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Vom positiven Denken

„Wer heute einen Gedanken sät, erntet morgen die Neigung, übermorgen die Gewohnheit, und schließlich sein Schicksal.„
(Emerson)

Denken und Sein

„Positives Denken“ heißt, seiner wahren Bedeutung nach, nicht das Leben durch eine rosarote Brille zu betrachten, alles Negative auszublenden. Es heißt sein Leben im positiven Sinne zu gestalten, selbst zu bestimmen, anstatt bestimmt zu werden, selbst zu leben, anstatt gelebt zu werden.
Der Mensch betrachtet und wertet die Ereignisse seines Lebens gemäß seiner inneren Konditionierung oder Programmierung als Folge seiner Erziehung und des stetigen Abspulens der immer gleichen Verhaltens- und Bewertungsmuster. Der Mensch ist somit eher fremdbestimmt, als selbst bestimmt.
In der Regel ist der Mensch von Ängsten geprägt, erwartet Unheil und Scheitern eher als Heil und Erfolg.
Schon in der Schule werden Fehler sanktioniert, richtige Antworten mit guten Noten belohnt.
So meidet man Fehler, geht ihnen angstvoll aus dem Weg und verschließt somit die Tür zu neuen Entwicklungsmöglichkeiten.
Man geht ausgetretene Wege, anstatt Neuland zu erkunden, neue Erfahrungen zu sammeln, um daran zu wachsen. Es sind doch gerade die Fehler aus denen man lernt, nicht das ängstliche Zaudern, das Festhalten am Bewährten, das Stillstand der Entwicklung, ein Treten auf der Stelle bedeutet.
Man sieht sich so von mehr Unmöglichkeiten als Möglichkeiten umgeben, verliert seinen Wagemut und Pioniergeist.
Fehler, die man macht sind immer Grundlage von Lernfortschritten von Entwicklungsschritten.
Nur allzu gerne gibt man bei Misserfolgen den Umständen, den Anderen oder dem Schicksal die Schuld, anstatt sie bei sich selbst zu suchen.
Doch "‘Schicksal‘ ist nur ein Wort, ein Name für Dinge ... in deren Tiefe der Geist noch nicht gedrungen ist. Wenn ihr zu eurem Schaden an die Macht des Schicksals glaubt, dann glaubt wenigstens auch zu eurem Nutzen daran!“, wie Emerson so trefflich bemerkt.
Und gerade hier setzt das „positive Denken“ an. Wenn ich immer etwas Negatives erwarte, kann ich doch genauso gut etwas Positives erwarten oder ist die Welt das Leben so konstruiert, dass Scheitern und Misserfolg überwiegen, eine stärkere Gewichtung haben?
Wer sagt das?

Ursache und Wirkung

Flache Köpfe glauben an Glück und zufällige Umstände, starke Menschen glauben an Ursache und Wirkung. Sie wissen, dass der Mensch so ist und handelt, wie er denkt, dass seine Schicksale nicht dem Zufall unterliegen, sondern Ergebnisse vorhergehender Ursachen sind, dass er seines Glückes Baumeister ist, weil unwandelbare Gesetze die Grundlage des Lebens bilden.

Gedanke, Neigung, Gewohnheit

So sagt Emerson - und genau da liegt der Hund begraben. Mein Denken bestimmt den Verlauf meines Lebens. Denke ich vornehmlich bei jeder Unternehmung ans Scheitern, werde ich scheitern. Denke ich an den Erfolg, so werde ich erfolgreich sein.
Jeder, der im Leben erfolgreich war oder ist, hat an seine Sache geglaubt, war von ihrem Erfolg überzeugt – wie sonst hätte er die Energie aufbringen können, sein Ziel bis zum Ende zu verfolgen?
Buddha sagte sinngemäß, das was man heute ist, ist Folge dessen, was man in der Vergangenheit gedacht hat und das, was ich heute denke, bestimmt meine Zukunft.
Gedanken festigen sich zum erlebten Schicksal und den damit zusammenhängenden Lebensumständen:
Wer heute einen Gedanken sät, erntet morgen die Neigung, übermorgen die Gewohnheit, und schließlich sein Schicksal.„
Man muss sich darüber im Klaren sein, dass alles, was geschieht zuerst im Geiste, in Gedanken geschieht, nichts fällt vom Himmel. Jede bewusste Handlung ist Folge eines vorhergehenden Gedankens, jede Erfindung, findet zuerst im Geist statt, als Idee, als Gedanke, bevor sie umgesetzt wird.
Allerdings ist es nicht so, dass man durch seinen Gedanken alles bewirken oder verwirklichen kann, was man sich vorstellt. Es gibt hier Grenzen, die im eigenen Sosein, dem inneren Muster, dem eigenen Möglichkeitsraum liegen.
Hermann Hesse drückt das im Demian so aus:

freier Wille

"Aber wie ist das nun mit dem Willen?" fragte ich.
"Du sagst, man hat keinen freien Willen. Aber dann sagst du wieder, man brauche nur seinen Willen fest auf etwas zu richten, dann könne man sein Ziel erreichen. Das stimmt doch nicht!
Wenn ich Herr über meinen Willen bin, dann kann ich ihn ja auch nicht beliebig da- oder dorthin richten."
"Gut, dass du fragst!", sagte er lachend. "Man muß immer fragen, man muß immer zweifeln. Aber die Sache ist sehr einfach.
Wenn so ein Nachtfalter zum Beispiel auf einen Stern oder sonst wohin richten wollte, so könnte er das nicht. Nur - er versucht es überhaupt nicht.
Er sucht nur das, was Sinn und Wert für ihn hat, was er braucht, was er unbedingt haben muß.
Und eben da gelingt ihm auch das Unglaubliche - er entwickelt einen zauberhaften sechsten Sinn, den kein anderes Tier außer ihm hat!
Unsereiner hat mehr Spielraum, gewiss, und mehr Interessen als ein Tier.
Aber auch wir sind in einem verhältnismäßig recht engen Kreis gebunden und können nicht darüber hinaus.
Ich kann wohl das und das phantasieren, mir etwa einbilden, ich wolle unbedingt an den Nordpol kommen, oder so etwas, aber ausführen und genügend stark wollen kann ich das nur, wenn der Wunsch ganz in mir selbst liegt, wenn wirklich mein Wesen ganz von ihm erfüllt ist.
Sobald das der Fall ist, sobald du etwas probierst, was dir von innen heraus befohlen wird, dann geht es auch, dann kannst du deinen Willen anspannen wie einen guten Gaul...“
(Hermann Hesse, Demian)

Charakter

Ähnlich formuliert es Emerson:
„Jeder Mensch kann seinen Charakter, seine Wesensart an den Ereignissen und Schicksalen erkennen, die ihm zu begegnen scheinen, in Wirklichkeit aber aus ihm herausströmen und ihn geleiten.“

Willensdurchkreuzung

In der gängigen Literatur zum positiven Denken ist dieser Gedanke irgendwie verloren gegangen. Es entsteht teilweise der Eindruck, als könne man sich durch entsprechend zielgerichtetes Denken und inneres Visualisieren alles verwirklichen, was man sich nur vorstellen kann.
Das ist falsch. Das Gewünschte muss im Rahmen des eigenen Lebensprogrammes liegen.
Auch geht es ja im Leben nicht darum, dass alles dem eigenen Willen folgt, dass das Leben nur angenehm sein soll, das verhält man sich dann wie das Kind, das den ganzen Tag nur Eis essen will.

Nein, Leiden im schopenhauerschen Sinne von „Willensdurchkreuzung“ ist ein ganz wesentlicher Stimulus für die Weiterentwicklung, denn die meisten von uns lernen eben durch Leiden und nicht durch spontane Erkenntnis.
Man muss Fehler machen, um herauszufinden, wie etwas richtig zu machen ist. Man muss Irrwege gehen, um den richtigen Weg zu finden und zu erkennen.
Wo gehobelt wird, fallen Späne – um die eigentliche innere Form freizulegen, muss ich alles Unnötige entfernen.
Ein weiterer ganz wesentlicher Punkt sind die „karmischen Verbindlichkeiten“, die jeder mit sich trägt und die sein Leben maßgeblich mitbestimmen und gewisse Grenzen festlegen.
Gemäß dem Gesetz von Ursache und Wirkung findet hier alles seinen Ausgleich, sind Lernaufgaben zu absolvieren. Mein jetziges Denken bestimmt zwar meine Zukunft mit, kann sie heller und positive machen, je nach seiner Ausrichtung – doch immer wird sie von den karmischen Notwendigkeiten überlagert, die mit in die Ereignisse hineinschwingen.
Am klarsten und erkenntnisstärksten Treten auch in der Literatur zum „positiven Denken“, die zugrundeliegenden Prinzipien am Ursprung zutage. Die größte Klarheit findet man bei Emerson. Im Laufe der Zeit wurde diese Erkenntnistiefe immer mehr verdünnt und verwässert, von Wunschdenken durchtränkt, vereinseitigt.
Aber man darf sich hier keinen Illusionen hingeben, die letztlich immer zur Enttäuschung führen – aber gerade dann hat man wieder etwas aus seinen Fehlern gelernt und die Tür zur Höherentwicklung geöffnet.
Grundsätzlich ist es richtig sich positiven Gedanken an Erfolg, Liebe, Schönheit hinzugeben, da diese zweifellos das Leben in ihrem Sinne prägen werden. Ebenso entziehen sie allen negativen, niederen Bestrebungen die Substanz und führen zu dem Zustand, den alle sich ersehnen – dem persönlichen Glück und der inneren Fülle, der glückbegünstigenden Lebensumstände.
Im Grund liegt dem „positiven Denken“ nichts weiter als das Streben nach höherem, nach dem Göttlichen, dem Absoluten zugrunde, nicht nach dem Vergänglichen, denndie Erfüllung materieller Wünsche ist hier auf Erden nur äußerer Zierrat, den man trägt und wieder ablegt, so wie man sein Körperkleid trägt und wieder ablegt.
Nur das, was man im Ewigen und Zeitlosen schafft, bleibt und hat Wert.
Alles Vergängliche hingegen ist nichtig - im Sinne von bestandlos und vergänglich.

Schätze

Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, da sie die Motten und der Rost fressen und da die Diebe nachgraben und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, da sie weder Motten noch Rost fressen und da die Diebe nicht nachgraben noch stehlen.…“ (Matthäus 6, 19-20)

Vorsätze

Das Wesen eines Tages wird bestimmt durch die Vorsätze mit denen man ihn angeht.
Diese Vorsätze sind nichts anderes als bewusste und zielgerichtete Gedanken, getragen von einem festen und starken Willen als dem Wollen ihrer Verwirklichung.
Die Ereigniss folgen der Grundlinie dieser Gedanken, reihen sich an dieser auf und führen dazu, dass man seine Ziele erreicht.
Der unbewusst gelebte Tag, in den man sich hineintreiben lässt wird den Menschen zum willenlosen Spielball der Wellen und Strömungen machen.

Gedankensteuerung

Solange unser ichhaftes Denken vorwiegend um Unerfreuliches, Sorgenerweckendes, Unruheerzeugendes, Leidiges, also Negatives kreist, ist die dann aufgehende Schicksalssaat ebenfalls negativ und leidvoll.
Das wird anders, wenn wir das Gedankensteuer herumreißen und uns dazu erziehen und daran gewöhnen, ohne Hinblick auf die äußeren Umstände positiv zu denken, bejahend zu reagiere und liebevoll zu handeln
Dann wandelt sich das Gesicht der Umwelt und entspricht mehr und mehr unserem positiven Denken und glückbejahenden Verstehen.

Neugeist

Beim Lesen einiger Neugeist-Schriften, speziell aus dem amerikanischen Gedankenkreis, klingt immer noch ein wenig der „alte“ Gottesglaube mit, der sich auf einen persönlichen Gott bezieht.
Es wird hier immer auf ein Vertrauen in Gott hingewiesen, einen Weg zu Gott, auf Gottes Gegenwart in allem usw.
Ich sehe ein grundlegendes Wahrnehmungsproblem und eine Erkenntnishürde allein schon in dem Begriff Gott, der ja immer die Vorstellung von etwas Begrenztem oder vom Sein Abgegrenzten impliziert. Man spricht von Gott als Schöpfer, so als wäre da ein Wesen, das etwas außerhalb von sich selbst erschafft.
Besonders problematisch scheint mir die gerade im amerikanischen Raum verbreitete Idee des Kreationismus oder des Evangelikalismus, der im Speziellen eher von Machtmotiven, denn von Erkenntnisstreben getrieben ist.
Nicht alle sind reif für höhere Erkenntnis und gerade die Unreifen schreien am lautesten und beeinflussen die Massen.
Man muss klar erkennen: Es gibt keine Trennung zwischen Gott und Schöpfung und „Gott“ lässt sich nicht instrumentalisieren im Sinne der Interessen irgendeiner Gruppierung!
Mir persönlich sind diese Aussagen und Lehren zu ungenau, sowie ein großes X in einer Gleichung, das nicht exakt bestimmt werden kann.
Um zu wahrer Erkenntnis zu gelangen muss man sich von all diesen überkommenen Vorstellungen und Gedankenbildern vollständig lösen.
Weitere Denkfehler, die auf dieser Vorstellung aufbauen, sind hier unvermeidlich und werfen grundlegende Fragen auf:
Woher kommt dieser Gott – wer hat ihn erschaffen, etwa er sich selbst aus dem Nichts?
Wie hat dieser Gott die Welt, das Sein und alle Wesen erschaffen – durch seiner Hände formende Tätigkeit?
Was ist der Sinn der Schöpfung?
Wie erklären sich die Unterschiede der Menschen, wie Krieg, Leid, Krankheit, Zerstörung der Umwelt?
Wieso duldet er es und greift nicht ein?
Was ist gut und was ist böse?
Wozu die Sterblichkeit der Wesen – oder gibt es ein Leben nach dem Tode?
Wie sieht dieses aus – ein Zustand ewiger Glückseligkeit – für wen?
Was geschieht mit den anderen?

Man könnte diese Fragen noch lange weiterführen ohne je zu einem befriedigenden Ergebnis, einer überzeugenden, logischen, schlüssigen Antwort zu finden, weil sie in die Zersplitterung führen.

Der von Neugeist beschrittene Weg ist jedoch im Grunde betrachtet, nicht auf dem Bild eines persönlichen Gottes aufgebaut, doch in vielen Köpfen ist diese Vorstellung doch noch vorhanden. Nicht alle Mitglieder von Neugeist, ebenso wie jene der Theosophie haben das Wesentlich tatsächlich erfasst, erkannt, sind in ihrer Erkenntnis so tief in ihre Seele eingetaucht, zu erkennen, dass „Seelengrund und Gottesgrund“ eins sind.
Das Göttliche wird immer noch zu sehr oder von zu vielen auf die Ebene des eigenen, begrenzten Lebens hinabgezogen und soll hier bei Alltagsproblemen helfend zur Seite stehen und eingreifen.

Liest man die Bhagavad Gita, liest man die theosophischen Schriften, so wird alles klar, wird alles logisch hergeleitet und ineinandergefügt, so dass ein in sich vollkommen schlüssiges und einzig befriedigendes „Weltbild“ entsteht, zunächst für den Verstand.
Natürlich reicht das nicht, aber man unterliegt nicht der Gefahr stehen zu bleiben vor dem großen Unbekannten, vermag das X in der Gleichung zu bestimmen.
Letztlich am Ziel ist man auch hier erst, wenn man erkannt hat, dass „Gottesgrund und Seelengrund“ eins sind, aber es werden in der Theosophie keine Ungereimtheiten aufgetischt, kein Gott, der mit den Menschen verstecken spielt.

Ich verstehe auch nicht, warum in vielen Neugeist-Schriften nie auf den zum Verständnis wesentlichen Gedanken der Reinkarnation eingegangen wird, auf die zugrundeliegenden großen und kleinen Zyklen im Universum.
Dies tut eigentlich nur die Theosophie.
Nur auf diesem Weg wird Wesen und Sinn der „Schöpfung“ ersichtlich, wird klar wie vielgestaltig der Begriff „Gott“ doch in Wirklichkeit ist, welche Kräfte, Ideen und Möglichkeiten der Manifestation er enthält.
Nur so kann man seine Gedanken ausrichten und ordnen!
Und vor allem wird hier klar, warum der Mensch so ist, wie er ist, warum die Welt so ist, wie sie ist und dass es „Gott“ (im Sinne der begrenzten Vorstellung) nicht gibt, niemals gab und niemals geben kann, weil seine Existenz und sein Wirken einfach vollkommen unlogisch ist und nie ein schlüssiges Gedankengebäude tragen kann.
Auch Astrologie kann nur wirklich sinnvoll betrieben werden, wenn man diese Lehre der kosmischen Zyklen und hier vor allem der Reinkarnation zu ihrer Grundlage macht, denn letztlich geht es in der Astrologie doch darum einen Bezug zwischen Mensch und „himmlischen“ Geschehen herzustellen, den Menschen in seinem karmischen Ist-Zustand zu beschreiben!
Sieht denn niemand, dass es unsinnig ist Beziehungen zwischen Planeten, Sternbildern und der menschlichen Persönlichkeit und deren „Schicksal“ oder Lebensweg herzustellen, die so völlig in der Luft hängen und an einem Punkt aufhören?
Dieser Punkt ist die Sinnfrage: „Wo kommen all die Wesen her und wohin gehen Sie?“
Man fängt einfach am Punkte der Geburt an und endet beim zweiten Punkt, dem Tod.
Dieses Intervall hat doch nur dann Sinn und Festigkeit, wenn es Teil eines größeren Zeit- und Sinnstrahles ist …