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Schicksal

"Wie von unsichtbaren Geistern gepeitscht, gehen die Sonnenpferde der Zeit mit unsers Schicksals leichtem Wagen durch; und uns bleibt nichts als, mutig gefasst, die Zügel festzuhalten, und bald rechts, bald links, vom Steine hier, vom Sturze da, die Räder wegzulenken. Wohin es geht, wer weiß es?
Erinnert er sich doch kaum, woher er kam."
(Goethe)

Vorgedanke

Mit dem Begriff "Schicksal" bezeichnet man in der Regel Unangenehmes, Unberechenbares. Es trifft einen plötzlich als Schicksalsschlag - man erleidet es, ohne einen Einfluss darauf zu haben - oder doch?
Wer oder was soll dieses "Schicksal" sein?
Sitzt da jemand, der eine Liste führt, wie er diesem oder jenem Menschen eine Lektion erteilen kann, ihn für irgendetwas strafen soll?
Warum sollte eine solche Instanz existieren?
Ein solcher Art geführtes Leben ist ja im Grunde von Angst bestimmt und in gleichem Masse von Unfreiheit.
Ist es nicht in Wahrheit so, wenn man genau hinschaut, dass das "Schicksal" immer nur die "willensschwachen" Menschen trifft?
Trifft es nicht jene, die ihr Leben nicht - aus welchem Grund auch immer - selbst in die Hand nehmen und gestalten wollen?
Natürlich ist es einfacher und bequemer, die Verantwortung für eigenes Handeln abzugeben - an Vorgesetzte, Eltern, die Gesellschaft, die Regierung ... oder das Schicksal.
Doch im Grunde webt sich jeder seine Schicksalfäden selbst.
Schicksal ist das Ergebnis eines über viele Leben hinweg erworbenen Karma, dem Gesetz von Ursache und Wirkung.
Es ist die Ernte, dessen was man gesät hat.
Durch das was man heute sät, bestimmt man die Ernte des Morgen.
Erst, wenn alles geerntet und das Saatgut aufgebraucht ist, endet der Kreislauf, verlässt man das Rad der Wiederkehr.

Alles ist vom Weltgeist geführt und gefügt.
"Diese Führung und harmonische Zusammenfügung aller Einzelgeschicke zum universalen Weltentwicklungsgang offenbart sich bis ins kleinste persönliche Geschehen." (KOS)

Was Emerson dazu sagt ...

Die Natur macht keine zwei Menschen gleich. Jeder hat seinen eigenen unbetretenen Weg und sein eigenes Schicksal, das er selbst bestimmt und gestaltet.

Schwache und feige Menschen schieben die Schuld an ihrem Unvermögen oder Unglück auf das Schicksal. ...
"Schicksal" ist nur ein Wort, ein Name für Dinge ... in deren Tiefe der Geist noch nicht gedrungen ist.

Wenn ihr zu eurem Schaden an die Macht des Schicksals glaubt, dann glaubt wenigstens auch zu eurem Nutzen daran! ...

Flache Köpfe glauben an Glück und zufällige Umstände, starke Menschen glauben an Ursache und Wirkung.
Sie wissen, dass der Mensch so ist und handelt, wie er denkt, dass seine Schicksale nicht dem Zufall unterliegen, sondern Ergebnisse vorhergehender Ursachen sind, dass er seines Glückes Baumeister ist, weil unwandelbare Gesetze die Grundlage des Lebens bilden. ...
Was die Lebensblinden "Schicksal nennen, ist nichts als unverstandene Wirkungskraft, die ihren Ursprung in ihrem eigenen Inneren hat.
Die Wogen des Ozeans verschlingen Schiff und Besatzung wie Staubkörnchen; aber lernt schwimmen und spannt und richtet die Segel eures Schiffes, dann werden die heranstürmenden Wogen von ihm durchfurcht und es tragen.

Viele sehen im Schicksal etwas, das außerhalb ihrer selbst besteht, weil ihnen der Zusammenhang noch verborgen ist. Aber des Menschen Seele enthält bereits jedes Ereignis, das ihr begegnen wird; denn das Ereignis ist nichts anderes als das Wirklichwerden ihrer Gedanken, es ist der Abdruck ihrer geistigen Gestalt.
Unser Schicksal passt zu uns wie unsere Haut. Die Ereignisse sind die Kinder unseres Geistes. ...

Jeder Mensch kann seinen Charakter, seine Wesensart an den Ereignissen und Schicksalen erkennen, die ihm zu begegnen scheinen, in Wirklichkeit aber aus ihm herausströmen und ihn geleiten. Die Ereignisse wachsen mit der Persönlichkeit, und was wie ein Stück Zufall aussieht, ist in Wirklichkeit Kausalität.
Alle Geschehnisse unseres Lebens sind Abdruck und Ausdruck unseres Wesens, Kinder unseres Geistes. ...

Das Schicksal schließt immer die Entwicklung zum Besseren, Höheren in sich. ...
Ein Teil des Schicksal ist die Freiheit des Menschen! Denn immer quillt in der Seele der Trieb zum Wählen und Handeln empor.
Der Geist gestaltet und bestimmt das Schicksal. Soweit ein Mensch denkt, soweit ist er frei. ...
Alle Kräfte des Schicksals harren des Menschen, der sie meistert und bewusst in seinen Dienst stellt. ...
Im Menschen ist beides: Schicksalsnotwendigkeit und Schicksalsfreiheit.
(Emerson)

Vom Gedanken zum Schicksal

Das Schicksal sind die Lebensumstände, in denen man lebt und die man sich selber geschaffen hat.
Das, was einer ist und wie einer lebt ist das Netz gewoben aus seinen Gedanken.
Ich bin das, was ich dachte und werde das sein, was ich denke (zu sein).
Gedanken verfestigen sich stufenweise zum Schicksal, denn:
"Wer heute einen Gedanken sät, erntet morgen die Neigung, übermorgen die Gewohnheit, und schließlich sein Schicksal."
(Emerson)

Was Seneca dazu sagt ...

Es irrt, wer wähnt, dass das Schicksal uns irgendein Gut oder Übel zuteile. Es gibt nur den Stoff dazu, nur den Keim von Dingen, die bei uns - und durch uns - zu einem Gut oder Übel erwachsen. Denn mächtiger als das Schicksal ist die Seele: sie formt alle Dinge nach ihrem Willen und ist sich selbst die Ursache zu einem glücklichen oder unglücklichen Leben.

Geschichte von der himmlischen Vergeltung

"Der Eremit Omar saß auf seinem Berg und meditierte über den Lauf der Welt.
Da sah er im Tal einen Reiter, der an einer Quelle Rast machte, einen Beutel, den er am Gürtel trug, neben sich auf die Erde legte und niederkniete, um aus der Quelle zu trinken. Er tränkte auch sein Pferd, schwang sich dann in den Sattel und ritt weiter.
Den Beutel am Boden vergaß er. Kurz darauf kam ein anderer Reiter zu der Quelle, trank, sah den Beutel, nahm ihn mit und ritt davon.
Noch etwas später kam ein Holzfäller zur Quelle, legte seine Bürde ab, beugte sich über das Wasser und trank. In diesem Augenblick kam der erste Reiter zurück, um seinen vergessenen Beutel aufzunehmen. Als er ihn nicht fand, stellte er den Holzfäller zur Rede, nannte ihn einen Dieb, zog sein Schwert und tötete ihn.
All das sah Omar, der Eremit, und besann sich. „Wo ist da der Sinn des Geschehens?
Der Dieb entkommt, und das Schicksal ist mit ihm während der unschuldige Holzfäller für den Diebstahl eines anderen büßen muss. Und der Reiter wird zum Mörder, weil er seinen Beutel vergaß. Wo, oh Allah, bleibt da die Gerechtigkeit?"
Aber der Himmel blieb stumm.
Am folgenden Tage zog ein Weiser über das Gebirge, kehrte in Omars Klause ein und aß und trank mit ihm. Omar erzählte ihm was am Vortage geschah und fragte den Weisen, ob er einen Sinn in diesem Geschehen sehe.
Der Weise lächelte und sprach: „Nichts, oh Ungeduldiger, ist ohne Sinn! Alles, was geschieht, wird durch die steuernden Kräfte des Schicksals bestimmt und folgt den Gesetzen der Ordnung und Weisheit." „Davon habe ich nichts gesehen." murrte der Eremit.
„Du sahst nicht tief und weit genug." antwortete der Weise. „Du sahst nur das Ende einer langen Kette von Ereignissen; erblicktest letzte Auswirkungen Dir unbekannten Wirkungsketten. Du erkanntest den Zusammenhang nicht. So wirkte auf Dich sinnlos, was sich in Wahrheit nach inneren Ordnungsgesetzen vollzog. Was Deine Augen sahen, ist nur Schein." „Wenn Du mehr siehst als ich, " entgegnete Omar, „dann sage mir doch, was Du siehst, damit ich es begreife. Du gibst mir damit den Frieden meiner Seele zurück." „Du musst selbst zur Erkenntnis finden." wies ihn der Weise zurück. „Aber da Du ehrlich um den Sinn ringst, will ich Dir die Augen öffnen."
Und er schloss die Augen und verfiel in jenen Zustand tiefer Versenkung, in dem die Erwachten das Verborgene sehen; als wäre das Buch des Schicksals vor ihnen aufgetan. Nach einer Weile öffnete er die Augen, blickte Omar an und sprach:
„Höre und verstehe: Der Reiter, der den Beutel vergaß, war ein Räuber. Er hat den Beutel gestohlen. Doch er sollte sich seiner Beute nicht erfreuen. Der Mann, der den Beutel fand und davon ritt, war des Bestohlenen Sohn, den der Räuber um sein Erbe gebracht hatte. Lange schon verfolgte er des Räubers Spur, ohne ihn einholen zu können. Da schenkte ihm Allahs Gnade das Geld zurück, das seinem Vater gehört." „Aber warum musste der unschuldige Holzfäller sterben?" frage Omar. „Er hat mit dieser Sache doch nichts zu tun." „Nur mit dem Beutel nicht." antwortete der Weise. „Aber sonst gehört er mit in den gleichen Schicksalszusammenhang.
Vor Jahren erschlug er einen Reisenden im Wald. Nie hat ein irdischer Richter davon erfahren. Aber die himmlische Vergeltung traf ihn, als seine Stunde gekommen war. Der Reiter wusste davon freilich nicht. Ihn hetzt jetzt die Stimme seines Gewissens, und das Schicksal lässt ihn nicht entkommen. Jetzt reitet er durch die Berge wie vom Bösen verfolgt. Der Mann aber, der den Beutel aufnahm und den Du für einen Dieb hieltest, hat seinem Vater das Geld gebracht, der seinerseits durch den Schrecken ob des Verlustes für seinen Geiz bestraft wurde. Jetzt freut er sich mit seinem Sohn und nimmt den Wink des Schicksals zum Anlass, sich zu bessern. Er hat nicht lange mehr zu leben. Doch zur Umkehr ist es niemals zu spät."
Da schwieg Omar und schämte sich seiner Unwissenheit. Doch der Weise lächelte gütig, erhob sich, um weiter zu wandern, und sprach zum Abschied: "Lebe wohl, Omar, und übe dich im Erkennen, Gelassen- und Weisewerden. Viel Leid ist in der Welt, doch keines ist ohne Sinn. Diese Welt ist aus Licht und Dunkel gewoben, und das Sichtbare und das Unsichtbare verknüpft sich zum bunten Teppich des Lebens. Voller Schrecken und voller Wunder ist die Welt, doch weise geordnet vom Geist des Lebens. Nichts ist zufällig. Dem Weisen wird alles zur Weisung."
(aus "1001 Nacht")

Karma

"Die Gegenwart ist die Frucht der Vergangenheit und zugleich die Saat der Zukunft."

Seelenschliff

Die Vollkommenheit des Menschen als ein Kind Gottes ist nicht sofort an der Oberfläche sichtbar, sondern sitzt tief in ihm.
Man könnte sie mit einem Rohdiamanten vergleichen, der erst allseitig geschliffen werden muss, ehe er in seinem eigenen prachtvollen Glanz erstrahlen kann und viele Reflexionsflächen das Licht spiegeln.
Deshalb sollten wir die Menschen und die Ereignisse, die uns gegenüber die Rolle des „Schicksalsschleifsteins„ übernehmen, nicht beschimpfen, verurteilen oder gar verdammen.
Es kommt darauf an, zu erkennen, welche Art von Lebenserfahrung uns das oder jenes Ereignis vermitteln will. Haben wir den Sinn und Zweck solcher „Lektionen„ wirklich verstanden und haben wir die Konsequenzen daraus gezogen, ist dieser Fall zunächst erledigt.
Es gibt kein Ereignis im ganzen Leben, und sei es noch so negativ und schmerzhaft, aus dem der Mensch nicht etwas lernen, nicht eine Art geistige Ernte in seine Erkenntnisscheuer einbringen könnte.
Wenn wir uns dagegen erzogen haben, alle Menschen und alle Geschehnisse um uns herum von diesem Gesichtswinkel aus zu betrachten, als „Unterrichtsstoff„, dann werden wir nicht mehr den Fehler machen, uns über feindlich gesinnte Menschen und Umstände aufzuregen oder gar über die Härte von Schicksalshieben zu wehklagen und uns selber zu bemitleiden.
Der Mensch, der die Funktionsweise des sogenannten Karmas durchschaut hat, rechnet immer damit, dass ihm neuer Lehr- und Lernstoff vor die Nase gesetzt wird, den er zu bewältigen hat, so gut er es eben vermag.
Wobei zu bedenken ist, dass die Aufgaben, die einem Kindergartenkind oder einem ABC-Schützen gestellt werden, fast spielerisch zu bewältigen sind, während die Probleme, mit denen sich Abiturient oder gar Doktorand herumschlagen muss, nicht mehr spielerisch zu meistern sind.
Man kann daraus die Folge ziehen, dass die Mächte des Schicksals den Lern- und Erkenntniskräften desjenigen Menschen viel zutrauen, den sie in besonders harter Weise der Einwirkung des „Schleifsteins„ aussetzen. Sie meinen, dass er als Abiturient oder Student mit vielen Semestern Erkenntnisse haben kann, bzw. in sich Überwindungskräfte entwickelt hat, die man von einer jungen Seele mit Kindergartenreife noch nicht erwarten kann.

(Masaharu Taniguchi)

Karma

"Unter ‚Karma‘ versteht man nicht bloß die Sünde, sondern sowohl gute als auch böse Handlungen, die vom individuellen Eigenwillen ausgehen und deshalb für das Individuum Früchte tragen. Der in die geistige Freiheit eingetretene Mensch schafft kein Karma, da er sein Selbst aufgegeben hat und völlig selbstlos handelt. Gott in ihm kann nicht sündigen und hat auch kein Verlangen danach. Alles, was man nicht ‚um Gottes willen, d.h. aus selbstloser Liebe zum Guten, sondern in selbstgefälliger Absicht, oder um dafür eine Belohnung auf Erden oder im Himmel zu erhalten, tut, festigt das illusorische Selbstbewusstsein; es stärkt den Egoismus und bindet den Menschen ans materielle Dasein."

Schöpferische Kraft

"Des Menschen größtes Verdienst bleibt wohl, wenn er die Umstände soviel als möglich bestimmt und sich sowenig als möglich von ihnen bestimmten lässt. Das ganze Weltwesen liegt vor uns, wie ein großer Steinbruch vor dem Baumeister, der nur dann den Namen verdient, wenn er aus diesen zufälligen Naturmassen ein in seinem Geiste entsprungenes Urbild mit der größten Ökonomie, Zweckmäßigkeit und Festigkeit zusammenstellt. Alles außer uns ist nur Element, ja, ich darf wohl sagen, auch alles an uns; aber tief in uns liegt diese schöpferische Kraft, die das zu schaffen vermag, was sein soll, und uns nicht ruhen und rasten lässt, bis wir es außer uns oder an uns auf eine oder die andere Weise dargestellt haben. "

Mensch und Schicksal

"Unser ganzes Leben verwandelt sich von innen her. Die äußeren Ereigniss, Erfahrungen und Schicksale sind nicht mehr das, was sie bisher für uns waren. Sie haben ihren Einfluß auf uns verloren. Wir erkennen, dass sie diese Gewalt von sich aus nie besaßen, sondern dass wir selbst ihnen aus dem Kräfteschatz unserer Seele diese Macht verliehen.
Die Welt, wie sie uns erscheint, hat einen Schwerpunkt, in dem sie ruht. Dieser feste Punkt ist unser eigenes Herz.
Unser Schicksalsweg, wie gewunden er auch aussah, ist der gerade Weg des ewigen Lebens, das sich durch uns in die Welt ergießt.
Wir verspüren das innere Gesetz, das unser Schicksal leitet, und sehen uns mit ihm eins.
Mensch und Schicksal sind in Wahrheit eins. Kein Geschick stößt dem Menschen zu, das nicht seine genau Entsprechung in seiner Seele hätte.
Wer sich selbst erkannt hat, der weiß, was ihm zuwächst, was er braucht, und bejaht es. Er weiß um den Einklang von Seele, Schicksal und All. Und er wandelt sein Schicksal, indem er sich selbst wandelt.
Weil er weiß, dass ihm nichts Fremdes zustößt, ist er vollkommene Gelassenheit.
Wei er weiß, dass sein Schicksal aus seinem eigenen Selbst erquillt, ist er vollkommene Entschlossenheit.
Tiefe Gelassenheit und äußerste Entschlossenheit sind in ihm eins, tiefste Besinnung und bejahendes Tätigsein.
Er ist aus dem privaten Erleider zum aktiven Täter und Gestalter des Schicksals geworden. "

Schicksalsfäden

„Siehe die ganze Welt ist mit solchen feinen Fäden durchwirkt. Von den einen bist du frei, die anderen ziehen dich an, und du folgst ihnen, ohne zu wissen, warum.
Das ist die Kette der Dinge, und du bist mit ihr verbunden aus früheren Leben, da du schon in anderer Gestalt auf dieser Erde wandeltest, oder aus deinem innersten Wesen heraus, das der Engel mit allem was du warst und sein wirst, in den Kelch der Lotusblume senkte.
So ist das ganze Leben wie ein Teppich, kunstvoll aus feinen Fäden gewoben, und du bist mitten drin, um sein Muster auszuwirken, Fäden zu lösen und zu verbinden, bis du frei bist von allen Fäden, die dich halten, und dein fertiges Muster heimtragen kannst in dein Königreich der Ferne.“
(Aus Manfred Kyber: "Der Königsgaukler")

"Das Schicksal mischt die Karten, und wir spielen."
"Wir werden vom Schicksal hart oder weich geklopft, es kommt auf das Material an."
"Der Ziellose erleidet sein Schicksal - der Zielbewusste gestaltet es."

Siehe, kein Wesen ist so eitel und unbeständig
Als der Mensch, von allem was lebt und webet auf Erden.
Denn solange die Götter ihm Heil und blühende Jugend
Schenken, trotzt er und wähnt, ihn treffe nimmer ein Unglück.
Aber züchtigen ihn die seligen Götter mit Trübsal,
Dann erträgt er sein Leiden mit Ungeduld und Verzweiflung.
Denn wie die Tage sich ändern, die Gott vom Himmel uns sendet,
Ändert sich auch das Herz des erdebewohnenden Menschen.
Siehe, ich selbst war einst ein glücklicher Mann und verübte
Viel Unarten, vom Trotz und Übermut verleitet,
Weil mein Vater mich schützte und meine mächtigen Brüder.
Drum erhebe sich nimmer ein Mann und frevele nimmer,
Sondern genieße, was ihm die Götter bescheren, in Demut!

(Homer, "Odyssee")