten erblickt wird, wenn man sie aber erblickt hat, sie auch gleich dafür anerkannt wird, dass sie für alle die Ursache alles Richtigen und Schönen ist, im Sichtbaren das Licht und die Sonne, von der dieses abhängt, erzeugend, im Erkennbaren aber sie allein als Herrscherin Wahrheit und Vernunft hervorbringend, und dass also diese sehen muss, wer vernünftig handeln will, es sei nun in eigenen oder in öffentlichen Angelegenheiten."