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Vom Sein

"Da Gott alles in allem ist, das ganze Universum erfüllt bis ins letzte Elementarteilchen hinein, sind auch alle Lebewesen - auch wir Menschen - Teile von ihm, als solche aber im Wesen mit ihm verwandt, ja identisch. Anders ausgedrückt: wir sind individualisierte Teile des allumfassenden göttlichen Allbewusstseins, das sich seiner selbst durch uns (teil-)bewusst wird."
(M. Taniguchi)

"Die sichtbare Welt und die Beziehungen ihrer Teile untereinander sind das Zifferblatt der geistigen Welt".
(R.W. Emerson)

Einheit

"Jedes Ding in dieser Schöpfung existiert in dir, und jedes Ding in dir existiert in der Schöpfung; zwischen dir und den allernächsten Dingen besteht keine Grenze, und zwischen dir und den allerfernsten Dingen ist kein Abstand, und sämtliche Dinge, von den niedrigsten bis zu den erhabensten, bestehen in dir als gleich.
In einen einzigen Atom finden sich alle Elemente der Erde; in einer einzigen Regung des Geistes finden sich die Bewegungen aller Gesetze des Daseins; in einem einzigen Tropfen Wasser finden sich die Geheimnisse der unendlichen Ozeane; in einem einzigen Aspekt von dir finden sich sämtliche Aspekte des Daseins.
"
(Khalil Gibran)

"Alle Dinge sind in Gott, sofern sie ewig in Gott gewesen sind und wieder in Gott zurück gelangen sollen. Alle Dinge sind nichts, nämlich an sich selber sind sie nichts und aus ihrer Offenbarung aus der Gottheit, wie in ihrem Rückgange in die Gottheit sind sie in ihrer Besonderheit aufgehoben.
Gott ist alle Dinge, denn er hat aller Dinge Kräfte in sich, in herrlicherer Form, als er sie den Kreaturen gegeben hat.
Gott ist Nichts, d.h. er ist ohne alle Bestimmtheit. Gott ist Alles in Allem, und in jedem Dinge ist Gott Alles, und zugleich ist Gott Nichts in allen Dingen und in sich selber.
Gerade indem Gott Alles ist, ist er Nichts, und in diesem Sinne sind alle Dinge Gott.
"
(Meister Eckhart)

"Ewig wird euch sein der Eine, der sich in viele teilt und dennoch ewig der Einzige bleibt.
Findet im Einen die Vielen wie Einen und ihr habt den Beginn, habt das Ende der Kunst.
"
(Goethe)

Vom Wesen des Einen

"Das Eine liegt allem zugrunde als das Prinzip des Lebens und Seins, des Urgeists und des Alls. Es ist die Quelle von allem …
In jedem einzelnen ist etwas, auf das man es zurückführen kann.
Erfasst man dies Letzte, Eine in der Pflanze als das bleibende Prinzip, und ebenso das Eine im Tier und das Eine in der Seele des Menschen und das Eine im All, so erfasst man jedesmal das Mächtigste und Wertvollste … Und wenn man dieses Eine im wahrhaft Seienden als die Quelle und Urkraft erfasst, kann man da ungläubig sein und unter dem Einen das Nichts vermuten? Freilich ist es nichts von dem, dessen Prinzip es ist; aber es ist doch Nichts nur in dem Sinne, dass nichts von ihm ausgesagt werden kann. Es ist nicht dies oder jenes, es ist über allem Seienden erhaben.
Wenn man es aber erfasst, indem man das Sein wegnimmt, erlebt man ein Wunder. Wenn man sich zu ihm aufschwingt, es in seinen Wirkungen ergreift und in ihm ausruht, wird man seiner durch Intuition inne.

Wer über das Eine philosophieren will, muss sich von den sinnlichen Dingen, welche den letzten Rang einnehmen, lösen und sich ganz zum Ersten hinwenden. Er muss aufsteigen zu dem Prinzip, das er in sich selbst besitzt. Er muss mit sich eins und Geist werden. Und er muss das Eine schauen, ohne sich irgendwie der sinnlichen Wahrnehmung zu bedienen…
Der Geist allein ist imstande, uns Kenntnis zu geben von den Dingen, die in seinem Bereich liegen. Doch auch der Geist ist noch etwas Seiendes; das Eine aber ist kein Etwas mehr, sondern höher als alle Dinge. Es ist auch nichts Seiendes, denn alles Seiende hat noch Gestalt, das Eine aber ist ohne Gestalt, Es ist auch weder bewegt, noch ruhend. Es ist nicht im Raum, nicht in der Zeit, es ist jenseits von alledem… Die Schwierigkeit, das überwesenhafte Wesen des Einen zu begreifen, ist deshalb besonders groß, weil es weder auf dem Wege des Denkens noch auf dem der Wissenschaft erfasst werden kann.
Die Wissenschaft hat es mit Begriffen zu tun, jeder Begriff aber schließt die Vielheit in sich ein. Das Lehren ist gut zum Weg-Aufzeigen und bis zum Weg-Ergreifen; das Schauen aber ist das eigene Werk dessen, der den Entschluss gefasst hat zu schauen …
Wenn aber die Seele nicht zum Schauen gelangt ist, wenn sie kein Verständnis jenes strahlenden Glanzes dort gewonnen hat, wenn sie kalt bleibt und kein Entzücken empfindet ähnlich dem des Liebenden – ein Entzücken, das der empfindet, der das wahre Licht gesehen hat und dessen Seele ganz in Klarheit getaucht wurde durch die Annäherung dieses Lichts-, so rührt das daher, dass die Seele versucht hat, sich zum Einen zu erheben, ohne sich ganz von dem befreien zu können und befreit zu haben, was dem Schauen hinderlich war. Sie hat sich nicht allein emporgeschwungen, sondern war noch behaftet mit Trennendem, war noch nicht zur Einheit gelangt… Dabei ist dieses Eine in Wahrheit nicht fern von einem jeden – und doch fern von allem.
Es ist gegenwärtig und doch nicht gegenwärtig außer für die, die es aufzunehmen vermögen, die imstande sind, sich in Harmonie mit ihm zu versetzen und es durch eine Kraft zu berühren, welche der ähnlich ist, die vom Einen selbst ausgeht, wenn also die Seele sich in dem Zustand befindet, indem sie war, als sie vom Einen ausging; dann kann sie es schauen, wie es seinem Wesen nach ist.

Wir befinden uns immer um das Eine herum, selbst wenn wir uns von ihm entfernen und es nicht mehr kennen … Wir haben eben nicht unsere Blicke darauf gerichtet. Wenn wir es aber anschauen, dann winkt uns das Ziel und die Ruhe, wir befinden uns nicht mehr in Uneinigkeit mit ihm und bilden einen gottbegeisterten Reigen um das Eine … In diesem Reigen schaut die Seele die Quelle des Lebens, die Quelle des Geistes, das Prinzip des Seienden, die Ursache des Guten, die Wurzel der Seele. In ihm, dem Einen, atmen und bestehen wir, es hebt und trägt uns.
In ihm ruht unsere Seele aus, wenn sie vom Übel hinweg zu dem von Übeln reinen Ort emporgeflohen ist. Dort erkennt sie in Wahrheit und ist keiner Leidenschaft unterworfen … Dort ist ihr wahres Leben. Denn unser jetziges Dasein ohne Gott ist nur eine Spur, ein schwacher Abglanz jenes wahren Lebens. Das Leben dort ist Tätigkeit des Geistes, und durch Tätigkeit erzeugt es in wandelloser Berührung und Gemeinschaft mit dem Einen die Schönheit, die Gerechtigkeit, die Tugend. Von ihnen geht die gotterfüllte Seele schwanger. Gott ist für sie Anfang und Ende: Anfang, weil sie von dort herstammt; Ende, weil das Gute dort ist und weil sie, dort angelangt, selbst auch wieder wird, was sie war.

Um in Einklang mit dem Einen zu kommen, muss man „alles ablegen, was nicht göttlich ist, um sich auf Gott allein zu richten und sich mit ihm zu vereinigen. Wir sollten darum Trauer empfinden über unsere Fesseln und mit unserem ganzen Wesen Gott umfassen, damit wir keinen Teil mehr an uns haben, mit dem wir nicht an Gott hangen. Da dürfen wir dann ihn und uns selbst schauen –uns selbst im strahlenden Glanz, erfüllt von geistigem Licht – oder vielmehr als reines Licht selbst, ohne Schwere, leicht und licht und gut geworden. Unseres Lebens Flamme ist dann entzündet.
(KOS)

Das Formlose

Gott ist kein in Zeit und Raum beschränktes Wesen - er ist allgegenwärtig und unteilbar.
"Toren glauben, dass Ich, der Formlose und Unsichtbare, eine sichtbare Form hätte. Sie erkennen nicht Meine geistige höhere Natur, welche unvergänglich und über alles erhaben ist."
(Franz Hartmann)

Endliche und unendliche Wirklichkeit

"Man denke sich die Oberfläche eines Meeres mit einer bodenlosen Tiefe. Aus der letzteren wollen unendlich viele Wasserstrahlen an die Oberfläche gelangen. Das ist jedoch nicht möglich, da die Oberfläche begrenzt und somit ihre Aufnahmefähigkeit beschränkt ist
Die Endlichkeit ist als die Oberfläche der Unendlichkeit anzusehen.
Aus der letzteren drängen unendlich viele Möglichkeiten an die endliche Oberfläche, um realisiert zu werden. Die begrenzte Oberfläche, die den Eintritt unendlich vieler Möglichkeiten in die in Raum und Zeit befindliche Welt sperrt, ist das Kausalitätsgesetz."

(Oskar Goldberg, aus "Magie und Mystik" von Kurt Aram)

Marc Aurel

Es gibt nur ein Sonnenlicht, auch wenn es durch die Dinge tausendfach zerstreut wird. Ebenso gibt es nur eine Gottheit, wenn sie sich auch in Myriaden Formen offenbart, und nur eine Seele, wenn sie auch in unzähligen Geschöpfen in Erscheinung tritt und wirksam wird.
Wer das jetzt Seiende erkennt, der umfasst und überschaut alles, was von jeher war und was in alle Ewigkeit sein wird. Denn alles ist eins.
Alles ist wie durch ein heiliges Band miteinander verflochten. Darum ist uns nichts fremd. Alles Geschaffene und Geschöpfliche ist einander zu- und beigeordnet und zielt auf die Harmonie des Ganzen.
Aus unendlichen Einzelnen zusammengefügt, ist eine Welt vorhanden. Ein Gott durchdringt alles, ein Geist ist allen gemeinsam und eine Vollkommenheit ist alles Gewordenen Ziel.
Ich bin ein Teil des Ganzen und stehe als solches mit allen mir gleichartigen Teilen in lebendigem Zusammenwirken.
Darum bin ich mit nichts unzufrieden, was mir als einem Teil des Ganzen zugeteilt wurde und wird; kann doch nichts dem Teil schädlich sein, was dem Ganzen zuträglich ist. Das Ganze aber ist in Harmonie und enthält nichts,
was ihm unzuträglich wäre.
Im gesamten Weltsystem gibt es nichts, was nicht dem Ganzen dient. Dies haben alle Wesen miteinander gemein. Darum tue ich nichts, was dem Gemeinwohl abträglich wäre, vielmehr richte ich mein ganzes Streben - mit steter Rücksicht auf meine Mitmenschen - auf das allgemeine Wohl. Ich weiß, dass mein Leben dann glücklich dahinfließt.
Wer tiefer sieht, erkennt überall die Spuren der göttlichen Vorsehung. Auch die zufälligsten Ereignisse sind bedingt durch die Verkettung und das Zusammenwirken vorsehungsgelenkter Ursachen.
Mit der Vorsehung verknüpft sich sowohl die Notwendigkeit als auch das, was der Harmonie des Weltganzen dienlich ist, von dem jeder von uns ein Teil ist. Was mit dem Ganzen übereinstimmt und seinem Wohl dient,
ist auch für jeden Teil gut und förderlich.