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Vom Werden der Dinge

"Im Stein schläft Gott,
in der Pflanze träumt Gott,
im Tier wacht Gott auf,
im Menschen lebt Gott."
(Indisches Sprichwort)

Für ewig aus dunkler Tiefe
Sprudelt der Lebensquell."
(Wilhelml Busch, "Schein und Sein")

Fußwaschung

Ich danke dir, du stummer Stein,
und neige mich zu dir hernieder.
Ich schulde dir mein Pflanzensein.

Ich danke euch, ihr Grund und Flor,
und bücke mich zu euch hernieder:
Ihr halft zum Tiere mir empor.

Ich danke euch, Stein, Kraut und Tier,
und beuge mich zu euch hernieder:
Ihr halft mir alle drei zu Mir.

Wir danken dir, du Menschenkind,
und lassen fromm uns vor dir nieder:
weil dadurch, dass du bist, wir sind.

Es dankt aus aller Gottheit Ein-
und aller Gottheit Vielheit wieder.
In Dank verschlingt sich alles Sein.

Höherentwicklung

Die Natur hat bei der Hervorbringung neuer Individuen einen höheren Endzweck als nur die Sicherung der Art,
nämlich das Höherhinausteigen, den Übergang der Seele zu immer höheren Formen des Seins.
Alles Gute in uns kündet Besseres an ...

Öfters scheint eine dem Auge verborgene geheime Welt aus dem Auge des Tieres hervor, wie durch geöffnete, beide Welten verbindende Pforten, den Menschen, wenigstens auf Augenblicke, fragend und antwortend zu betrachten.
Und es scheint öfters aus dem Auge des umsonst gemarterten oder unter den Händen des Menschen sterbenden Tieres der Strahl eines vorübergehenden, tiefern Selbstbewußtseins hervorzublicken, welches dein gedenkender Zeuge sein wird, aus dem Diesseits ins Jenseits.
(aus: Die Seherin von Prevorst)

...
So dacht ich: ist ein Geist erwacht,
Der alles so lebendig macht
Und der mit tausend schönen Waren
Und Blüten sich will offenbaren?
Ich wußte nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.

Vielleicht beginnt ein neues Reich
Der lockre Staub wird zum Gesträuch
Der Baum nimmt tierische Gebärden
Das Tier soll gar zum Menschen werden.
Ich wußte nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.
...
(Novalis, S.88, „Es färbte sich die Wiese grün„)

Ich starb als Stein und ward darauf zur Pflanze;
ich starb als Pflanze, ward erhöht zum Tier;
ich starb als Tier und ward ein Mensch. Nicht fürcht' ich,
dass ich bei neuem Sterben je verlier!
Das nächste Mal sterb' ich im Menschenreich,
damit mir Engelsflügel wachsen.
Und lasse ich den Engel hinter mir,
werd' ich zu dem, was alles Denken übersteigt.
Dann geh' ich in den Höchsten ein! Das ist's,
was mir die Saiten meiner Harfe künden:
In Ihn, in Gott, kehrt alles Sein zurück.

"... das Leben des Individuums nur dann ein wahrhaft befriedigendes Ziel haben kann, wenn jedes Individuum als solches unsterblich ist; wenn ihm in einer späteren Daseinsform die Früchte seines Fleißes zuteil werden, welche ihm in der früheren durch die Ungunst der Umstände versagt blieben. Diese Befriedigung gewährt aber nicht eine Unsterblichkeitshoffnung, die jede weitere Entwicklung ausschließt, sondern nur die Lehre von den unsterblichen und entwicklungsfähigen Psychaden (=reinkarnierende Seelen), welche in immer neuen Verkörperungen, deren Mannigfaltigkeit sich vorzustellen unsere Fantasie erlahmen muss, immer neue Stufen der Vollkommenheit bis ins Unabsehbare erringen. Erst durch diese Erkenntnis löst sich das Rätsel des Daseins; erst durch sie gewinnt das Leben seinen Sinn und Wert; erst durch sie verliert der Tod seine Schrecken."

Einheit und Spaltung

Am Anfang war hier nur das Selbst; es war wie ein Mensch. Es blickte um sich und sah nichts anderes als sich selbst...
(Upanishaden)
Die Einheit ist erst dann als solche da, wenn sie sich selbst erfasst. In dem Moment jedoch, da das geschieht, ist sie schon zur Dreiheit geworden, zur Dreiheit, die offenbarte Einheit ist. Denn der Prozess, durch den die Einheit sich selbst erfasst, ist wie eine Spiegelung der Einheit im eigenen Sich-erleben. Die Einheit wird dadurch aber gespalten in zwei Elemente, die sich verhalten wie Schauendes und Geschautes. Subjekt, das sich selbst Objekt ist. Subjekt und Objekt sind in jenem Offenbarungsakt zugleich da – die Eins zeugt die Zwei. Aber das Objekt ist ja nichts anderes als das Subjekt in der Gestalt, in der es sich selbst begriffen, sich selbst erlebt, sich selbst erkannt hat – und so liegt in diesem Ursprung der Zwei auch unmittelbar der Ursprung der Drei, der dritten Phase des Offenbarungsaktes, durch welche die Identität zwischen Eins und Zwei wieder hergestellt wird. In dem Moment, in dem die Einheit sich offenbart, ist sie nur in Gestalt der dreifachen Einheit allein möglich.
(Oskar Adler)
Die uranfängliche Einheit ist wie ein weißes, unbeschriebenes Blatt Papier. Erst wenn ich den Bleistift zur Hand nehme und eine Form darauf zeichne, wird diese Form zur Realität, löst sich aus dem Nichts, das alles ist, denn jede beliebige Form kann ich auf das leere Blatt zeichnen.

Diese Form existiert aber nur durch ihre Nicht-Form, ihren Gegensatz oder Hintergrund.
Ohne die Nicht-Form könnte die Form nicht erkannt werden.

Um bei dem Beispiel der Zeichnung zu bleiben:
Will ich z.B. ein Gesicht zeichnen, so kann ich die positive Form zeichnen, den Umriss des Gesichts als solches. Ich kann aber auch den Umraum als Form sehen und das Gesicht als das Gegenstück dazu.
Die Form ohne die Gegenform ist also nicht denkbar und auch nicht wahrnehmbar.

Innenform, positive Form Außenform, negative Form

Betrachtet man die einen umgebende Welt, das Leben, so erkennt man unschwer, dass alles aus zwei Hälften besteht: Licht/Dunkelheit, Leid/Glück, ja/nein, groß/klein
Die Welt ist somit polar, bestehend aus Dualitäten, deren beide Hälften sich gegenseitig bedingen.
Man nimmt sich selbst wahr im Gegensatz zur Umwelt, zu anderen Menschen, zur Landschaft.
Es gibt also die Spaltung in „Erkenner“ und „Erkanntes“ in Subjekt und Objekt der Wahrnehmung.

Das Bewusstsein schwingt ständig zwischen diesen beiden Hälften – sieht einmal sich und einmal das Aussen, spiegelt sich im Außen, wirkt auf das Außen, erfährt Reaktionen von außen und agiert im Außen – getrieben von dem Streben die beiden Hälften wieder zu einen.
So sind der Mensch und all die Formen quasi herausgestanzt aus dem All, dem Einen, dem All-Einen, das alle Formen birgt und als Summe aller Formen „All-Nichts“ oder „Nichts-All“ (E. Haich) ist.
Die positive Form ist die „offenbarte Form“, die negative die „ungeoffenbarte Form“.
Stanze ich ein kreisförmiges Stück aus einem Blech, so ist dieses Stück die positive, geoffenbarte Form, weil ich diese schaffen wollte. Der Rest des Bleches mit dem Loch darin ist die ungeoffenbarte Form. Erst im Moment des Offenbarwerdens einer Form entsteht im gleichen Moment ihr Gegenstück. Beide sind untrennbar miteinander verbunden.
Was beide verbindet ist die untrennbare göttliche Einheit, aus der sie entstanden sind.
Beide streben in diesen „Urzustand“ zurück.
Dieses Streben zurück zur Einheit ist körperlich wirksam als sexuelle Kraft, dem Wunsch nach Vereinigung mit einer anderen Hälfte.
Allerdings stehen diese beiden Hälften nie im reinen Verhältnis von Form und Gegenform. Denn meine Gegenform ist ja nicht eine körperliche Form, sondern eine geistige.
Denn alles ist polar, so ist das Gegenpolare zum Körper der Nicht-Körper, der Geist.
Also ist alles Suchen nach seinem Gegenstück im materiellen unbefriedigend und aussichtslos, unmöglich.

Erst diese Spaltung des Einen in zwei Hälften macht Erkenntnis möglich.
Daraus folgt, dass man das Dunkle durchschreiten muss, um das Licht zu finden.
Gesundheit kann nur durch Erleiden von Krankheit empfunden werden, Glück erst, nachdem man das Unglück kennengelernt hat.
Im Grenzbereich der beiden Pole, dort wo Krankheit in Gesundheit umschlägt, erfolgt ein Polaritätswechsel, vergleichbar einem „Kippen“ der Wahrnehmung beim Betrachten, wie etwa beim Betrachten der beiden folgenden Kippbilder:

Kippbilder

Neckerwürfel, vorne ist hinten und hinten ist vorne Vase oder Gesicht?

Der Weg zur Vollkommenheit führt durch die Unvollkommenheit. Je intensiver ich einen Pol lebe, desto eher erreiche ich und desto stärker empfinde ich den Gegenpol.
Verdeutlichen kann man sich diesen Zusammenhang am „Taiji“ mit seinen beiden polaren Wirkkräften Yang (männlich hier „Licht“) und Yin (weiblich, hier „Dunkelheit“).
Jeder der beiden ineinander übergehenden Pole, die zusammen Eines sind, trägt in sich den Keim seines Gegenpoles, so den Übergang, die Wandlung in sich tragend und gebärend.
Bezieht man dieses Schema auf die sich wandelnden Ereignisse des Lebens, so mag ein solcher Keim, als kleines Ereignis im Vorgeschehen den Wandel ankündigen …


Taiji

Hier wird nun auch klar, warum alle „Weltverbesserer“ scheitern müssen, da sie versuchen einen Pol des Seins, das sogenannte „Böse“ zu eliminieren, um nur das „Gute“ zu leben.
Das Gute ist nur deshalb gut, nur deshalb da, weil es seinen Gegenpol, das „Böse“ hat. Sie bedingen sich gegenseitig. Verdrängtes Böses sinkt ins Unbewusste und wird meist nach außen auf die „böse oder schlechte Welt“ projiziert. Verschwinden kann es nicht.
So gleichen diese Weltverbesserer kleinen Kindern, die den ganzen Tag nur Eis oder Schokolade essen wollen …

Im Taiji zeigt sich aber auch das Wechselspiel von Geburt und Tod, von Einkörperung und Auskörperung, das Rad der Wiederverkörperung, geleitet von der „unstillbaren Sehnsucht“ zurück nach der und in die Einheit. Dieser Weg muss gegangen werden durch die körperliche Welt der Gegensätze.

Es ist die Einheit, die sich aufspaltet, um in Erkenntnis ihrer selbst wieder zu sich selbst zurückzufinden.

Kosmische Ordnung

"Vom Himmel muss unsere Philosophie der Geschichte des Menschengeschlechts anfangen, wenn sie einigermaßen diesen Gedanken verdienen soll. Denn da unser Wohnplatz, die Erde, nichts durch sich selbst ist, sondern von himmlischen, durch unser ganzes Weltall sich erstreckenden Kräften ihre Beschaffenheit und Gestalt, ihr Vermögen zur Organisation und Erhaltung der Geschöpfe empfängt, so muss man sie zuvörderst nicht allein und einsam, sondern im Chor der Welten betrachten, unter die sie gesetzt ist. Mit unsichtbaren, ewigen Banden ist sie an ihren Mittelpunkt, die Sonne, gebunden, von der sie Licht, Wärme, Leben und Gedeihen erhält …
Wir begnügen uns meist, die Erde als ein Staubkorn anzusehen, das in jenem großen Abgrunde schwimmt, wo Erden um die Sonne, wo diese Sonne mit tausend anderen um ihren Mittelpunkt und vielleicht mehrere solche Sonnensysteme in zerstreuten Räumen des Himmels ihre Bahnen vollenden, bis endlich die Einbildungskraft sowohl als der Verstand in diesem Meer der Unermesslichkeit und ewigen Größe sich verliert und nirgend Ausgang und Ende findet …
Wenn ich also das große Himmelsbuch aufschlage und diesen unermesslichen Palast, den allein und überall nur die Gottheit zu erfüllen vermag, vor mir sehe, so schließe ich ungeteilt, als ich kann, vom Ganzen aufs Einzelne, vom Einzelnen aufs Ganze. Es war nur eine Kraft, die die glänzende Sonne schuf und mein Staubkorn an ihr erhält; nur eine Kraft, die eine Milchstraße von Sonnen sich vielleicht um den Sirius bewegen lässt, und die in Gesetzen der Schwere auf meinem Erdkörper wirket. Da ich nun sehe, dass der Raum, den diese Erde in unserm Sonnentempel einnimmt, die Stelle, die sie mit ihrem Umlauf bezeichnet, ihre Größe, ihre Masse, nebst allem, was davon abhängt, durch Gesetze bestimmt ist, die im Unermesslichen wirken, so werde ich, wenn ich nicht gegen das Unendliche rasen will, nicht nur auf dieser Stelle zufrieden sein und mich freuen, dass ich auf ihr ins harmoniereiche Chor zahlloser Wesen getreten, sondern es wird auch mein erhabenstes Geschäft sein, zu fragen, was ich auf dieser Stelle sein soll und vermutlich nur auf ihr sein kann.
Fände ich auch in dem, was mir das Eingeschränkteste und Widrigste scheint, nicht nur Spuren jener großen bildenden Kraft, sondern auch offenbaren Zusammenhang des Kleinsten mit dem Entwurf des Schöpfers ins Ungemessene hinaus, so wird es die schönste Eigenschaft meiner Gott nachahmenden Vernunft sein, diesem Plan nachzugehen und mich der himmlischen Vernunft zu fügen."

Media in vita

"Einmal, Herz, wirst du ruhn,
Einmal den letzten Tod gestorben sein,
Zur Stille gehst du ein,
Den traumlos tiefen Schlaf zu tun.
Oft winkt er dir aus goldnem Dunkel her,
Oft sehnst du ihn heran,
Den fernen Hafen, wenn dein Kahn
Von Sturm zu Sturm gehetzt treibt auf dem Meer.
Noch aber wiegt dein Blut
Auf roher Welle dich durch Tat und Traum.
Noch brennst du, Herz, in Lebensdrang und Glut.
Hoch aus dem Weltenbaum
Lockt Furcht und Schlange dich mit süßem Zwang
Zu Wunsch und Hunger, Schuld und Lust,
Spielt hundertstimmiger Gesang
Sein holdes Regenbogenspiel durch deine Brust.
Dich ladet Liebesspiel,
Urwald der Lust, zum Krampf der Wonne ein,
Doch trunkner Gast, dort Tier und Gott zu sein,
Erregt, erschlafft, hinzuckend ohne Ziel.
Dich zieht die Kunst, die stille Zauberin,
In ihren Kreis mit seeliger Magie,
Malt Farbenschleier über Tod und Jammer hin,
Macht Qual zu Lust, Chaos zu Harmonie.
Geist lockt zu höchstem Spiel empor,
Den Sternen gegenüber stellt
Er dich, macht dich zum Mittelpunkt der Welt
Und ordnet rund um dich das All im Chor;
Vom Tier und Urschlamm bis zu dir herauf
Weist er der Herkunft ahnenreiche Spur,
Macht dich zum Ziel und Endpunkt der Natur,
Dann tut er dunkle Tore auf,
Er deutet Götter, deutet Geist und Trieb,
Zeigt, wie aus ihm sich Sinnenwelt entfaltet,
Wie das Unendliche sich immer neu gestaltet,
Und macht die Welt, die er zu Spiel zerschäumt,
Dir erst von neuem lieb,
Da du es bist, der sie und Gott und All erträumt.
Auch nach den düstern Gängen hin,
Wo Blut und Trieb das Schaurige vollziehen,
Auch dahin offen steht der Pfad,
Wo Raus aus Angst, wo Mord aus Liebe blüht,
Verbrechen dampft und Wahnsinn glüht,
Kein Grenzstein scheidet zwischen Traum und Tat.
All diese vielen Wege magst du gehen,
All diese Spiele magst du spielen noch,
Und jedem folgt, so wirst du sehen,
Ein neuer Weg veführerischer noch.
Wie hübsch ist Gut und Geld!
Wie hübsch ist: Gut und Geld verachten!
Wie schön: entsagen wegsehen von der Welt!
Wie schön: nach ihren Reizen brünstig trachten!
Zum Gott hinauf, zum Tier zurück,
Und überall zuckt flüchtig auf ein Glück.
Geh hier, geh dort, sei Mensch, sei Tier, sei Baum!
Unendlich ist der Welt vielfarbiger Traum,
Unendlich steht dir offen Tor um Tor,
Aus jedem braust des Lebens voller Chor,
Aus jedem lockt, aus jedem ruft
Ein flüchtig Glück, ein flüchtig holder Duft.
Entsagung, Tugend übe, wenn dich Angst erfaßt!
Steif auf den höchsten Turm, wirf dich herab!
Doch wisse: überall bist du nur Gast,
Gast bei der Lust, beim Leid, Gast auch im Grab –
Es speit dich neu, noch eh du ausgeruht,
Hinaus in der Geburten ewige Flut.

Doch von den tausend Wegen einer ist,
Zu finden schwer, zu ahnen leicht,
Der aller Welten Kreis mit einem Schritt ermißt,
Der nicht mehr täuscht, der letztes Ziel erreicht.
Erkenntnis blüht auf diesem Pfade dir:
Dein innerstes Ich, das nie ein Tod zerstört,
Gehört nur dir,
Gehört der Welt nicht, die auf Namen hört.
Irrweg war deine lange Pilgerschaft,
Irrweg in namenlosen Irrtums Haft,
Und immer war der Wunderpfad dir nah,
Wie konntest du so lang verblendet gehen,
Wie konnte solcher Zauber dir geschehn,
Daß diesen Pfad dein Auge niemals sah?!
Nun endet Zaubers Macht,
Du bist erwacht,
Hörst fern die Chöre brausen
Im Tal des Irrens und der Sinnen,
Und ruhig wendest du vom Außen
Dich weg und zu dir selbst, nach innen.

Dann wirst du ruhn,
Wirst letzten Tod gestorben sein,
Zur Stille gehst du ein,
Den traumlos tiefen Schlaf zu tun. "

(Hermann Hesse)

Mensch und Tier

"Tiere haben ihre Komik und Tragik wie wir. Sie sind voller Ähnlichkeit und Wechselbeziehung.
Die Menschen glauben meist, zwischen ihnen und den Tieren sei ein Abgrund.
Es ist nur eine Stufe im Rade des Lebens. Denn alle sind wir Kinder einer Einheit.
Um die Natur zu erkennen, muss man ihre Geschöpfe verstehen. Um ein Geschöpf zu verstehen, muss man in ihm den Bruder sehen.
"
(M.Kyber)

"Es gibt kein Vergangenes, das man zurücksehnen darf, es gibt nur ein ewig Neues, das sich aus den erweiterten Elementen der Vergangenheit gestaltet, und die echte Sehnsucht muß stets produktiv sein, ein Neues, Besseres zu schaffen."

"Zum Unbedingten, das nicht hier ist bei den Dingen,
Ringt, o bedingter Geist, dein unbedingtes Ringen
Im Unbedingten, das indem es sich bedingt,
Die Dinge und hervor dich selbst, Bedingter, bringt.
Das Unbedingte, hat sich selbst hervorgebracht,
Bedingter Geist, in dir, indem du's hast gedacht."

"Die Materie zerfällt beim Tode wieder in ihre letzten Elemente, die nun in anderen Formen und Verhältnissen durch die Reihen der Natur wandern, anderen Absichten zu dienen.
Die Seele aber fährt fort, in anderen Kreisen ihre Denkkraft zu üben und das Universum von anderen Seiten zu beschauen.
"
(Schiller)

"Gewiss ist der Mensch tierisch in seiner physischen Natur, aber er ist Gottes Ebenbild in seiner psychischen Natur. Das letzte Tier der Erde, der erste Gott dieser Welt – das ist der Mensch."
(Schleich)

Alles kehrt wieder, doch ist es keine Wiederkehr des Gleichen, sondern ein immer neues und höheres Werden, Wachsen, Reifer- und Vollkommenerwerden.
Glücklich jene, die in allen Leben den himmlischen Trend, den Zug nach oben spüren und gewahren!
...
Möchte doch allen Menschen bewusst werden, dass sie keine Dauermieter auf Erden sind, sondern nur vorübergehende Gäste einer unter vielen kosmischen Herbergen, die von weither kamen und früher oder später weiterziehen werden in noch unbekannte Fernen, die sie ihrem kosmischen Endziel, ihrer göttlichen Heimat näherbringen.
Selig die, welche alles nur als Übergang werten und statt nach dem Vergehenden nach dem Bleibenden trachten!

Zeit ist im physikalischen Sinne in ihrem qualitativen Aspekt betrachtet als Parameter eines Bahn oder Bewegungspfad eines Objektes oder Körpers.
Bewegung ist Ortsveränderung entlang der Zeitachse, ein reversibler Vorgang – kennt man die Anfangsbedingungen und die Trajektorie, so kann man den Zustand eines Systems zu jedem Zeitpunkt in Zukunft oder Vergangenheit vorherbestimmen, wie etwa beim Pendel.
Im Gegensatz dazu gibt es auch die Vorstellung einer Zeitqualität.
Diese ist sinnvoll und vor allem passender bei der Betrachtung von Vorgängen der Evolution, sowie der Geistes- oder Kulturgeschichte. Diese Entwicklungsvorgänge entwickeln sich ja nicht lediglich aufgrund des Zeitablaufes – vielmehr scheinen hier Muster zugrunde zu liegen, die sich zu einer bestimmten Zeit manifestieren, dem Dasein ihren Stempel aufprägen im Sinne eines Zeitgeistes und dessen Ausdrucksformen in Kunst, Wissenschaft, Philosophie, Architektur, wie etwa die Gotik, die Renaissance, die Aufklärung usw.
Diese Prägung ist typisch, ist wesentlich für diese besondere Entwicklungsstufe des Daseins, wenngleich sie nicht von jedem bewusst wahrgenommen wird.
Man denke etwa an das heliozentrische Weltbild, das zwar schon viele Jahrhunderte als richtig erkannt ist (zumindest seit Kopernikus) aber doch in der täglichen Wahrnehmung nicht präsent ist: die Wahrnehmung eines Sonnenaufgangs ist ja noch immer anthropozentrischer Natur, von der Erde aus wahrgenommen, von der aus es scheint, als drehe die Sonne sich um die Erde.
Bergson spricht in diesem Zusammenhang von Dauer als „ununterbrochenes Fortschreiten der Vergangenheit, die an der Zukunft nagt und im Vorrücken anschwillt.“
Es gibt in der Dauer keine Reversibilität: „Vergangenheit ist nicht wiederholbar: die Person, auf die ich wirke ist nicht mehr dieselbe, da sie in einem neuen Moment ihrer Geschichte ergriffen wird. Die Dinge mögen sich oberflächlich noch so sehr gleichsehen, in ihrer Tiefe sind sie nicht wiederholbar.“
Nach ihm ist „jeder Moment unteilbar, einzigartig, einfach, Moment einer Geschichte, die sich entfaltet…Vorhersagen hieße etwas erschaffen, bevor es geschaffen wurde.“
Aber „kein Künstler kann das fertige Bild vorhersehen“-dieses entsteht erst im schöpferischen Vorgang.
In der klassischen Physik kann man z.B. sehr exakt die Bewegung der Erde und ihre Position im Raum, etwa relativ zur Sonne oder zum Mond vorhersagen.
Dies geht jedoch nur, in dem man die Erde auf ihre Eigenschaft „Masse“ reduziert, als Parameter einer Kräftewirkung und eines daraus folgenden Bewegungspfades. Von der Position der Erde zum jetzigen Zeitpunkt kann ich leicht jenen in drei Monaten bestimmen. Aber was ich bestimme ist die Position eines abstrakten Massepunktes, nicht den Zustand der Erde, ihrer Bewohner, ihres Klimas, ihrer Kultur usw.
Ich kann die Position der Erde 1500 Jahre zurückverfolgen – es entgehen mir dabei aber völlig die kulturellen und geistigen Entwicklungen.
Die Erde durchläuft entlang dieses Bewegungspfades eine Geschichte, eine Entwicklung im Sinne der Entfaltung und dem Wachsen eines innewohnenden Musters, stetig und kontinuierlich.
Nach Aristoteles läuft Zeit ja nicht einfach entlang einer Linie vorwärts oder rückwärts, ebenso wenig die Kausalität, heißt ein Vorgang hat nicht einfach eine ihm vorhergehende Ursache, sondern vier davon: eine Formursache, eine Wirkursache, eine Zweckursache und eine Zielursache (siehe „Aristoteles“).